Kreislaufwirtschaft hilft bei Mangel an kritischen Rohstoffen
Europa und im Speziellen Österreich sind abhängig von einer Handvoll strategisch wichtiger Rohstoffe, die aus dem Ausland, meist aus China, importiert werden müssen. Alternativen sind kaum zu finden.
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Um die Versorgung dennoch zu sichern, müsse Europa auf Kreislaufwirtschaft setzen, also auf sparsamen Einsatz und Wiederverwertung der heiklen Rohstoffe, erklärten vergangene Woche das auf Lieferkettenprobleme spezialisierte ASCII-Institut und das Kontext-Institut. Bei 12 von 17 strategischen Rohstoffen ist die Versorgung in der EU „gefährdet bis stark gefährdet“, betonen die Lieferketten-Experten.
Österreich ist bei 8 dieser Produkte vor allem von China abhängig. Österreichische Exporte im Wert von fast 100 Mrd. Euro hängen an solchen kritischen Rohstoffen. Verstärkt Kreislaufwirtschaft einzusetzen würde heißen, weniger dieser Rohstoffe zu brauchen, sie effizienter und länger einzusetzen und schließlich wiederzuverwenden oder zu recyceln, so Katharina Rogenhofer vom Kontext-Institut. Auch Peter Klimek, Direktor des Supply Chain Intelligence Institute Austria (ASCII), plädiert für den Umstieg auf Kreislaufwirtschaft.
Zu den acht Produkten, bei denen die Versorgung „stark gefährdet“ ist, gehören Lithium (für Batterien), Seltene Erden (für Permanentmagnete in Motoren, Windturbinen, Elektronik) und Magnesium (für Autos, Verpackungen, Bau). Für die Automobil-, Stahl- und Maschinenbauindustrie, die rund 24 Mrd. Euro an Produkten exportieren, steht hier besonders viel am Spiel.
Die EU will zwar Importe aus alternativen Ländern stärken, mehr in der EU fördern und mehr recyceln. Allerdings gibt es oft keine alternativen Anbieter und die Förderung ist oft politisch unerwünscht oder scheitert am Widerstand von Anrainern. Zudem werden 9 der 17 strategischen Rohstoffe bisher kaum recycelt, in der EU gibt es dafür auch zu wenig Werke.
Nachfragedämpfung kurzfristig am wirkungsvollsten
Um das Versorgungsrisiko zu verringern, ist kurzfristig bis 2030 die Reduktion der Nachfrage das wirkungsvollste Instrument, so die beiden Institute. Relativ kurzfristig wirksam wäre auch, die Materialeffizienz zu steigern, die Importländer zu diversifizieren, langfristige Lieferverträge abzuschließen und strategische Reserven aufzubauen. Auch Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmansdorfer stellt sich hinter das Konzept Kreislaufwirtschaft und plädiert im Sinne von höherer Versorgungssicherheit und mehr Unabhängigkeit für den raschen Ausbau von verbindlichen Rohstoffpartnerschaften und weiteren Handelsabkommen.
Schlüsselrohstoffe Seltene Erden
Die 17 Metalle der Seltenen Erden (von Cer bis Yttrium) werden in vielen Schlüsseltechnologien eingesetzt. Nur einige Beispiele:
- Neodym wird in Legierung mit Eisen und Bor zur Herstellung von Dauermagneten verwendet. Diese Neodym-Magnete werden in permanenterregten Elektromotoren, Generatoren von Windkraftanlagen und auch in Elektromotoren von Kfz-Hybrid-Antrieben eingesetzt.
- Lanthan wird für Legierungen in Akkumulatoren benötigt.
- Seltene Erden werden für Polituren (Spezialgläser), Leuchtmittel (Plasma- und LCD-Bildschirme), Leuchtstofflampen, Radargeräte eingesetzt.
- Seltene Erden werden in der medizinisch-diagnostischen Radiologie als Kontrastmittelbeigabe bei Kernspin-Untersuchungen (MRT) verwendet.
- Lanthanoxide: neue Einsatzmöglichkeiten, z.B. in Dampfturbinen und Flugzeugtriebwerken