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Die algerische Wirtschaft

Unser AußenwirtschaftsCenter in Algier hat die wichtigsten Informationen zur algerischen Wirtschaft für Sie zusammengefasst

Wirtschaftslage 

Algerien ist nach Südafrika der zweitwichtigste Exportmarkt für österreichische Waren auf dem afrikanischen Kontinent. Trotz eines durch die COVID-19-Krise schwieriger werdenden Umfeldes ist es auch im ersten Halbjahr 2020 gelungen, die Ausfuhren um 0,7% auf 128,09 Mio. Euro zu erhöhen. Dieser Wert beinhaltet jedoch die österreichischen Schnittholzexporte noch nicht, die über den slowenischen Hafen Kopper in den Maghreb-Raum gehen; nach Rücksprache mit den Vertretern der wichtigsten österreichischen Lieferfirmen waren diese unter preislichem aber auch Mengendruck und so schätzen wir sie für die ersten 6 Monate des laufenden Jahres auf rund 20 Mio. Euro, sodass unsere Gesamtausfuhr bei rund 150 Mio. Euro im ersten Halbjahr zu liegen kam; mit diesem Wert festigt Algerien seine Position als eine der wichtigsten Ausfuhrdestinationen für österreichische Produkte in Afrika. Das kürzlich unterzeichnete MOU zwischen der algerischen Erdölgesellschaft Sonatrach und der OMV wird in nächster Zeit weiteres Wachstum auf Importseite bringen, sodass Algerien sein Handelsbilanzdefizit gegenüber Österreich rasch abbauen wird. Das künftige Investment der OMV-Gruppe sollte jedoch Zulieferern im Öl- und Gasgeschäft verstärktes Auftragsvolumen in Richtung Algerien bescheren und es macht sicherlich Sinn, da als Zulieferant bereits gelistet zu sein!

Die Corona-Epidemie erreichte Nordafrika mit einer Verzögerung von 3-4 Wochen und die dramatische Lage in Italien, Spanien und Frankreich führte dazu, dass auch Algerien rasch Ausgangssperren verhängte, stärker betroffene Städte wie Blida und Setif unter Quarantäne setzte und es so schaffte, dieser Epidemie Herr zu werden; der Preis dafür war vor allem für die Wirtschaftstreibenden sehr hoch und die BIP-Entwicklung wird übers Jahr 2020 wohl um 8% einbrechen; da es keine substantielle Unterstützung für Privatunternehmen gab, sahen sich diese gezwungen, Mitarbeiter einfach frei zu setzen, was auch den Anstieg der Arbeitslosenrate auf 15,1% erklärt.

Der Verfall der Weltmarktpreise bei Öl- und Gas ließ die Deviseneinnahmen im ersten Quartal auf unter 8 Mrd. USD kollabieren; die Regierung und hier vor allem das Handelsministerium standen bereits seit Jahresbeginn auf der Importbremse; trotzdem konnten die Einfuhren nicht im erforderlichem Ausmaß zurückgefahren werden, sodass sich übers Jahr erneut ein Leistungsbilanzdefizit von rd. USD 15 -20 Mrd. aufsummieren wird, das noch durch die vorhandenen Devisenreserven von rd. USD 40 Mrd. ausgeglichen werden kann.

In zwei Jahren ist der Topf jedoch geplündert und dann wird der algerischen Regierung wohl nichts anderes übrig bleiben, als sich auf den internationalen Märkten durch den Verkauf von Staatsanleihen zu verschulden bzw. für wichtige Infrastrukturprojekte auch Kreditlinien und Ko-Finanzierungen der multilateralen Entwicklungsbanken zu nehmen.

Besondere Entwicklungen

Zum neuen Premierminister wurde Anfang Jänner Abdelaziz Djerad ernannt und seine Regierung hat eine schwere Last von der Vorgängerregierung geerbt; die Staatskassen sind leer, das Budgetdefizit ist angesichts der fallenden Öl- und Gaspreise nur schwer in den Griff zu kriegen, ohne drastische Steuererhöhungen umzusetzen, die wohl in Massenprotesten enden würden; die Pensionsversicherung ist quasi bankrott und hat über die Jahre USD 25 Mrd. an Zuschüssen aus dem Budgettopf erhalten. Der Wert des Algerischen Dinars ist aufgrund des schwierigen wirtschaftlichen Umfeldes und laufender Gelddruckpresse in der letzten Zeit erheblich unter Druck geraten und liegt derzeit schon bei 150 Dinar zum Euro.

