Schon jetzt einen Fuß in der Tür haben – Ukraine im Außenhandelsfokus
Warum soll man die Ukraine, die sich seit über vier Jahren gegen den Aggressor Russland verteidigt, auf dem Exportschirm haben? Was spricht dafür, seine Außenhandelsfühler auszustrecken? David Bachmann, Wirtschaftsdelegierter in Kiew, gibt Einblicke und Antworten.
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Trotz des anhaltenden Verteidigungskrieges gegen Russland und schwerer Schäden an Wirtschaft und Infrastruktur hält sich die Ukraine erstaunlich gut. Das BIP lag in den letzten zwei Jahren zwischen 2,9 und 1,9 Prozent. Heuer sollen es 2,1 Prozent werden. Dass die Ukraine makroökonomisch relativ stabil dasteht, liegt unter anderem an der massiven Unterstützung seitens der EU. Und diese hält weiter an, wie die Ukraine-Wiederaufbaukonferenzen und die jüngste Freigabe eines zinslosen 90-Milliarden-Euro-Kredits zeigen. Nicht zuletzt deshalb sollte man als exportorientiertes Unternehmen nicht warten, bis der Krieg zu Ende ist, sondern schon jetzt einen Fuß in der Tür haben.
Der Wiederaufbau hat bereits begonnen und findet laufend statt. Wer jetzt schon präsent ist, hat zweifelsohne nach Beendigung des Krieges eine stärkere Startposition.

David Bachmann
Wirtschaftsdelegierter in Kiew
Schätzungen der Weltbank aus 2026 gehen von Wiederaufbaukosten in Höhe von ca. 500 Milliarden Euro aus. Investitionsfonds wurden in der Ukraine bereits gegründet. Das Interesse internationaler Investoren an der Ukraine ist groß, konkrete Projekte sind aber aufgrund der herrschenden Krieges erst im Planungsstadium. Den größten Wiederaufbaubedarf gibt es im Wohnbau (ca. 17 Prozent des Gesamtbedarfs) gefolgt von Transport (15 Prozent), Energie (13 Prozent) und Industrie (13 Prozent). Genau dort liegen die besten Chancen für Engagements. So plant die Ukraine langfristig, die gesamte Energieerzeugung auf die zwei Säulen Erneuerbare und Atomenergie umzustellen. Im Transportbereich wird bereits an der Anbindung des Schienennetzes an die europäischen Normen (Spurbreite) gearbeitet.
Österreichs Exportwirtschaft ist schon jetzt gut etabliert. Im Vorjahr sind die Exporte bereits das fünfte Mal in Folge zweistellig gewachsen und haben 760 Millionen Euro erreicht. Stark ist Österreichs Exportwirtschaft bei chemischen Erzeugnissen, Maschinen und Fahrzeugen sowie bearbeiteten Waren und Nahrungsmitteln.
Fazit: Der Wiederaufbau hat bereits begonnen und findet laufend statt. Wer jetzt schon präsent ist, hat zweifelsohne nach Beendigung des Krieges eine stärkere Startposition.
David Bachmann ist am 11. Juni beim AH-Tag in der WKOÖ.
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