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Lehrling an der Maschine mit Lehrlingswarth
© Gettyimages

Lehrlingszahlen 2025: Rückgang setzt sich fort

Die Lehrlingszahlen in Vorarlberg sind 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 3,1 Prozent zurückgegangen. Gründe dafür sind die aktuell herausfordernde wirtschaftliche Gesamtsituation der Betriebe und ein massiver Konkurrenzdruck durch die weiterführenden Schulen.

Lesedauer: 4 Minuten

Aktualisiert am 26.01.2026

Ende 2025 waren in Vorarlberg 6.348 Lehrlinge in einem aufrechten Lehrverhältnis. Das sind 205 Lehrlinge (-3,1 Prozent) weniger als im Jahr 2024. „Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gibt es 168 weniger Lehranfänger, ein schmerzlicher Rückgang, der aufrütteln muss“, wie WKV-Karlheinz Kopf erklärt. Insgesamt haben sich in Vorarlberg 39,87 Prozent der Jugendlichen der 15-jährigen für eine Lehre entschieden (ohne überbetriebliche Ausbildungszentren). 2024 lag der Wert noch bei 44,53 Prozent.

Lehrberufe nach Sparten
Die Sparte „Gewerbe und Handwerk“ bildet mit 44 Prozent der Lehrlinge die größte Gruppe, gefolgt von den Sparten „Industrie“ (23,2 Prozent) und „Handel" (10,3 Prozent).
Die Top-3 Berufe für männliche Lehrlinge sind der Metalltechniker (796 Lehrlinge), Elektrotechniker (543) und Kraftfahrzeugtechniker (339). Bei den weiblichen Lehrlingen liegt die Einzelhandelskauffrau (309) vor der Bürokauffrau (150) und dem Bereich Metalltechnik (110).

Wirtschaftliche Lage
Vor allem die konjunkturellen Entwicklungen wirken sich auf das Angebot der Lehrstellen aus. „Die allgemeine wirtschaftliche Lage hindert den einen oder anderen Betrieb daran, im Moment Lehrlinge auszubilden. Wir wissen von Ausbildungsbetrieben, die heuer gar keine neuen Lehrlinge aufnehmen werden“, sagt Kopf und betont: „Wir hoffen auf Entspannung bzw. dass die Zahl der Lehrstellen wieder zunimmt, wenn sich die wirtschaftliche Lage wieder erholt. Langfristig ist es notwendig, Lehrlinge auszubilden, denn diese zukünftigen Fachkräfte sind ein Standortvorteil im internationalen Wettbewerb.“

Lehre versus Schule

Massiv verschärft hat sich der Wettbewerb mit den weiterführenden Schulen AHS und BHS. Nicht immer würden sich Jugendliche für weitere schulische Bildungswege entscheiden.  Im Mindset vor allem der Eltern erscheine die Matura immer noch als die bessere Alternative. „Die Wahlmöglichkeiten zu erweitern, wie es aktuell geschieht, bedeutet aber auch die Lehranfänger zu reduzieren. Das kann allein durch Werbung nicht verhindert werden. Das ist ein strukturelles Problem und gehört auf politischer Ebene gelöst“, sagt WKV-Präsident Kopf. Bemerkenswert sei es auch, dass gut ein Drittel der Lehranfänger aus einer weiterführenden höheren Schule kommt. „Diese Schulabbrüche sind eine persönliche Belastung und kostenintensiv für die Volkswirtschaft.“

Der anhaltende Rückgang der Lehrlingszahlen in Vorarlberg lässt sich längst nicht mehr durch die demographische Entwicklung erklären. „Viele Betriebe berichten von einer spürbar veränderten Ausgangslage bei Bewerber:innen. Die Motivation und das Interesse an einer Lehrausbildung haben insgesamt abgenommen. Gleichzeitig berichten uns die Unternehmen von einer abnehmenden Leistungsfähigkeit, Einsatzbereitschaft und Belastbarkeit vieler Jugendlicher“, betont Gudrun Petz-Bechter, stellvertretende Direktorin in der Wirtschaftskammer Vorarlberg. 

Ein weiterer zentraler Punkt ist die fehlende Ausbildungsreife: Mängel im Basiswissen, insbesondere in den Bereichen Deutsch, Mathematik und MINT-Fächern, erschweren den erfolgreichen Start in die Lehre.

„Die Ausbildung von Lehrlingen erfordert insbesondere in kleineren Betrieben einen hohen zeitlichen Einsatz, der in wirtschaftlich herausfordernden Phasen gut organisiert werden muss. Unternehmen berichten von einer gestiegenen Verantwortung der Ausbilder:innen – sowohl fachlich als auch in der sozialen Begleitung junger Menschen. Auch Aufgaben wie Ausbildungsdokumentation sowie Einsatz- und Ausbildungsplanung spielen dabei eine wichtige Rolle, da sie wesentlich zur Qualität und Nachvollziehbarkeit der Ausbildung beitragen. Gerade kleinere Betriebe benötigen hier gezielte Unterstützung, um diese Anforderungen effizient bewältigen und weiterhin hochwertige Ausbildungsplätze anbieten zu können“, berichtet Petz-Bechter.

Lehrlingsstelle: Ein Trend, den es umzukehren gilt. 
Die persönliche Beratung von Ausbildungsbetrieben wird gezielt intensiviert. 2025 wurden bereits 744 Beratungen durchgeführt (2024: 700), davon mehr als 596 direkt vor Ort. Dieser direkte Austausch ist ein zentraler Hebel, um Betriebe individuell zu unterstützen – und wird auch 2026 weiter ausgebaut. Kleine und mittlere Unternehmen stehen besonders unter Druck. Deshalb wird das Lehrstellenservice gezielt erweitert – von der Lehrlingsakquise über die Vorbereitung von Interessent:innen („Job- und Ausbildungsready“) bis hin zur Begleitung während des gesamten Ausbildungsprozesses.

WKV-Präsident Kopf: „Die Betriebe gehören noch stärker beim Umgang mit Hürden unterstützt.  Wir sind dabei, mit Hilfe des ibw (Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft) zu eruieren, wo die Hebel anzusetzen sind. Eine in Auftrag gegebene Studie sollte dies aufzeigen und gezielte Unterstützung ermöglichen.“
 
Image- und Informationsarbeit für die Lehre

Klares Ziel der Wirtschaftskammer: Der Stellenwert der Lehre muss in der Gesellschaft wieder gestärkt werden. 2025 informierten 51 Ausbildungsbotschafter:innen über 2.100 Schüler:innen in 84 Schulklassen über die Chancen der Lehrausbildung. Zusätzlich organisierte die Lehrlingsstelle 20 Eigenveranstaltungen mit insgesamt mehr als 21.000 Besucher:innen: Von der i-Messe, der Skills Week, Netzwerktreffen, dem Ausbilder:innen Forum, bis hin zur Verleihung Ausgezeichneter Lehrbetrieb, Beteiligung bei regionalen Lehrlingsmessen oder dem Lehrlingshackathon wird sehr viel unternommen, um das Image zu verbessern. Gemeinsam mit BIFO wird intensiv am Stellwert der Berufsorientierung gearbeitet. Der Verein Lehre in Vorarlberg ist dabei ebenfalls ein wichtiger Partner.