Kernpunkte des Abkommens
Zollabbau: Mercosur senkt binnen max. 15 Jahren Zölle auf 91 % der EU‑Waren; teils fallen vormals 14–35 % (v.a. Maschinen, Fahrzeuge) schrittweise auf 0.
Abbau technischer/regulatorischer Hemmnisse: vereinfachte Zulassungen, klarere Standards und Verfahren.
Öffentliche Ausschreibungen: Zugang zu Mercosur‑Vergaben (Infrastruktur, Energie, Verkehr).
Nachhaltigkeit & Schutzklauseln: verbindliche Umwelt‑ und Arbeitskapitel, strenge SPS‑Standards; temporäre Schutzinstrumente bei Marktstörungen.
Bedeutung für die metalltechnische Industrie in der Steiermark
✓ Wettbewerbsvorteil durch Zollabbau: Hohe bisherige Zölle (teilweise 14–35 %) entfallen – steirische Industrieprodukte werden preislich attraktiver bzw. margenstärker.
✓ Erleichterter Marktzugang für Hochtechnologie: Begünstigt werden Industrieanlagen, Fahrzeugkomponenten, Energie‑ und Umwelttechnik, Automatisierung und Messtechnik.
✓ Rohstoffsicherung: Besserer Zugang zu Lithium, Kupfer und Niob – zentral für Elektromobilität, Hochleistungswerkstoffe und Elektronik.
✓ Öffentlich finanzierte Großprojekte: Investitionsschwerpunkte in Energie, Transport und Infrastruktur eröffnen Chancen für steirische Anlagenbauer und Zulieferer.
✓ Services & Präsenz: Montage, Inbetriebnahme, Wartung und Niederlassung werden planbarer – wichtig für Lifecycle‑Geschäftsmodelle.
Wirtschaftliche Relevanz
1.110 österreichische Unternehmen exportieren in die Mercosur‑Staaten; davon sind rund 67 % KMU.
Geschätzte jährliche Zollersparnis für österreichische Exporte: rund 88 Mio. Euro durch den Abbau der Zölle auf 91 % der Waren.
Österreichische Exporte in den Mercosur liegen bei über 1 Mrd. Euro; seit Jahren besteht ein Handelsüberschuss.
Relevante Exportsektoren: u. a. Maschinen und Elektrogeräte, Stahlprodukte, Chemikalien, Messgeräte (für die metalltechnische Industrie besonders einschlägig).
Industriepolitische Wirkung: Diversifizierung der Lieferketten, verbesserter Zugang zu strategischen Rohstoffen (z. B. Lithium, Niob).
Risiken & To‑dos
ESG‑/Nachhaltigkeitsnachweise und Lieferkettensorgfalt (inkl. Entwaldungs‑Compliance) fest verankern.
Präferenznutzung professionalisieren: Ursprungsregeln (Statement on Origin), HS‑Code‑Analyse und Zeitpläne je Produkt.
Wettbewerbsvorteil früh sichern: lokale Partner, Service‑Set‑up, Teilnahme an Ausschreibungen vorbereiten.
Makro‑ und Wechselkursrisiken absichern (Finanzierung, Hedging, Incoterms).
Fazit
Das EU–Mercosur‑Abkommen bietet der metalltechnischen Industrie in der Steiermark klare Wachstumschancen. Die Kombination aus Zollentlastung, Marktzugang (inkl. Vergabe), stabilerem Rohstoffzugang und planbareren Regelwerken stärkt die Wettbewerbsfähigkeit – vorausgesetzt, Unternehmen bereiten Präferenznutzung, ESG‑Compliance und Markteintritt proaktiv vor.
Weiterführende Links
Handelsabkommen EU-Mercosur - WKO
Made in Austria. Ready for Mercosur. - WKO
WKÖ-Schultz: Unterzeichnung des EU-Mercosur-Abkommens ist Meilenstein, jetzt ist die rasche Ratifizierung entscheidend - WKO