Drauf und dran mit Holz
Aufstocken, anbauen, nachverdichten – Dialog Holzbau 2026 widmete sich der Nachverdichtung mit Holz, dem Megathema der Zukunft
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Vor der Rekordzahl von 330 Teilnehmerinnen und Teilnehmern fand am Dienstagabend in der Kepler Hall an der JKU Linz der diesjährige Dialog Holzbau statt. Die Veranstaltung von proHolz OÖ und der Landesinnung Holzbau OÖ widmete sich heuer dem hochaktuellen Thema der Nachverdichtung mit Holz.
Bauen im Bestand
Den inhaltlichen Auftakt machte die deutsche Architekturkritikerin und Autorin Sandra Hofmeister mit ihrem Vortrag „Bauen im Bestand“. Sie betonte, dass Bestandsgebäude als Ressource verstanden werden müssen. Allein in Deutschland fallen jährlich rund 75 Millionen Tonnen Bauabfälle an — ein enormes Potenzial, das durch Weiterbauen statt Abreißen besser genutzt werden könnte. Als zentrale Herausforderung beim Bauen im Bestand nannte Hofmeister die komplexen Genehmigungsprozesse. Hier seien Erleichterungen dringend notwendig. Gleichzeitig werde ihrer Ansicht nach mit Abrissgenehmigungen zu leichtfertig umgegangen. Diese sollten vielmehr restriktiver gehandhabt werden. Ein CO₂-Budget für Gebäude könne dabei helfen, den Fokus stärker auf Erhalt und Weiterentwicklung statt Neubau zu lenken.
Sinnlich dichter wohnen
Oxid Architektur ist ein in Zürich ansässiges Architekturbüro unter der Leitung von Yves Schihin. Für ihr Projekt „Buck 40“ erhielt Oxid Architektur zuletzt den Best Architects Award 26. Im Vortrag von Yves Schihin wurden verschiedene Umsetzungsbeispiele des Büros zum Thema Nachverdichtung in Holz gezeigt. Oxid Architektur versucht bei ihren Projekten, den Bestand weitestgehend zu erhalten. Schihin ist überzeugt, dass der Baustoff Holz dabei Vorteile ausspielen kann. Der große Mehrwert liegt für ihn im hohen Vorfertigungsgrad und im geringen Gewicht des Materials, kein anderer Baustoff könne das leisten. Wichtig ist es dabei, von Anfang an in Holz zu denken und zu planen.
Chancen und Grenzen im Diskurs
In einer hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion wurden anschließend die Chancen und Grenzen der Nachverdichtung im Holzbau intensiv diskutiert. Oberösterreichs Bau- und Wohnbaulandesrat Manfred Haimbuchner verwies in der Diskussion auf die Nachverdichtungsverordnung des Landes Oberösterreich, die im vergangenen Jahr in Kraft getreten ist. Ziel dieser Verordnung ist, bei Nachverdichtungsprojekten marktkonforme Preise zu ermöglichen, damit diese wirtschaftlich mit Neubauten konkurrieren können. Daher arbeitet die Wohnbauförderung nun auch in diesem Bereich mit direkten Landesdarlehen. Insgesamt investiert das Land Oberösterreich 2026 über 140 Millionen Euro in diese direkten Landesdarlehen. Damit können rund 2200 Miet- bzw. Mietkaufwohnungen geschaffen werden.
Stefan Hutter vom Verband gemeinnütziger Bauvereinigungen OÖ sprach darüber, dass bei den genossenschaftlichen Bauträgern die Nachverdichtung von Bestandsbauten mit Holz vor allem im kommunalen Bau relevant ist. Viele Gemeinden wünschen sich bei der Erweiterung von Kinderbetreuungseinrichtungen gezielt den Einsatz von Holz.
Holzbaumeister Karl Niedermayer von der Firma Weißhaidinger brachte Beispiele aus der Praxis in die Diskussion ein. Er zeigte sich optimistisch und betonte, dass seiner Meinung nach das Thema Aufstockungen ein wichtiger Zukunftsbereich für die Entwicklung des Holzbaus sein wird.