Premierminister Djerad meinte zu Beginn seiner Amtsübernahme, dass es sein Ziel sei, durch eine Kürzung der Ausgaben, einem harten Screening der Subventionen und Incentives und durch die Förderung lokaler und ausländischer Investitionen, den weiteren Einbruch der algerischen Wirtschaft verhindern zu können. Doch dann kam Corona und die Rahmenbedingungen wurden auch für Algerien völlig neu aufgemischt.

Mittels eines ergänzenden Budgetgesetzes sollten neue Finanzquellen angezapft werden, um auch das Steueraufkommen zu erhöhen! Und dieses Gesetz und seine Ausführungsbestimmungen vom Juni erlaubten plötzlich auch Ausländern Firmen mit Kapitalmehrheit oder im 100%igem Eigentum zu gründen und gestatteten diesen Investoren aus dem Ausland auch, neue Kreditmittel ihren algerischen Firmentöchtern zuzuführen, die jedoch bei der algerischen Zentralbank penibel genau zu registrieren wären, denn nur so sei gewährleistet, dass diese Kredite später auch zurückgeführt werden könnten.

Wirtschaftsbeziehungen mit Österreich

Trotz eines schwierigen Marktumfeldes mit fallenden Deviseneinnahmen und Corona-bedingten Sperren des Wirtschafts- und Geschäftslebens ist es der österreichischen Außenwirtschaft auch im ersten Halbjahr 2020 gelungen, die Exporte um +0,7% auf 128,09 Mio. zu steigern, dazu kommen dann noch Schnittholzexporte von geschätzten 20 Mio. Euro, die über Kopper/Slowenien laufen und so nicht als österreichische Exporte nach Algerien erfasst werden.

Spezial-SUVs und LKWs sind die wichtigste Säule im Export mit 64,71 Mio. Euro, gefolgt von menschlichen und tierischen Sera-Produkten, Sägeholz und div. Holzprodukte, die die dritte Exportsäule darstellen; darauf folgen Maschinen, Apparate und mechan. Geräte als vierte Säule der österreichischen Ausfuhr.

Erzbrechanlagen, Maschinen für die Lebensmittelproduktion, Lauf- und Schürfbagger, Hafenkräne und Metallwalzwerke für die algerische Stahlindustrie waren die wichtigsten Exportträger im Maschinenbau des ersten Halbjahres 2020. 

Rückgänge gab es vor allem bei der Lieferung von Rohstoffen für die Kunststoffindustrie, bei feuerfesten keramischen Bauteilen und orthopädischen Geräten; auch der österreichischer Rinderexport war rückläufig, denn seit Mitte März konnten algerische Händler die Vieh-Versteigerungen in Österreich nicht mehr besuchen, weil Algerien die Grenzen dicht machte; bei Zucker und Energie-Drinks konnten wir trotz deutlich höherer Zölle erneut punkten.
Algerien ist es auch gelungen seine Ölausfuhr nach Österreich um 33% auf 121 Mio. Euro – also ganz erheblich zu steigern – sodass sich deren Handelsbilanzdefizit des ersten Halbjahres nur mehr auf 6,58 Mio. Euro belief.

Mit diesen Zahlen der Handelsbilanz festigt Algerien seine Position als zweitwichtigster Absatzmarkt Österreichs in Afrika und sollte es gelingen, die bestehende Auftragspipeline auch in nächster Zeit rasch abzuarbeiten, so wird Algeriens diese Position im bilateralen Handel wohl auch in den nächsten Jahren halten können. 

Ausführliche Informationen über die Wirtschaftslage und die wirtschaftliche Entwicklung finden Sie in der Vollversion des AUSSENWIRTSCHAFT Wirtschaftsberichts aus Algerien.

Darüber hinaus steht Ihnen das AußenwirtschaftsCenter Algier für Auskünfte und eine persönliche Beratung zur Verfügung: Schicken Sie einfach ein E-Mail oder rufen Sie uns an.

Statistik: Länderprofil 

Einen kurzen Überblick über die wichtigsten statistischen Daten zu Wirtschaft, Politik und Gesellschaft bietet das Länderprofil Algerien der AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA und der Stabsabteilung Statistik. 

Wichtige Wirtschafts- und Basisdaten und Informationen für eine Vielzahl weiterer Länder finden Sie auf den jeweiligen Länderseiten sowie in der Übersicht Länderprofile weltweit.

