Impulstalk in Hartberg 2026
Wir brauchen eine Allianz für Wachstum
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Das Jahr 2026 als zentraler Wendepunkt: Anfang Februar diskutierten Unternehmerinnen und Unternehmer aus dem Bezirk Hartberg-Fürstenfeld beim WKO Impulstalk über die zentralen Voraussetzungen für nachhaltiges Wachstum in der Region. Im Fokus standen dabei der Erhalt und Ausbau der Thermenbahn sowie die Stärkung des heimischen Fachkräftepotenzial und bezirksübergreifende Kooperationen.
WKO Präsident Josef Herk fordert zum Jahresauftakt für die gesamte Steiermark eine Allianz für Wachstum: „Die Menschen spüren, dass wir an einem Wendepunkt angelangt sind. Wir können diesen 2026 aktiv gestalten – oder wir werden gestaltet. Wir haben eine klare Agenda: Es braucht definierte Rahmenbedingungen statt lähmender Bürokratie sowie den Mut, bestehende Strukturen neu zu denken und Ressourcen gezielt einzusetzen. Entschei-dend sind zudem gezielte Investitionen in Forschung, Entwicklung und Infrastruktur, um die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts langfristig zu sichern. Leistung, Kooperation und Export sind Teil der DNA der Steiermark – darauf müssen wir aufbauen. Gleichzeitig kommen wir an grundlegenden Reformen im Arbeitsmarkt und im Bildungssystem nicht vorbei, wenn wir Wachstum wieder möglich machen wollen.“
Zentrale Hebel für den Aufschwung seien laut Herk eine Pensionsreform und leistbare Energie. Angesichts der demografischen Entwicklung spricht er sich für eine Annäherung an das dänische Modell mit einer automatischen Anpassung des Pensionsantrittsalters aus. Ebenso müssten angekündigte Maßnahmen zur Senkung der Energiekosten rasch bei den Betrieben ankommen; insbesondere die deutlich höheren Netzentgelte belasteten den Standort Steiermark. Zudem bekennt sich Herk klar zu internationalen Abkommen wie Mercosur und fordert konsequent Deregulierung und Entbürokratisierung. Nur so können die Chancen der Koralmbahn und des neuen Wirtschaftsraums AREA SÜD genutzt werden – eine Jahrhundertchance für den Süden Österreichs im Jahr 2026.
Wachstumspotenziale in der Region gezielt nutzen
WKO Regionalstellenobmann Christian Sommerbauer und WKO Regionalstellenleiterin Simone Pfeiffer unterstreichen die zentrale Bedeutung der Infrastruktur für unternehmerisches Wachstum in der Region: „Der Bezirk Hartberg-Fürstenfeld profitiert aktuell von der guten Verkehrsanbindung nach Graz und Wien über die A2 bzw. die S7. Gleichzeitig gilt es, vorhandenes Optimierungspotenzial konsequent aufzuzeigen, um die Region langfristig für Betriebe, Beschäftigte und Investor:innen attraktiv zu halten. Dazu zählen der Erhalt und der Ausbau der Thermenbahn, eine zweite Autobahnabfahrt in Hartberg, der Vollausbau der S7 sowie eine nachhaltige Anbindung an die Ost- und Koralmbahn über eine Neubaustrecke Hartberg–Fürstenfeld–Gleisdorf.“ Parallel dazu arbeitet die WKO Regionalstelle Hartberg-Fürstenfeld mit der Initiative „meinjob Oststeiermark“ gezielt an der Stärkung des regionalen Fachkräftepotenzials. Ziel ist es, qualifizierte Arbeitskräfte, die derzeit auspendeln, für Arbeitsplätze und somit Arbeitgeberbetriebe in der Oststeiermark zu gewinnen.
Basis für nachhaltiges Wachstum
Erfolgreiches Wachstum kann unterschiedliche strategische Wege einschlagen – von konsequenter Internationalisierung bis zur bewussten regionalen Fokussierung. Julia Fandler, Geschäftsführerin der Ölmühle Fandler, betont die Bedeutung neuer Märkte: „Für hochwertige Nischenprodukte wie unsere wird es am österreichischen Markt mittlerweile eng. Wenn wir nachhaltig wachsen wollen, müssen wir konsequent exportieren und neue Märkte erschließen. Internationalisierung ist für uns eine Voraussetzung dafür, Absatzrückgänge der letzten Jahre zu kompensieren und das Unternehmen zukunftsfähig aufzustellen.“
Demgegenüber setzt Kurt Wilfinger, Geschäftsführer der Wilfinger GmbH, einem Spezialisten für Transport und Logistik, bewusst auf regionale Stärke: „Unser Motto zum Thema Wachstum lautet ganz klar: In der Region für die Region. Nachdem wir früher auch über die steirischen Grenzen hinaus tätig waren, haben wir uns in den vergangenen Jahren bewusst wieder auf unsere Kernkompetenz im Rundholz- und Krantransport hier in der Region fokussiert. Genau hier ist die Nachfrage am größten – und hier wird unsere Arbeit von unseren Kundinnen und Kunden besonders wertgeschätzt.“
Internationalisierung als Wachstumstreiber
Internationalisierung ist für die regionalen Leitbetriebe ein zentraler Hebel für nachhaltiges Wachstum und langfristige Standortabsicherung. Dabei geht es nicht um reine Zentralisierung, sondern um das Zusammenspiel aus globaler Vernetzung und regionaler Stärke. Markus Krainer, Standortleiter der Nidec Global Appliance Austria GmbH, einem weltweit tätigen Hersteller von Antriebssystemen und Komponenten für Haushaltsgeräte, bringt diesen Ansatz auf den Punkt: „Internationalisierung bedeutet für uns nicht, alles zentral zu bündeln, son-dern die Kombination globaler Stärke mit lokalen Kompetenzen. In diesem Zusammenhang ist Fürstenfeld das perfekte Beispiel: Mit unserer technologischen Vorreiterrolle und unse-rem hohen Automatisierungsgrad sind wir mit Experten und Labors auf der ganzen Welt ver-netzt. Auf diese Weise schaffen wir Mehrwert für Nidec ACIM. Innovationen, die hier entstehen, können international ausgerollt werden, kommen aber auch den Kunden in Europa zugute.“
Auch bei der Durmont GmbH, die unter anderem hochwertige Teppichlösungen für die Au-tomobilindustrie entwickelt und produziert, ist internationale Wettbewerbsfähigkeit eng mit konsequenter Weiterentwicklung am Heimatstandort verbunden. Geschäftsführer Josef Zettl betont: „Wir bekennen uns bei Durmont klar zu Qualität und Leistung – das stärkt unsere Wettbewerbsposition auch gegenüber Anbietern aus Deutschland oder den Nieder-landen. Durch konsequente Digitalisierung und laufende Effizienzsteigerungen sichern wir nicht nur unsere Zukunftsfähigkeit, sondern auch langfristig den Standort Hartberg.“