Der wichtigste Rat, einfach anfangen
Marlene Schatzdorfer, geschäftsführende Gesellschafterin der Schatzdorfer Gerätebau GmbH in Vöcklabruck, wird beim Nachhaltigkeitstag der oö. Wirtschaft am 10. Juni Einblicke in die zentrale Thematik Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung und Energieeffizienz für Unternehmen geben.
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Die OÖWirtschaft hat sie schon im Vorfeld dazu befragt.
OÖW: Frau Schatzdorfer, wie sieht Ihre Unternehmensphilosophie aus und welche Rolle spielen dabei Energieeffizienz und nachhaltige Produktion?
Schatzdorfer: Unsere Unternehmensphilosophie in Bezug auf Effizienz – speziell Energieeffizienz – ist eigentlich seit Jahrzehnten dieselbe. Seit 1958 konzentrieren wir uns darauf, ressourcenschonend zu produzieren. Früher hat man dazu einfach „sparen“ gesagt, heute nennt man es „Nachhaltigkeit“. Meine Oma hat zum Beispiel die Rolle der Rechenmaschine umgedreht und auf der Rückseite weitergerechnet. Sie nannte das Sparen. Heute würde man wahrscheinlich sagen: gelebte Kreislaufwirtschaft. Für uns war Nachhaltigkeit nie ein Trend oder ein Marketingthema, sondern immer Hausverstand. Ressourcen effizient einzusetzen, war für uns als produzierendes Unternehmen seit jeher selbstverständlich.
Nicht warten, bis alles perfekt ist. Die ersten Maßnahmen bringen oft schneller Ergebnisse, als man denkt.

Marlene Schatzdorfer
OÖW: Gab es einen Anlass, einen dezidierten Auslöser, sich intensiver mit dem Energieverbrauch im Betrieb zu beschäftigen?
Schatzdorfer: Anlässe gab es immer. Viele Maßnahmen wurden bei uns lange umgesetzt, bevor es dafür regulatorische Vorgaben oder politischen Druck gab. Unser Zugang ist nicht extrinsisch motiviert – also nicht von außen getrieben –, sondern intrinsisch. Wir wollen nachhaltig wirtschaften, weil wir davon überzeugt sind. Wir wollen unseren Kindern eine saubere Umwelt hinterlassen. Mein persönlicher Zugang ist: Ich möchte alles tun, was in meiner Macht steht. Falls mich meine Kinder eines Tages fragen: „Mama, was hast du getan, um die Umwelt zu schützen?“, dann möchte ich sagen können: Alles, was möglich war. Das ist für mich der eigentliche Auslöser.
OÖW: Welche konkreten Maßnahmen haben Sie schon gesetzt und was hat Sie am meisten hinsichtlich Effektivität und Effizienz überrascht?
Schatzdorfer: Das Thema begleitet uns schon seit Jahrzehnten. Bereits rund um das Jahr 2010 haben wir eine Wasser-Wasser-Wärmepumpe installiert. Dadurch kommen wir mittlerweile seit vielen Jahren kom-plett ohne Gas und ohne Öl aus. Bei uns läuft alles elektrisch. Besonders überrascht hat mich die Effizienz unserer PV-Anlage in Kombination mit der LED-Umstellung in der Produktion. Mit unserer 650-kWp-Photovoltaikanlage können wir rund 40 Prozent unseres Eigenbedarfs decken.
OÖW: Welche positiven Effekte (Kosten, Prozesse, Personal) konnten Sie durch Ihre umgesetzten Maßnahmen feststellen?
Schatzdorfer: Die Effekte sind sehr konkret messbar. Durch die LED-Umstellung konnten wir rund ein Drittel der Stromkosten reduzieren. Zusätzlich haben wir mit neuen Sanitäranlagen auch den Wasserverbrauch um etwa ein Drittel gesenkt. Aber Nachhaltigkeit ist nicht etwas, das man als Chefin einfach anschafft. Nachhaltigkeit kann nur im Team funktionieren. Jeder Einzelne muss den Gedanken mittragen und mitleben. Dafür bin ich unserem Team wirklich dankbar. Wenn ich mittags durch die Produktion gehe, ist in den Bereichen, in denen gerade nicht gearbeitet wird, selbstverständlich das Licht ausgeschaltet. Das klingt nach einer Kleinigkeit, aber genau diese vielen kleinen Dinge machen in Summe den Unterschied.
OÖW: Was steht noch auf Ihrer Maßnahmenliste?
Schatzdorfer: In den nächsten Monaten planen wir die Implementierung eines Stickstoffgenerators. Damit können wir am Wochenende mit unserem eigenen PV-Strom jenen Stickstoff erzeugen, den wir unter der Woche beim Laserschneiden benötigen. Zusätzlich planen wir einen Stromspeicher, um Lastspitzen zu reduzieren und unseren Eigenverbrauch noch effizienter zu gestalten. Das Ziel ist für uns immer, Energie nicht nur nachhaltiger, sondern auch intelligenter einzusetzen.
OÖW: Was würden Sie einem KMU sagen, das beim Thema Energieeffizienz und nachhaltig Wirtschaften erst am Start steht? Was würden Sie als erste konkrete Schritte empfehlen?
Schatzdorfer: Als Geschäftsführerin eines KMU weiß ich, dass solche Themen oft direkt bei den Eigentümerinnen und Eigentümern landen. Gerade am Anfang kann man sich in diesem „Effizienzdschungel“ schnell verlieren. Deshalb würde ich empfehlen, mit verlässlichen Partnern zusammenzuarbeiten. In unserem Fall war das die IFEA, die uns hervorragend unterstützt hat. Gemeinsam haben wir ein Greenhouse-Gas-Protokoll erstellt und erstmals genau berechnet, wie viel CO₂ wir am Standort verursachen. Dadurch wissen wir jetzt auch sehr konkret, wo wir weiter ansetzen können. Sehr gute Erfahrungen haben wir außerdem mit der Öko-Plus-Förderung der Wirtschaftskammer Oberösterreich gemacht. Sie war unkompliziert, niederschwellig und einfach umzusetzen. Genau solche Programme helfen KMU dabei, die ersten Schritte zu gehen. Der wichtigste Rat lautet: Einfach anfangen. Nicht warten, bis alles perfekt ist. Die ersten Maßnahmen bringen oft schneller Ergebnisse, als man denkt.