Schwerpunktbranchen des AußenwirtschaftsCenters & Geschäftschancen für österreichische Unternehmen

Schienenverkehr

Der Eisenbahnbau stellt mit einem staatlichen Budget von ca. USD 18 Mrd. (2014 - 2019) einen großen Posten in der Erweiterung der bestehenden Infrastruktur dar. Seit 2011 gingen mehrere Linien in Betrieb wie z.B. die Linie im Südwesten Algeriens zwischen Mecheria und Bechar mit ihrer Verlängerung nach Redjem Demouche und weiter über Tabia bis nach Oran mit einer Gesamtlänge von mehr als 600 km.

Seit 2014 haben die Strecken im Hochland (Hauts-plateaux) mit einer Gesamtlänge von mehr als 750 km bei der Planung Vorrang und Teilabschnitte davon sind auch schon im Bau. 

In der Zentralregion rund um die Hauptstadt Algier wurden die Linien „Birtouta – Zeralda (22Km)“ und die Strecke „Thenia – Tizi Ouzou (50 Km)“ fertiggestellt und seither gibt es durch die Firma SNTF dort auch regulären Betrieb. Eine Erweiterung der bestehenden, elektrifizierten Schnellbahn rund um Algier ist in Planung; dafür muss auch neues rollendes Material angeschafft werden. 

Neben dem Streckenneubau sind es aber auch Projektvorhaben, die eine Modernisierung bzw. Verbesserung von Streckenabschnitten vorsehen, die so höhere Geschwindigkeiten und bequemeres Reisen ermöglichen. Vorrangig ist hier die für das Land wichtige Verbindung zwischen der Hauptstadt Algier und der zweitgrößten algerischen Stadt Oran im Westen zu erwähnen, die derzeit auf eine Geschwindigkeit von 200km/h ausgebaut wird und die über die Gesamtlänge zweigleisig geführt werden soll.

Im Osten Algeriens sind es die Linien zwischen Annaba (Hafenstadt nahe der tunesischen Grenze) und Ramdan Djamel (in der Nähe der Hafenstadt Skikda) sowie Ramdan Djamel – El Ghourzi, die sich derzeit im Bau befinden. 

Chancen für österreichische Unternehmen

Es besteht zwischen Österreich und Algerien eine enge Zusammenarbeit im Eisenbahnbereich, da viele österreichische Firmen seit den 80er Jahren im algerischen Eisenbahnsektor aktiv sind. Erst letztes Jahr übergab die österreichische Fa. Kapsch Carriercom die erste 415 km lange GSM-R-Strecke der algerischen Eisenbahnverwaltung; dieses Kommunikations- und Sicherheitssystem soll auf die wichtigsten Eisenbahnverbindungen des Landes ausgerollt werden. Zur weiteren Verfolgung und Verstärkung der Zusammenarbeit im Schienenbereich wird alle zwei Jahre alternierend eine gemischte Eisenbahnkommission sowohl in Algerien als auch in Österreich abgehalten.

Exportmöglichkeiten für österreichische Lieferanten bestehen mit den folgenden Firmen: SNTF (Eisenbahnbetriebsfirma), ANESRIF (Behörde zur Planung und Aufsicht der Eisenbahnprojekte), SETIRAIL (Engineeringbüro der algerischen Eisenbahnen) und EMA (Behörde zur Planung und dem Betrieb der U-Bahn-, Straßenbahn-, und der Seilbahnprojekte).

Logistik

Algerien fördert seit 2017 das Segment der Logistik, um die Handelsbeziehungen in Nordafrika mit den afrikanischen Ländern in der Sub-Sahara-Region und in Westafrika auszubauen. Das Land hat ein wichtiges Infrastrukturnetz im Süden geschaffen; dies ist die Transsahara-Straße mit einer Länge von ca. 2.335 km, die von Algier bis zur südlichen Grenze zu Mali und Niger reicht. Diese Straße soll die algerische Hauptstadt am Mittelmeer mit der nigerischen Stadt Lagos verbinden, wobei andere Straßenverbindungen aus Tunesien, Mali, Niger, dem Tschad und Nigeria in diese einmünden und über die Transsahara-Straße in Richtung Lagos auch andere Destinationen in Schwarzafrika besser erschlossen werden sollen. Dies ist auch Ziel der Afrikanischen Union und der Afrikanischen Entwicklungsbank, die sich mit ihren Finanzierungsprojekten auch die wirtschaftliche Integration Afrikas zum Ziel setzen.

