Wind-PV-Mix für robuste Energieversorgung
Photovoltaik und Windkraft sind gemeinsam mit der Wasserkraft die unverzichtbaren Pfeiler einer klimafreundlichen und sicheren Stromversorgung.
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Windkraft und PV liefern sauberen Strom und reduzieren die Abhängigkeit von teuren fossilen Energieimporten. Gerade im Zusammenspiel entfalten sie ihre volle Wirkung und werden zu einem Schlüssel für die künftige Energiesicherheit Oberösterreichs.
Hohe Strompreise, teure Importe
Elektrische Energie ist für Unternehmen in Österreich im internationalen Vergleich teuer. Die Industriestrompreise liegen hierzulande rund 20 Prozent über dem EU-Durchschnitt. Gleichzeitig fließen jedes Jahr etwa 10 Mrd. Euro in den Import fossiler Energieträger. Diese Abhängigkeit birgt nicht nur wirtschaftliche, sondern auch sicherheitspolitische Risiken. Ein beschleunigter Ausbau erneuerbarer Energien ist daher weit mehr als ein Klimaschutzinstrument. Er ist ein zentraler Baustein für Wettbewerbsfähigkeit, Versorgungssicherheit und Standortstärkung.
PV und Wind ergänzen sich
In OÖ zeigt sich deutlich der Komplementäreffekt von Photovoltaik und Windenergie. Eine Auswertung der Erzeugungsdaten der Austrian Power Grid für den Zeitraum 2020 bis 2025 macht klar: Sonne und Wind liefern Strom zu unterschiedlichen Zeiten und gleichen sich saisonal aus.
- PV erwirtschaftet im Sommerhalbjahr (April bis September) rund 74 Prozent ihres Jahresertrags. Im Winterhalbjahr sind es nur 26 Prozent, bedingt durch kürzere Tage und geringere Sonneneinstrahlung.
- Windenergie ist dagegen im Winterhalbjahr stärker. 58 Prozent der Jahresproduktion entfallen auf Oktober bis März. Die Sommermonate gelten als vergleichsweise windarm und tragen nur 42 Prozent bei.
Diese zeitliche Ergänzung macht deutlich. Eine stabile erneuerbare Stromversorgung erfordert den gemeinsamen Ausbau beider Technologien.
Steigender Bedarf ab 2030
Die elektrische Energiebilanz Oberösterreichs war in den vergangenen zwei Jahrzehnten insgesamt ausgeglichen bis leicht positiv. Das wird sich jedoch ändern. Prognosen zeigen, dass ab 2030 eine wachsende Stromlücke entsteht. Die Ursachen liegen vor allem im steigenden Bedarf durch
- die Dekarbonisierung der Industrie,
- den Ausbau der E Mobilität,
- den verstärkten Einsatz von Wärmepumpen.
PV stark, Windkraft ausbaufähig
2025 betrug die Stromerzeugung in OÖ rund 16,7 TWh.
- Auf PV entfielen etwa 2 TWh, also rund 12 Prozent.
- Windenergie lieferte mit 113 GWh weniger als 1 Prozent der gesamten elektrischen Energie.
Wie Stromlücke schließen?
Ein Blick auf konkrete Projekte verdeutlicht die Dimensionen. Der aktuell diskutierte Windpark Sandl mit 19 Windkraftanlagen und einer Gesamtleistung von 137 MW entspricht in etwa 75 Prozent der Leistung des Donaukraftwerks Ottensheim. Bei rund 2120 Wind-Volllaststunden ergibt sich daraus eine Jahresstromproduktion von etwa 290 GWh. Um den steigenden Bedarf zu decken, wird es daher gemeinsamer Anstrengungen auf mehreren Ebenen brauchen:
- konsequenter Ausbau von Wind und PV-Anlagen, Ausschöpfen von Wasserkraft
- Investitionen in Speichertechnologien
- zielgerichteter Netzausbau
Fazit: Erneuerbare als Vorsorge
Die Energiewende ist kein Selbstzweck. Sie ist eine Investition in Versorgungssicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz. Der konsequente Ausbau erneuerbarer Energien ist daher die eigentliche Strompreisbremse, er ist ein entscheidender industriepolitischer Faktor und nicht nur ein Beitrag zum Klimaschutz. Ein ausgewogener Technologiemix ist dabei entscheidend für eine sichere Energieversorgung. Eine regionale und ganzjährige Stromerzeugung sichert stabile Preise und entlastet die Netze.
Volllaststunden zeigen Effizienzunterschiede
Ein wichtiger Indikator für die Effizienz von Erzeugungsanlagen sind die sogenannten Volllaststunden. Sie geben an, wie viele Stunden eine Anlage bei voller Nennleistung laufen müsste, um ihren tatsächlichen Jahresertrag zu erreichen (maximal 8760 Stunden pro Jahr). Für OÖ zeigen die Daten für 2025 ein klares Bild:
- Photovoltaik: rund 580 Volllaststunden (verregneter Juli 2025)
- Windenergie: rund 2120 Volllaststunden
Zum Vergleich: Ein typischer Durchschnittswert für PV-Anlagen in Österreich liegt bei etwa 1000 Volllaststunden pro Jahr. Die deutlich höheren Werte bei Windkraft unterstreichen deren Bedeutung als leistungsstarke Ergänzung zur Solarenergie, insbesondere im Winter und natürlich in den Nachtstunden.