450 Jahre: von der Hexenküche zum Pharma-Unternehmen
Richter Pharma verdreifacht Produktion in Österreich und kritisiert den Kostendruck durch staatliche Preisdeckelungen.
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450 Jahre im Dienste der Gesundheit: Dieses fast surreal anmutende Jubiläum kann Richter-Pharma in Wels in diesem Jahr feiern. Die Wurzeln des Konzerns liegen in der Adler-Apotheke am Welser Stadtplatz, die 1576 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Vorstandsvorsitzender Roland Huemer und Eigentümer Florian Fritsch sind auf diese lange Tradition stolz.
Grund zur Freude geben aber auch die Geschäftszahlen des vergangenen Jahres: Fast eine Milliarde Umsatz verzeichnet das Unternehmen, im Geschäftsjahr 2025 sind die Erlöse um 8,3 Prozent auf 941 Millionen Euro gestiegen. Das Ergebnis vor Steuern legte um 20,2 Prozent auf 12,5 Millionen Euro zu. 491 Mitarbeiter waren es zum Jahresende 2025, damit 23 mehr als im Vorjahr. Mit dem heutigen Tag hat man die 500er Marke längst überschritten.
Preisdeckelung und Druck auf Gesundheitsversorgung
Ganz ungetrübt ist die Freude für CEO Roland Huemer aber nicht. „Im Vergleich zum Umsatz ist der Ertrag nicht sehr hoch, das zeigt, wie groß der wirtschaftliche Druck auf die Gesundheitsversorgung ist." Weil Richter Pharma bildlich gesehen „auf vier Beinen" steht – Großhandel von Medikamenten für Menschen, Großhandel von Medikamenten für Tiere, Logistik für Pharmahersteller und eigene Produktion von veterinärmedizinischen Arzneimitteln – ist ganz klar erkennbar, dass man das beste Geschäft in den Bereichen Logistik und Produktion macht.
Im Magen liegen Huemer und Eigentümer Florian Fritsch die seit 2004 gedeckelten Preise und Margen bei Human-Arzneimitteln. „Es gibt ein paar Vergütungen, die uns ein wenig entlasten", so Huemer. Das sei aber nur ein kurzfristiger Effekt. „Für Hersteller, Großhänder und Apotheken wird die Aufgabe, die Versorgung mit Medikamenten für Mensch und Tier sicherzustellen, immer schwerer zu erfüllen."
Vor 100 Jahren: Medikamente aus der Hexenküche
In der eigenen „Hexenküche" hätten seine Vorfahren vor rund 100 Jahren in der Adler-Apotheke mit der Herstellung von Medikamenten begonnen, noch heute taucht die eine oder andere Verpackung auf Flohmärkten in der Region auf, freut sich Florian Fritsch. Als er 1992 die erste große Produktion in Wels mit einer Investition von rund 100 Mio. Schilling aufgestellt hat, war ihm noch ungläubiges Staunen entgegengeschlagen. Dennoch ist Wels für Fritsch bis heute der richtige Standort und die erste Wahl. „Hier hat man uns immer unterstützt", so Fritsch, „zwar nicht finanziell, aber in allen anderen Bereichen."
Bis zu zehn Mio. Packungen und damit dreimal so viel als ursprünglich vorgesehen, werden aktuell hergestellt, bis 2030 sollen sich die Neuzulassungen im Bereich Medikamente verdoppeln, bei rund 800 liegt man aktuell. „Bei den sterilen Injektionslösungen sind wir ganz vorne mit dabei", sagt CEO Huemer.
Aktuell ist die digitale Transformation ein großes Thema für das Unternehmen. Arbeitsplätze sind dadurch aber primär nicht in Gefahr. Im Gegenteil: In der Produktion sind 50 neue Stellen geplant.