Mit der Eröffnung der Grenzkontrollstelle zu Mauritanien hat Algerien einen wichtigen Zutritt für seine Exporte in dieses Land im Süden ermöglicht, sodass Baustahl, Zement, Kühlschränke und Fernsehgeräte, Handys und diverse Lebensmittel algerischer Provenienz nunmehr auch stärker in dieses Nachbarland fließen können. Die Transsahara-Straße soll natürlich den afrikanischen Ländern der Sub-Sahara, nämlich Tschad, Niger und Mali auch einen Zugang zum Mittelmeer über Algerien ermöglichen, damit ihre Exportprodukte rascher die europäischen Märkte erreichen können; die dafür erforderliche Logistik und einschlägige Transportfirmen dafür sind erst im Aufbau.

Die algerische Küste mit ihrer Länge von 1200 km zählt zu den längsten im Mittelmeerraum. Algerien verfügt heute über elf kommerzielle Häfen und zwei Häfen, (Skikda und Bethioua) die auf den Export von Öl und Gas spezialisiert sind. Bis zum Jahr 2025 sind 16 neue Marinas geplant die vorrangig für den Tourismus von Bedeutung sind. An den Küsten sind mehr als 26 Zonen für die Errichtung von Schutzbauwerken definiert und die Signalisierung der Küste durch die Modernisierung der 31 bestehenden Leuchttürme ist geplant. Der bedeutendste Containerhafen von „El Hamdania“, 100 km westlich von Algier, wird derzeit von den Chinesen gebaut; ein Projekt, das 3,5 Mrd. USD kosten und auch den derzeit größten Containerschiffen der Welt, als Umschlagplatz dienen wird.

Der Hafen soll eine jährliche Umschlagskapazität von 6,5 Mio. TEU sicherstellen. Der Betrieb und das Management dieser neuen Struktur werden von einer Joint-Venture (51 % - 49 % Regel) zwischen der algerischen Firma GNASP und Shanghai Ports wahrgenommen. Die erste Inbetriebnahme ist für 2021 vorgesehen.

Chancen für österreichische Unternehmen

Der logistische Bereich der algerischen Wirtschaft ist noch in der Entwicklungsphase, wobei die bestehende Infrastruktur dringend modernisiert und ausgebaut werden muss. Vorrangiges Ziel dabei ist die Reduzierung der Transportkosten und die Optimierung der Lieferzeiten. Eine im Entstehen befindliche Autoindustrie in Marokko, Algerien sowie eine Zulieferindustrie in Tunesien verlangt „Just in Time“-Abwicklung und Präzision in der logistischen Planung; dazu gehört einerseits der richtige Fuhrpark mit modernen LKW-Zügen, gekoppelt mit Schienen- und Schiffsverkehren. Geschäftschancen für österreichische Firmen bieten sich in der Beratung und dem Know-how-Transfer für das Management von logistischen Plattformen sowie die elektronische Bearbeitung von zolltechnischen Informationen in den Häfen und Flughäfen mit der geeigneten Software bis zur Durchführung von Spezialtransporten.

Außerdem besteht ein großer Nachholbedarf bei der Errichtung von überregionalen Logistikplattformen, die ins Umland ausstrahlen und mit modernen Kühlanlagen, Kühlcontainer-Umschlag, etc. ausgestattet sind, damit beispielsweise Meeresfrüchte und Fisch, jedoch auch Obst, Gemüse sowie Gefrierfleisch qualitativ einwandfrei auch das afrikanische Hinterland erreicht oder die anspruchsvollen Exportmärkte in Europa versorgt.

Die Messe für Logistik und Warenverkehr „LOGISTICAL“ stellt eine optimale Gelegenheit dar, um algerische Firmen aus der Branche kennenzulernen und sich mit diesen über Geschäftsmöglichkeiten, neue Routenpläne zum Aufbau von Lieferketten, etc. auszutauschen.

Sie suchen ausführlichere Informationen zur Branche Schienenverkehr und Logistik? Kontaktieren Sie das AußenwirtschaftsCenter Algier.

Kunststoffindustrie

Die Kunststoffindustrie hat erst in den letzten fünf Jahren an Fahrt aufgenommen. Die hergestellten Produkte finden heute vor allem in der Verpackungs- und Bauindustrie Verwendung. Die verwendeten Verfahren sind dabei Spritzguss und Extrusion. Andere Verarbeitungswege, wie Blasformung, Schäumen und Thermoverformung sind noch unterrepräsentiert, da sich erst langsam das Wissen um die Möglichkeiten der Materialien und Anwendungsgebiete durchsetzt.

