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Weltkugel mit Flaggen
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Handel schafft Wertschöpfung  und Wohlstand

Am 1. Mai ist das Handelsabkommen EU-Mercosur vorläufig in Kraft getreten. Eine gute Nachricht für alle, die auf regelbasierten Außenhandel statt auf erpresserische „Deals“ setzen.

Lesedauer: 3 Minuten

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Aktualisiert am 06.05.2026

Auch für Österreich, das etwa die Hälfte seiner Wertschöpfung und damit seines Wohlstands im Ausland verdient, ist das Handelsabkommen eine gute Nachricht und eine große Chance für neue Geschäfte zugleich. Denn der Außenhandel mit den Mercosur-Ländern Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay (270 Mio. Einwohner) ist ausbaufähig. Experten schätzen das zusätzliche Exportpotenzial mit den Ländern auf 1 Mrd. Euro.

Österreich exportierte 2024 Waren im Wert von rund 1,3 Mrd. Euro in die Mercosur-Staaten. Oberösterreich zählt dabei zu den wichtigsten Herkunftsregionen industrieller Güter wie Maschinen, Anlagen und Fahrzeugteile. Gleichzeitig importierte Österreich Waren im Umfang von rund 580 Mio. Euro aus dem Mercosur-Raum, insbesondere Agrarrohstoffe, Erze und biogene Vorprodukte für Industrie und Verarbeitung. 

Die Zölle sind heute noch nicht auf null

Die in der Mercosur-Verhandlungsphase immer wieder geäußerten Warnungen, Europa respektive Österreich werde wegen des Zollabbaus von „billigen Importen überschwemmt“ und die heimische Wirtschaft werde auf der Strecke bleiben, sind nur das Fakten ignorierende Schüren von Ängsten. Denn die Zölle sind ja nicht am 1. Mai 2026 auf null gesunken. Die Zölle werden wie bei allen anderen EU-Handelsabkommen schrittweise abgebaut. 

In Brasilien liegen die Zölle beispielsweise bei Maschinen aktuell zwischen 14 und 20 Prozent, bei Transportmitteln sogar zwischen 14 und 35 Prozent. Bis die Zölle auf 0 sind, wird es daher noch 10 bis 15 Jahre dauern. Beispielsweise dauert es bei flach gewalzten Erzeugnissen aus unlegiertem Eisen oder Stahl bis 2036, bei Feuerwehrlöschfahrzeugen bis 2041, bei Energydrinks bis 2034 und bei Metallrohrmühlen bis 2036.

EU-Indien
© AdobeStock Die EU setzt richtigerweise auf Freihandelsabkommen, aktuell laufen Verhandlungen mit Indien und Australien. Moderne Handelsabkommen sind mehr als reiner Zollabbau. Sie bringen stabile Beziehungen und Versorgungssicherheit.

Umgekehrt ist die lange Übergangsphase auch die Chance für heimische Exporteure. Denn die Unternehmen können aufgrund dieser stabilen Regeln ihre Außenhandelsengagements langfristig und strategisch planen und umsetzen. Wie wertvoll das ist, zeigt das Beispiel CETA, das 2017 in Kraft getretene Handelsabkommen zwischen der EU und Kanada.

CETA zeigt: Handel schafft Vertrauen, Stabilität und Wachstum

Das EU-Handelsabkommen CETA mit Kanada zeigt konkret, wie moderne Handelsabkommen wirken können. Seit der vorläufigen Anwendung 2017

  • wurden 98 Prozent der Industriezölle abgeschafft,  
  • stieg der Warenhandel um 65 Prozent, 
  • verbesserten sich Marktzugang und Planungssicherheit für Unternehmen.

Kanada ist heute

  • ein stabiler Absatzmarkt für oö. Industrieprodukte (Maschinen  und Anlagenbau, Automotive, Metalltechnik), 
  • ein verlässlicher Lieferant kritischer Rohstoffe, Bergbauprodukten, Holz und Holzprodukte sowie industrielle Vorleistungen und 
  • ein politisch verlässlicher Partner in global herausfordernden Zeiten.

Österreich als klarer Profiteur von CETA

  • Österreichs Warenexporte nach Kanada stiegen seit 2017 um rund 68 Prozent, während die Gesamtexporte Österreichs um 37 Prozent zulegten. 
  • Österreich weist gegenüber Kanada einen dauerhaft positiven Handelsbilanzüberschuss auf. 2024 waren es 964 Mio. Euro. 
  • Kanada zählt zu den Top-Überseemärkten für österreichische Industriegüter.  

Befürchtungen haben sich nicht bewahrheitet

CETA war in Österreich und anderen EU-Ländern vor Inkrafttreten ähnlich stark umstritten wie der Mercosur-Pakt. Diese Befürchtungen haben sich nicht bestätigt.

  • Standards in Umwelt-, Verbraucher- und Arbeitnehmerschutz wurden nicht abgesenkt, 
  • staatliche Regulierungsrechte blieben unangetastet und 
  • KMU profitieren messbar durch Zollabbau, transparente Regeln und besseren Marktzugang. 

Stattdessen belegen unabhängige Evaluierungen und Handelsdaten

  • deutlich gestiegene Exporte, 
  • positive Handelsbilanzen für Österreich und 
  • mehr Resilienz durch Diversifizierung von Absatz- und Beschaffungsmärkten.

CETA macht deutlich: Regelbasierter Handel stärkt wirtschaftliche Resilienz und vertieft politische Partnerschaften. Diese Erfahrung ist eine zentrale Grundlage für aktuelle Abkommen mit Mercosur, Indien und Australien.