Im oö. Gewerbe regiert noch Vorsicht
Markus Redl, Obmann der oö. Sparte Gewerbe und Handwerk, hofft auf ein zeitverzögertes Anspringen der Konjunktur. Globale Konflikte und unberechenbare US-Politik drücken Stimmung auch im oö. Gewerbe.
Lesedauer: 4 Minuten
„Eigentlich sind mit Anfang des Jahres die Zeichen auf leichtes Wachstum in den rund 58.000 oö. Gewerbe- und Handwerksbetrieben gestanden. Ob es dazu kommt, ist seit dem Iran-Krieg samt gestörten Lieferketten und enormen Preissprüngen bei fossilen Energieträgern, Rohstoffen und Materialien wieder höchst unsicher“, fasst Markus Redl, Obmann der Sparte Gewerbe und Handwerk in der WKOÖ, Stimmung und Erwartungshaltung für das 2. Quartal 2026 zusammen.
Die erratische und unberechenbare US-Politik (Iran-Krieg, Zölle) erzeugt direkt und indirekt Verunsicherung und Zurückhaltung bei Konsumenten und Investoren. Dass sich das nach der vereinbarten Waffenruhe in absehbarer Zeit ändern wird, ist fraglich, zu unsicher sind die Aussichten. „Das sehen auch die oö. Gewerbe- und Handwerksbetriebe so, weshalb sie bei den Geschäftserwartungen für das laufende Vierteljahr vorsichtig bleiben“, so Redl. Er geht davon aus, dass es im 2. Quartal noch keinen großen Aufschwung, sondern eine Seitwärtsbewegung geben wird.
Laut aktueller Konjunkturbeobachtung der KMU Forschung Austria ist die Stimmung im oö. Gewerbe und Handwerk im 1. Quartal etwas besser geworden, allerdings von einem sehr niedrigen Niveau aus. Demnach bezeichneten 19 Prozent der Betriebe die Geschäftslage mit „gut“ und 24 Prozent mit „schlecht“. Im letzten Quartal 2025 lagen die Werte noch um 15 Prozentpunkte auseinander. Bei den Auftrags- bzw. Umsatzerwartungen halten sich Optimisten und Pessimisten die Waage. Jeweils 19 Prozent erwarten mehr bzw. weniger Aufträge bzw. Umsätze. Im 2. Quartal des Vorjahres überwogen noch um 15 Prozentpunkte die Pessimisten.
Redl: Alles tun, was Impulse und Entlastungen bringt
Vor diesem Hintergrund plädiert Redl an die Bundes- und Landespolitik, „alles zu tun, was Impulse und Entlastungen bringt“. Vor allem bei Steuern und Abgaben, Bürokratie und Verwaltungen, Arbeitskosten sowie Preisen von Rohstoffen und Materialien, die jetzt durch den Iran-Krieg erneut explodiert sind, sieht er Ansatzpunkte. „Unsere Betriebe brauchen tatsächliche Unterstützung und spürbare Entlastung, aber auch Stimmungsaufheller und echte Signale“, so Redl.
Kurz- und mittelfristige Impulse bzw. Entlastungen erwartet sich Redl vom ab 2027 geltenden Industriestrompreis, von der Industriestrategie 2035, von der indirekt auch Gewerbe und Handwerk profitieren werden, vom FTI-Pakt für Innovation und Schlüsseltechnologien, der auch vielen KMU den Weg zu Fördermitteln (2,6 Mrd. Euro bis 2029) ebnet, sowie vom angekündigten zweiten Entbürokratisierungspaket. „Bei der Deregulierung muss auf EU-, Bundes- und Landesebene einiges weitergehen, denn allein die oö. Unternehmen müssen pro Jahr 56 Mio. Arbeitsstunden für Bürokratie verwenden und der Aufwand dafür macht sage und schreibe 3,7 Mrd. Euro aus. Überproportional betroffen sind KMU“, so Redl. Darüber hinaus plädiert er für die im Regierungsprogramm vereinbarte Lohnnebenkostensenkung. „Die Umsetzung muss noch heuer erfolgen und für die Betriebe spürbar sein, also mindestens 5 Prozentpunkte ausmachen“, so Redl.
In der Praxis haben viele Unternehmen im Bau- und baunahen Bereich auf eine 4-Tage-Woche mit 10 Arbeitsstunden pro Tag umgestellt. Für Jugendliche unter 18 Jahren ist die tägliche Arbeitszeit aber auf maximal 8 Stunden begrenzt. Das ist realitätsfremd und konterkariert die Ausbildung.

Markus Redl
Obmann der Sparte Gewerbe und Handwerk in der WKOÖ
Eine Deregulierung liegt Redl besonders am Herzen, nämlich das Ermöglichen einer 4-Tage-Woche für Lehrlinge bei unveränderter wöchentlicher Arbeitszeit. Redl: „In der Praxis haben viele Unternehmen im Bau- und baunahen Bereich auf eine 4-Tage-Woche mit 10 Arbeitsstunden pro Tag umgestellt. Für Jugendliche unter 18 Jahren ist die tägliche Arbeitszeit aber auf maximal 8 Stunden begrenzt. Das heißt, sie müssen vor Beendigung der Arbeiten nach Hause gebracht werden und damit sie am fünften Tag nicht däumchendrehend herumstehen, müsste eine eigene Lehrlingsbetreuung organisiert werden. Das ist realitätsfremd und konterkariert die Ausbildung.“
Ganz zentral aus Sicht des Gewerbeobmanns sind Impulse für die Konjunkturlokomotive Bau im weitesten Sinn. Redl: „Noch lassen die Auftragseingänge in den betroffenen Branchen zu wünschen übrig.“ Der Auftragsstand in den investitionsgüternahen Branchen — von Bau und Baunebengewerbe über Metalltechnik bis Gärtner, Tischler und Kunststoffverarbeiter — ist gegenüber dem 1. Quartal 2025 noch einmal um fast 5 Prozent gesunken. Die Hälfte der Betriebe könnte sofort einen Auftrag annehmen, 35 Prozent in drei Monaten. Einige Maßnahmen, wie das Aus der KIM-Verordnung, die neue Klimaschutzförderung (Heizungstausch, Fassadendämmung, thermische Gebäudesanierung), die Erhöhung der Schwellenwerte oder die Erhöhung des Investitionsfreibetrags von 10 auf 20 Prozent (bei Umweltinvestitionen von 15 auf 22 Prozent), sollten Rückenwind bringen.
„Da derartige Maßnahmen klarerweise nicht von heute auf morgen greifen, werden erste Verbesserungen bei Umsätzen und Auslastung erst zeitverzögert ankommen“, rechnet Redl für das oö. Gewerbe und Handwerk ab dem 2. Halbjahr mit einem kleinen Wachstum, sofern nicht der nächste mutwillige globale Konflikt die Erholung wieder abwürgt.