Neben zwei staatlichen Firmen ist der Kunststoffsektor relativ zersplittert in der Hand von mehreren tausend KMUs, viele davon besitzen eine oder mehrere kunststoffverarbeitende Maschinen als Teil ihres Produktionsprozesses. Viele dieser KMUs bedienen sich zunächst günstiger Maschinen aus Asien und schwenken nach ersten Erfahrungen auf europäische Maschinen um, weil deren lokale Kundschaft ein besseres Produkt fordert. Hier punkteten vor allem deutsche und italienische Hersteller. Österreichische Maschinen haben jedoch einen exzellenten Ruf, der Marktanteil ist im Steigen begriffen.

Chancen für österreichische Unternehmen

Exportmöglichkeiten für österreichische Lieferanten bestehen bei Ausrüstungen für den Bereich Kunststoffverpackung, für Kunststoffrohre und Fittinge in Raffinerien und sonstigen Industriebetrieben, bei Maschinen für die weiterverarbeitende Kunststoffindustrie, bei Recyclinganlagen und Halbfertigprodukten.

Der derzeitige Aufschwung im Bauwesen und das starke Wachstum in der Konsumgüter- und der Lebensmittelproduktion tragen ebenfalls zur dynamischen Entwicklung der Kunststoff- und Gummibranche bei. Um der steigenden Nachfrage nachzukommen, setzen die algerischen Kunststoffunternehmen auf Investitionen zur Erweiterung und Modernisierung ihrer Anlagen, was eine konkrete Geschäftschance für österreichische Exporteure darstellt. Auch Spezialverpackungen, Rohre, Dichtungen, Folien, Platten, Teile für Gehäuse von Elektrogeräten sowie Teile für die Nutzfahrzeugindustrie und die Eisenbahn werden teilweise noch aus Österreich nachgefragt, die Tendenz geht jedoch zur lokalen Fertigung mittels moderner Maschinen vor Ort.

Auch die algerische Bauwirtschaft verzeichnet seit einigen Jahren ein boomendes Wachstum. Bei privaten Immobilienunternehmen werden immer mehr PVC-Produkte verwendet bzw. nachgefragt. Österreichische Lieferanten von Maschinen und Anlagen zur Herstellung von PVC-Profilen, Rohren, etc. genießen dabei einen guten Ruf als Anbieter von hochqualitativen Anlagen und sollten bereits jetzt diese Marktnische viel intensiver bearbeiten.

Sie suchen ausführlichere Informationen zur Branche Kunststoffindustrie? Kontaktieren Sie das AußenwirtschaftsCenter Algier.

Automotive - nach der Zulassungsstatistik ist Algerien der zweitwichtigste Automarkt in Afrika

Algerien ist nach Südafrika der zweitgrößte Automobilmarkt am afrikanischen Kontinent. Der Automobilpark zählt aktuell ca. 6,4 Millionen Fahrzeuge. Bisher war der Sektor ein reiner Absatz- und Importmarkt für ausländische Automobilmarken und hatte in der nationalen Industriepolitik keine strategische Bedeutung.

In den Jahren 2012 und 2013 wurden Autos im Wert von USD 7,6 Mrd. bzw. USD 7,3 Mrd. importiert. Bereits damals war man sich bewusst, dass es hier Potenzial für eine lokale Produktion in Algerien geben müsse und ein anhaltender Devisenabfluss auf lange Sicht nicht tragbar sei.

Der Erdölpreisverfall Ende 2014 hat die algerische Wirtschaft stark erschüttert, da 96% der Exporte des Landes Erdöl und Gas sind. Die Erdöleinkommen machten zudem rund 60% des Staatsbudgets aus. Diese missliche Lage bestärkte den Willen zu Reformen auch im Bereich der Industrialisierung des Landes. Die algerische Regierung will nunmehr importierte Waren zunehmend durch eine lokale Produktion ersetzen. Die Automobilindustrie bietet sich hier aufgrund des hohen Absatzvolumens von Fahrzeugen an.

Aktive Suche nach ausländischen Investoren

Die Ansiedlung von Montage-Betrieben für den europäischen Binnenmarkt ist ein vorrangiges Ziel der algerischen Regierung. 2014 sah ein Finanzgesetz bereits vor, dass jede Fahrzeugmarke, die nach Algerien importiert wird, eine eigene (Teil-) Produktionsstätte aufbauen müsste. Diese Regelung trat nun 2017 endgültig in Kraft!

