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Transparenzrichtlinie
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Richtlinie bringt Bürokratie statt Chancengleichheit

Die Lohntransparenz-Richtlinie geht zu Lasten der Unternehmen und der Leistungsbereiten.

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Aktualisiert am 20.05.2026

„Wir unterstützen das Ziel der Richtlinie, geschlechtsspezifische Lohnunterschiede zu verringern. Doch die Lohntransparenz-Richtlinie schafft Bürokratie statt Chancengleichheit. Unternehmen wird dadurch eine enorme Last aufgebürdet, ohne Verbesserungen gegenüber dem derzeitigen System zu bringen“, so WKÖ-Generalsekretär Jochen Danninger. Die Richtlinie könnte sich sogar negativ auf die Entlohnung auswirken – für Frauen wie Männer. „Wenn ich Leistungsträgerinnen und Leistungsträgern mehr zahlen möchte, muss ich mich rechtfertigen. Wenn ich allen dasselbe zahle, bin ich abgesichert. Das Lohnniveau gleicht sich zwar an, aber nach unten. Statt für mehr Fairness zu sorgen, könnte das für Arbeitnehmerinnen nachteilig sein“, warnt Danninger. Um ungerechtfertigte Lohnunterschiede auszugleichen, bräuchte es andere Maßnahmen wie den Ausbau der Kinderbetreuung.

Für Betriebe wiederum bedeutet die Richtlinie, Lohn- und Gehaltsdaten offenlegen und Vergütungssysteme mit detailliert definierten Kriterien erstellen zu müssen. Ab 100 Mitarbeiter sind zusätzlich regelmäßige Berichte nötig. Wird ein Gehaltsunterschied von mehr als 5 Prozent festgestellt, sind aufwendige Prüfungen des Unterschieds bzw. deren Korrektur einzuleiten. „Betriebe sind mit einem neuen Bürokratiemonster konfrontiert, obwohl Österreich mit seinen Kollektivverträgen, die 98 Prozent aller Arbeitsverhältnisse abdecken, ohnehin ein transparentes, objektives Entlohnungssystem hat“, so Danninger.

Nur wenige EU-Länder haben bislang Entwürfe vorgelegt. Viele prüfen, wie sich die Vorgaben in ihre nationalen Systeme integrieren lassen. Wichtig sei für Österreich, nichts zu überstürzen. „Diese Richtlinie ist in unseren Augen eine Fehlkonstruktion. Die EU sollte unser funktionierendes System anerkennen. Außerdem darf es zu keiner Übererfüllung von EU-Vorgaben kommen“, fordert Danninger. Auch solle man Anreize setzen, statt gleich empfindliche Strafen einzuführen.

Hummer: Qualität vor Zeitdruck

WKOÖ-Präsidentin Doris Hummer fordert bei der Lohntransparenz-Richtlinie „Qualität vor Zeitdruck und eine wirtschaftsfreundliche, praxisnahe, nicht standortschädliche Adaptierung“. Ebenso müsse die Frist für die nationale Umsetzung verlängert werden. Das gibt den Unternehmen Zeit, ihre Systeme anzupassen, und dem Gesetzgeber Zeit, um unter Einbindung der Sozialpartner eine praktikable Lösung auszuarbeiten. Aus WKOÖ-Sicht essenziell sind: 

  • „Stop the clock“: Richtlinie zurück an den Start, völlig neu verhandeln und praxisnah ausgestalten 
  • Falls kein „stop the clock” Umsetzungsfrist um mind. 1 Jahr verlängern 
  • Kein nationales Gold Plating der EU-Vorgaben 
  • Kein Aushöhlen unseres Kollektivvertragssystems  
  • Nach Inkrafttreten ausreichende Übergangsfristen 
  • Überbordende Sanktionen werden strikt abgelehnt, denn selbst bei größter Genauigkeit wird es infolge der Unbestimmtheit der Begriffe der gleichen bzw. gleichwertigen Arbeit immer Rechtsunsicherheit geben.