Jahreswechsel – Rück und Ausblick
„Jetzt wird wieder in die Hände gespuckt“ – Unternehmerische Energie als Kraftquelle für die Region
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Jahreswechsel zwischen Realitätssinn und Zuversicht Der Jahreswechsel ist ein geeigneter Zeitpunkt, um Bilanz zu ziehen – und zugleich den Blick nach vorne zu richten. Für unseren Bezirk Braunau geschieht diese Standortbestimmung heuer mit gemischten Gefühlen. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind herausfordernd, die Stimmung insgesamt differenziert: Während einzelne Branchen und Betriebe stark unter Druck stehen, berichten andere von einer stabilen oder zumindest zufriedenstellenden Auftragslage. In den vergangenen Jahren haben vor allem große Leitbetriebe aufgrund einer zunehmend schwierigen internationalen Marktlage an Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt. Hohe Personal- und Energiekosten, bürokratische Hürden sowie tiefgreifende strukturelle Veränderungen – etwa die abnehmende Bedeutung der deutschen Automobilindustrie im globalen Wettbewerb mit China – haben dennoch deutliche Spuren hinterlassen. Personalabbau und Investitionszurückhaltung waren die Folge.
Gemischte Auftragslage, durchwachsene Stimmung Diese Entwicklung wirkt längst über einzelne Branchen hinaus. Auch Handel, Gewerbe und Dienstleistungen spüren eine zunehmende Kaufzurückhaltung – paradoxerweise in einer Zeit, in der viel Geld auf Sparbüchern liegt. Gleichzeitig zeigt sich: Die Auftragslage ist je nach Branche unterschiedlich, und die allgemeine Stimmung in der regionalen Wirtschaft ist besser, als es manche Schlagzeilen vermuten lassen. Dennoch spitzt sich der Arbeitsmarkt zu, Unsicherheit bleibt ein Thema. „Wir müssen den Mut haben, die Dinge so anzusprechen, wie sie sind“, hält Wirtschaftskammer-Obmann Klemens Steidl fest. „Die Lage ist fordernd, aber sie ist nicht aussichtslos. Entscheidend ist, wie wir damit umgehen.“
Solide Basis: Unternehmerische Energie in der Region Ein zentraler Schlüssel liegt dabei in der Region selbst. Der Bezirk Braunau ist mit rund 6.800 Unternehmen und etwa 33.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wirtschaftlich breit und solide aufgestellt. Was diese Betriebe eint, ist eine Kraft, die man nicht in Statistiken messen kann: die unternehmerische Energie. Sie ist es, die Unternehmerinnen und Unternehmer seit jeher antreibt – kreativ zu sein, innovativ zu denken, Verantwortung zu übernehmen und Dinge anzupacken und umzusetzen. Steidl: „Diese unternehmerische Energie ist nach wie vor vorhanden. Auch wenn die Rahmenbedingungen derzeit alles andere als optimal sind, sind alle gefordert, ihr Bestes zu geben. Mehr denn je braucht es Einsatz, Leistungsbereitschaft und den Willen, Lösungen zu finden.“
Regional handeln heißt Zukunft aktiv mitgestalten Bezirksstellenleiter Klaus Berer ergänzt: „Gerade, weil die Stimmung in vielen Betrieben durchaus besser ist als erwartet, gilt es, dieses Fundament zu nutzen. Gleichzeitig braucht es ein Umdenken im Mindset. Eigenverantwortung muss wieder stärker in den Mittelpunkt rücken – in der Wirtschaft, in der Politik, aber auch bei jedem Einzelnen.“ Wer regional einkauft, regionale Dienstleistungen nutzt oder bewusst heimische Betriebe beauftragt, leistet einen unmittelbaren Beitrag zur Stabilisierung der regionalen Wirtschaft. „Wenn jede und jeder nur ein einziges Mal öfter regional kauft als bisher, macht das in Summe einen enormen Unterschied“, so Berer.
Leistung als Voraussetzung für Wohlstand und Sicherheit Auch unbequeme Wahrheiten gehören angesprochen. Berer: „Ein Wohlstands- und Sozialstaat lässt sich langfristig nicht ohne Leistung sichern. Eine Work-Life-Balance, die Leistung verdrängt statt fördert, kann kein Zukunftsmodell sein. Unterstützung für Arbeitssuchende ist wichtig – gleichzeitig braucht es klare Erwartungen, ein konsequentes Vermitteln von Jobs und kein Schüren falscher Erwartungshaltungen.“
Ein alter Leitspruch mit neuer Aktualität Vielleicht darf man sich zum Jahreswechsel auch an einen alten Leitspruch erinnern. Anfang der 1980er-Jahre hieß es in einem bekannten Lied: „Jetzt wird wieder in die Hände gespuckt, wir steigern das Bruttosozialprodukt.“ Dieser Titel trifft – mit einem Augenzwinkern - genau den Kern der aktuellen Herausforderung. Wenn es gelingt, die vorhandene unternehmerische Energie, die vielfach stabile Auftragslage, Leistungsbereitschaft und regionalen Zusammenhalt zu bündeln, dann hat der Bezirk Braunau gute Chancen, auch diese fordernde Phase zu meistern und gestärkt daraus hervorzugehen.