Nach der Pkw-Montage von Renault und der Mercedes G-Klasse und deren Sprinter-Modellen bereits im Jahre 2014, gefolgt von Hyundai 2016, rollten im Jahre 2017 die ersten VW-Fahrzeuge und KIA-Modelle in Algerien vom Band. 2018 baute die VW-Gruppe schon 53.000 Fahrzeuge und KIA mehr als 100.000 Fahrzeuge in Algerien zusammen. 2019 plant auch PSA Peugeot-Citroën den Start einer eigenen Montagelinie im Großraum Oran, im Westen des Landes; schwierige Verhandlungen mit der algerischen Regierung gingen der Genehmigung voraus. Die Herstellung weiterer Automarken (wie Suzuki, Toyota und Fiat) ist in Diskussion. Das Ziel der algerischen Regierung ist, eine Fertigungstiefe von 40 bis 50 % mittels der Ansiedlung von Automobilzulieferindustrien zu erreichen, in dem die lokalen Fabrikanten gezwungen werden, eine Zulieferindustrie aufzubauen.

Die bestehenden Montagewerke in Algerien haben großes Interesse und auch spezifischen Bedarf geäußert, auf lokale Zulieferer und vor Ort gefertigte Ersatzteile zurückgreifen zu können.

Eine Produktion von lokalen Autozuliefer-und Ersatzteilen ist bisher jedoch nur vereinzelt vorhanden und oft entsprechen diese nicht den internationalen Normen und Ansprüchen der Autobauer. Daher besteht hier erheblicher Investitionsbedarf, der von den internationalen Autokonzernen wohl begleitet wird.

Renault konnte seit Beginn seiner Montage im Jahre 2014 bis heute nur fünf algerische Zulieferer finden und verfügt (laut eigenen Aussagen) über eine lokale Wertschöpfungsrate von 28%. Es mangelt in allen Bereichen an lokalen Herstellern von Autoteilen und auch am Fertigungs-Know-How. Mehr als 90% der Ersatzteile werden noch importiert und das muss sich laut algerischer Regierung rasch ändern, sonst verlieren die Montagewerke ihre Importlizenzen.

Die Zeit nach Bouteflika bringt eine Neuausrichtung

Der Sturz des Bouteflika-Regimes führte jedoch auch zu gewaltigen Umwälzungen in dieser Branche, denn außer den beiden französischen Montagewerken (Renault+Peugeot-Citroen) sind die übrigen wegen Korruptionsverdacht Ihrer Manager derzeit unter Zwangsverwaltung und ihre Konten wurden gesperrt, da deren algerische Mehrheitseigentümer dem Bouteflika-Clan zuzuordnen waren.

Man kann jedoch davon ausgehen, dass nach den geschlagenen Präsidentenwahlen –die nunmehr für den 12. Dezember 2019 festgesetzt wurden- eine Neupositionierung dieser Assemblingwerke beginnt, denn man ist sich bewusst, welch wichtige Rolle der automotive Sektor industriepolitisch spielt, wobei man eine Neufokusierung dieser Werke auf Gasantrieb anpeilt und zukünftig -trotz günstiger Benzinpreise- wohl auch Elektromodelle vor Ort gefertigt werden sollen, denn im innerstädtischen Nahverkehr werden sie auch in Algerien eine Rolle spielen.

Chancen für österreichische Unternehmen

Lokal tätige, finanzkräftige algerische Unternehmen sind auch bereit zu investieren. Viele davon, haben den Wunsch geäußert, mit österreichischen Unternehmen Partnerschaften zu gründen. Die Produktqualität und das Know-How österreichischer Firmen genießen in Algerien einen guten Ruf und sind gefragt.

In Oran und in Annaba gibt es ein Automobil- bzw. ein Metallurgiecluster, das mit der dortigen Handelskammer eng zusammenarbeitet und in vielen Regionen des Landes sind Industrieplattformen entstanden, wo ausländische Unternehmer auch schon Infrastruktur für industrielle Aktivitäten vorfinden; die Firma VW/Sovac hat in Relizane, wo deren Montagewerk steht, auch noch Grundstücke von rd. 50 ha angekauft, um dort mögliche Zulieferanten anzusiedeln, denn das VW-Werk sucht lokale Zulieferanten für verschiedene Produkte.

Sie suchen ausführlichere Informationen zur Branche Automotive? Kontaktieren Sie das AußenwirtschaftsCenter Algier.

