Sonne und Wind
Ein ausgewogener Technologiemix ist beim Ausbau von erneuerbaren Energien notwendig. Bei der Windkraft hinkt Oberösterreich jedoch hinterher.
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Bis zum Jahr 2040 wird der Stromverbrauch in Österreich voraussichtlich doppelt so hoch sein wie noch im Jahr 2020. Gründe dafür sind die Elektrifizierung von Industrie, Mobilität und Wärme sowie neue stromintensive Anwendungen wie künstliche Intelligenz. In Oberösterreich wird sich der Stromverbrauch konkret durch die Google-Niederlassung in Kronstorf und insgesamt durch die Elektrifizierung in der Industrie stark erhöhen. Trotz der klaren Notwendigkeit bleibt der Ausbau erneuerbarer Energien in Oberösterreich zurück, vor allem, was die Windkraft betrifft. Während Niederösterreich, das Burgenland und die Steiermark voranschreiten, gibt es in Oberösterreich erst 31 Großwindkraftanlagen. Und das, obwohl unser Bundesland über passende Gebiete verfügt.
Wenige Flächen ausgewiesen
Der Ausbau der Windkraft scheitert unter anderem an der fehlenden Flächenzonierung und den langen Genehmigungsverfahren, und das trotz der EU-Richtlinie RED III, nach der Oberösterreich verpflichtet wäre, für erneuerbare Energien ausreichend große Beschleunigungsgebiete auszuweisen. Die aktuell geplante Ausweisung von 85,5 km2 Landesfläche (0,71 Prozent) als Erneuerbare-Beschleunigungsgebiet ist daher nur ein erster, unzureichender Schritt. Eine großzügige Ausweisung von Beschleunigungsgebieten auf mindestens 2 bis 3 Prozent der Landesfläche würde dem zukünftigen Energiebedarf viel eher entsprechen. Nach einer Empfehlung der EU sollen dafür vor allem bereits vorbelastete Flächen wie Parkplätze, Industriestandorte oder Deponien genutzt werden.
Der Ausbau von erneuerbaren Energien wird aus Sicht der WKOÖ auch durch ein aus- uferndes Begleit- und Berichtswesen im Zuge der Genehmigungsverfahren behindert. Der damit verbundene Bürokratieaufwand erhöht die Kosten, verlängert die Verfahren und gefährdet die Wirtschaftlichkeit von Projekten.
Wettbewerbsfähigkeit als Ziel
Der Ausbau der Energiegewinnung aus Wind, Sonne und Wasser stellt für die Weiterentwicklung Oberösterreichs zu einer wettbewerbsfähigen und klimaneutralen Wirtschaft eine Notwendigkeit dar. Elektrische Energie ist ein zentraler Produktionsfaktor und beeinflusst Investitionsentscheidungen und langfristige Wertschöpfung am Standort. Ein ausgewogener Technologiemix ist entscheidend für die Versorgungssicherheit, daher muss auch die Windenergie verstärkt genutzt werden.
WKOÖ-Präsidentin Doris Hummer: Rechtssicherheit für Erneuerbare
Wie riskant die Abhängigkeit der Wirtschaft von fossiler Energie ist, wissen wir nicht erst seit den erneuten Spannungen im Nahen Osten. Jegliche Störung von Lieferketten und Handelsrouten kann zu Preisspitzen führen, die sich auf die Wettbewerbsfähigkeit unserer Betriebe auswirkt. Für Oberösterreich als energieintensivstes Bundesland bedeutet dies ein erhebliches Standortrisiko.
Der Ausbau erneuerbarer Energien ist daher für uns eine Frage der Standortsicherung. Während Oberösterreich beim Ausbau der Photovoltaik mit 15.000 neu errichteten Anlagen im Vorjahr eine positive Bilanz ziehen kann, verbleibt die Windkraft auf einem niedrigen Niveau. Mit ihren Erzeugungsschwerpunkten im Winterhalbjahr könnte aber die Windkraft eine hohe Versorgungssicherheit mit erneuerbarer Energie bewirken. Unser Bundesland verfügt mit vielversprechenden Windkorridoren über großes Potenzial beim Ausbau der Windenergie. Hier liegen nicht nur ungenutzte Energiequellen, sondern auch Chancen für regionale Wertschöpfung, neue Arbeitsplätze und wirtschaftliche Stabilität. Eine Voraussetzung dafür, dass diese Chancen auch genutzt werden können, ist jedoch die Sicherheit, dass bereits laufende Windkraftprojekte nicht durch nachträgliche Zonierungen torpediert werden. Erst eine absolute Rechtssicherheit für laufende und geplante Projekte ermöglicht Investitionen in die Windkraft am Standort Oberösterreich.
Im Ausbau der Windenergie liegen nicht nur ungenutzte Energiequellen, sondern auch Chancen für regionale Wertschöpfung, neue Arbeitsplätze und wirtschaftliche Stabilität.

Doris Hummer
WKOÖ-Präsidentin