Energiewirtschaft

Algerien hat große Reserven an Erdöl und Erdgas. Zudem verfügt das Land über größere Vorkommen an Eisen-, Kupfer-, Blei- und Zinkerzen sowie Quecksilber und Phosphat. Weltweit steht Algerien bei der Erdölproduktion auf Platz achtzehn, beim Erdgas auf Platz neun der wichtigsten Produzenten weltweit.

Dieser Rohstoffreichtum ist jedoch Segen und Fluch zugleich: Zwar konnte das Land dank der hohen Deviseneinnahmen seine Schulden fast zur Gänze tilgen und in Zeiten boomender Erdölpreise hohe Devisenreserven von EUR 200 Mrd. in einem eigenen Reservefonds ansparen. Die algerische Wirtschaft versäumte jedoch sich in den Jahren hoher Deviseneinnahmen auch zu diversifizieren und ist nach wie vor stark von der eigenen Erdöl- und Erdgasproduktion und seinen Exporten abhängig, die aktuell 95% der Deviseneinnahmen liefern; fallen die Preise auf den Weltmärkten, sind Devisen für Importe rar und die Folge ist, dass die Regierung die Einfuhren drosseln muss, um überbordende Handels- und Leistungsbilanzdefizite im Griff zu behalten.

Der Erdgas- und Erdölsektor ist und bleibt der bestimmende Industriezweig Algeriens. Rund 55%-60%des BIP entfallen auf diesen Bereich, doch der Schlüssel für eine gesteigerte Wertschöpfung liegt in der Erzeugung höherwertiger Rohstoffe aus Erdöl und Erdgas; so muss das Land immer noch Treibstoff importieren bzw. für 2 Mrd. USD teure Kunststoffgranulate für die heimische Kunststoffindustrie importieren, exportiert jedoch das dafür erforderliche Gas mittels Pipelines nach Spanien und Italien.

Die algerische Erdölgesellschaft Sonatrach ist auch gefordert, neue Quellen zu erschliessen, denn die vorhandenen Erdöl- und Gasreserven würden bis 2030 erschöpft sein!

So soll die Gasproduktion mittelfristig von derzeit 73 auf 85 Mrd. m³/Tag und die Erdölproduktion von 1,8 auf 2 Mio. Barrel/Tag gesteigert werden. Der Anteil Algeriens an der Welterdölproduktion beträgt derzeit 1.95%. Etwas mehr als eine Million Fass geht derzeit täglich in den Export; 800.000 Fass Öl verbraucht das Land selbst, um seinen Energiehunger zu stillen. So ist der Energiebedarf in Algerien in den letzten Jahren rasant gestiegen. Vor allem der Strombedarf wird bald mit herkömmlichen Quellen (Erdgas, Dieselöl, Wasserkraft) nicht mehr zu decken sein. Daher beschloss die algerische Regierung ein ambitioniertes Programm zum Ausbau der erneuerbaren Energien und zur Steigerung der Energieeffizienz. Bis zum Jahr 2030 sollen 22.000 MW der verbrauchten Energie aus erneuerbaren Energiequellen kommen.

Das Energieentwicklungs-Programm schließt auch die Produktion von Strom aus Photovoltaik, Windenergie, Biomasse, Geothermie und durch Kraft-Wärme-Kupplungen ein, wobei ein starker Fokus auf der Solarenergie (13.575 MW) und der Windenergie (5.010 MW) liegen wird.

2014 wurden nur 0,8% des gesamt produzierten Stroms in Algerien aus erneuerbaren Energien bereitgestellt und 1% im Jahr 2015 und leider hat sich in den letzten Jahren an dieser Front fast nichts getan. Da der Eigenbedarf an Energie des Landes bisher durch die großen Erdgas- und Erdölvorkommen abgedeckt werden konnte, ist das Thema Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien erst nach und nach in den Fokus gerückt. Bereits 2011 wurde das Programm für den Ausbau von erneuerbaren Energien und für Energieeffizienz „Programme des énergies renouvelables et de l’efficacité énergétique“ verabschiedet, das 2015 nochmals überarbeitet wurde. Um den weiter steigenden Strombedarf zu decken, wurden die geplanten Ziele von 2011 nach oben korrigiert. Bis 2030 sollen 27% der Stromproduktion aus erneuerbaren Energien kommen.

Dieses Programm ist in zwei Phasen geteilt: bis 2020 sollen insgesamt 4.525 MW aus alternativer Energie bereit gestellt werden, davon alleine 3.000 MW durch Photovoltaik. In der zweiten Phase von 2021 bis 2030 sollen insgesamt 17.475 MW aus erneuerbaren Energien geschöpft werden, davon alleine 10.575 MW aus Photovoltaik. Das revidierte Programm sieht – anders als noch 2011– keine Produktion für den Export vor, da der Eigenverbrauch jährlich um ca. 8% steigt und das Land auch seine Gaslieferverpflichtungen gegenüber Spanien und Italien einhalten muss; jedes MW an eigener Solarenergie schont die Gasreserven und spielt Erdgas für den Export frei!

Chancen für österreichische Unternehmen im Bereich der konventionellen Energie

Die algerische Produktion von Gütern und Dienstleistungen konzentrierte sich auf die Förderung und den Transport von Erdöl und Erdgas bzw. deren Veredelung und Weiterverarbeitung.

Algerien hatte und hat jedoch einen großen Nachholbedarf im Bereich der Industrialisierung, die in größerem Stile erst jetzt beginnt. Gebraucht werden vor allem Investitionsgüter, Maschinen, Vormaterialien, aber nach wie vor auch Konsumgüter und Lebensmitteln, für deren Einfuhr das Land rund EUR 7 Mrd. aufwendet. Zahlreiche Technologieunternehmen aus dem Erdöl und Gassektor haben im Land bereits Fuß gefasst und weitere kommen ins Land, um den Absatz ihrer Produkte zu fördern und lokale Fertigungen aufzubauen. Der erste Schritt zur Marktbearbeitung ist für viele Unternehmen einmal die Teilnahme an Ausschreibungen.

Obwohl im Upstream-Bereich des Erdölsektors (Exploration und Förderung) für private in- und ausländische Unternehmen lediglich Minderheitsbeteiligungen (weniger als 49%) an Joint-Ventures mit der algerischen, staatlichen Erdölfirma Sonatrach möglich sind, operieren derzeit viele ausländische Unternehmen im Land und dementsprechend differenziert ist das Wettbewerbsbild, das von vollständiger internationaler Konkurrenz, bis hin zu sehr reduziertem Wettbewerb bis zu Direktvergaben reicht; diese ist dann möglich, wenn wirtschaftspolitische Abkommen existieren bzw. aufgrund technischer Überlegenheit ein Anbieter einen Konkurrenzvorteil hat; vor allem bei der Erschließung seiner Schiefergasvorkommen wird Algerien auch ausländische Experten und Partner benötigen!

Chancen für österreichische Unternehmen im Bereich der erneuerbaren Energie

Um dieses ambitionierte Programm bis 2030 zu realisieren, werden seitens der algerischen Regierung insgesamt 120 Mrd. USD zur Verfügung gestellt werden müssen. Direkte Subventionen sollen den Markt unterstützen, wobei festzuhalten ist, dass bei aktuellen Solarprojekten der Strompreis zwischen den Erzeugern und Abnehmern ausverhandelt wurde; es gibt derzeit noch kein Gesetz, das beispielsweise fixe Einspeistarife garantiert, diese sind von Projekt zu Projekt mit privaten Abnehmern bzw. der algerischen Stromwirtschaft auszuverhandeln.

Algerien sucht ausländische Technologiepartner und ausländische Unternehmen, die das Land bei der Umsetzung seiner Ziele unterstützen. In Frage kommen insbesondere Projekte, die den Ausbau einer lokalen Industrie von Photovoltaikmodulen, Solarpumpen, Solarboilern, Wärmedämmungsmaterialien und doppelverglasten Fenstern fördern. Die Reduktion der Prozesswäre in Industriebetrieben, der verstärkte Einsatz von Wärmetauschern und LED-Lampen sollten weitere Beiträge zur Energieeffizienz der algerischen Industrie liefern. Des Weiteren werden qualifizierte Planungsbüros gesucht, um Dienstleistungs- und Industriegebäude, aber auch landwirtschaftlich Betriebe energieeffizienter zu planen .

Sie suchen ausführlichere Informationen zur Branche Energiewirtschaft? Kontaktieren Sie das AußenwirtschaftsCenter Algier.

Ausführliche Informationen 

Damit Ihre Marktbearbeitung in Algerien problemlos abläuft, hat unser Team vor Ort Informationen zu außenhandels- und investitionsrelevanten Fach- und Branchenthemen, die Sie jederzeit beim AußenwirtschaftsCenter Algier anfordern können. 

Allgemeines zu Wirtschaft, Land und Leute sowie persönliche Tipps finden Sie in unserem Länderreport Algerien.

Das AußenwirtschaftsCenter Algier berät Sie gerne, sollten Sie weitere Fragen zu Algerien haben. 

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