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© Leadersnet / D. Mikkelsen

Fachgruppentagung 2026

 Fachkräfte gesucht, Robotik im Blick: Die Gebäudereinigung

Lesedauer: 4 Minuten

21.10.2026
2,7 Milliarden Euro Umsatz und mehr als 62.800 Beschäftigte: Die Gebäudereinigung ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Bei der Fachgruppentagung der der Denkmal-, Fassaden- und Gebäudereiniger standen Fachkräftesicherung, neue Technologien und die Ehrung langjähriger Betriebe im Mittelpunkt.

Der Fachkräftenachwuchs ist knapp, gleichzeitig verändern neue Technologien die Arbeit. Wie sich die Betriebe darauf einstellen und welche Unterstützung sie dabei erhalten, war Thema der Fachgruppentagung der Denkmal-, Fassaden- und Gebäudereiniger in der Wiener WU-Mensa.

Für Landesinnungsmeister und Spartenobmann Gerhard Komarek ist die Sicherung des Fachkräftenachwuchses eine der wichtigsten Aufgaben der kommenden Jahre. "Die Lehrlinge von heute sind die Fachkräfte von morgen und die Zukunft unserer Unternehmen“, betonte er. Zugleich verwies er auf den technologischen Wandel: Bei der Überarbeitung der Leistungsnormen soll künftig auch Robotik berücksichtigt werden. Schulungsvideos in 21 Sprachen, per QR-Code abrufbare Anleitungen und Weiterbildungsförderungen unterstützen die Betriebe in der Praxis. Ein Anliegen Komareks ist es zudem, die Leistungen der Branche stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken und dabei insbesondere ihre Bedeutung für Hygiene, Gesundheit und Wohlbefinden.

Ausbildung als Zukunftsfaktor

Welche Initiativen bereits gesetzt werden, zeigte Christoph Guserl, Geschäftsführer der Gebäudereinigungsakademie. Neben Verbesserungen an der Berufsschule stellte er ein Programm vor, bei dem 78 arabischsprachige Teilnehmende in zwölf Tagen Grundkenntnisse der Sondereinigung erlernten. Auch beim Nachwuchs setzt die Akademie früh an: Im Vorjahr konnten 237 Jugendliche professionelle Reinigungstechniken kennenlernen und selbst ausprobieren. Guserls Ziel: mehr junge Menschen für den Beruf begeistern.

Dass die Mitgliedsbetriebe trotz gestiegener Kosten nicht zusätzlich belastet werden, erläuterte Fachgruppengeschäftsführer Elias Schröder: Die Grundumlage bleibt 2027 unverändert. Gleichzeitig sieht der ausgeglichene Haushaltsplan weiterhin Fördermaßnahmen und Investitionen vor.

Auch das Thema Sicherheit kam zur Sprache: Ex-Staatsschutzchef Omar Haijawi-Pirchner warnte in seiner Keynote vor Spionage, Sabotage und KI-Betrug und unterstrich die Verantwortung der Reinigungsbetriebe beim Schutz sensibler Unternehmensbereiche. 

Betriebe im Rampenlicht

Neben den Zukunftsthemen standen auch jene im Mittelpunkt, die das Handwerk seit Jahrzehnten prägen. Für 25 Jahre Mitgliedschaft wurden die Gruppe 2000, Todorovic Hausbetreuung, DODO Gebäudedienste, Hans Slunecko und Mirvet Vinca Hausservice gewürdigt. Für 30 Jahre wurden Dr. Sasse Facility Management und die Jürgen Schmid GmbH ausgezeichnet, für 35 Jahre Assa Objektservice. Die Erich Altrichter GmbH blickt auf 45 Jahre, ISS Facility Services auf 55 Jahre Mitgliedschaft zurück. Simacek feierte 85 Jahre Unternehmensgeschichte. „Wir machen die Arbeit jeden Tag mit Freude“, lautete die Botschaft zum Jubiläum.

Fotos

Fotos der Fachgruppentagung

„Spionage, Sabotage und KI-Betrug: Wer reinigt, hat Zugang – und wer Zugang hat, muss geprüft sein“

Ex-Staatsschutzchef Omar Haijawi-Pirchner erklärt, welche Risiken Unternehmen bedrohen und warum Reinigungsbetriebe beim Schutz sensibler Bereiche eine wichtige Rolle spielen.

Bei der Fachgruppentagung sprach der frühere Leiter der Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN) über Sicherheitsrisiken. Seine Botschaft: Sicherheit beginnt bei der Führung – und bei den Menschen, die Zugang zu einem Gebäude haben.

Welche besondere Rolle spielen Reinigungsbetriebe bei der Sicherheit von Unternehmen?

„Reinigungsbetriebe sind häufig in Unternehmen und sensiblen Bereichen im Einsatz. Ihre Mitarbeitenden verfügen über Schlüssel und Zutrittsrechte und kennen betriebliche Abläufe. Das bedeutet Verantwortung: Solche Zugänge können auch von Kriminellen oder Nachrichtendiensten missbraucht werden. Spionage und Sabotage betreffen längst nicht nur Politik und Militär, sondern jeden Betrieb mit wertvollem Know-how.“

Wo sehen Sie die größten Schwachstellen?

„Vor allem bei der Personalauswahl und bei sogenannten Insider-Risiken. Wer Zugang hat, kann Informationen etwa von offen liegenden Dokumenten oder Whiteboards abgreifen. Auch chemische Arbeitsmittel können missbraucht werden, wie ein aktuelles Beispiel zeigt: Bei den 2024 geplanten Konzertanschlägen in Wien hatte der später verurteilte Täter über Wochen Chemikalien aus einem Industriebetrieb mitgenommen.“

Wie können sich Reinigungsbetriebe schützen?

„Durch sorgfältige Personalprüfungen, dokumentierte Zutrittsrechte und konsequentes Schlüsselmanagement. Ebenso wichtig sind Schulungen: Teams sollen Warnzeichen für Radikalisierung und Manipulation erkennen. Solche Vorkehrungen schützen nicht nur den eigenen Betrieb, sondern auch dessen Auftraggeber.“

Sie warnen davor, nur auf technische Sicherheit zu setzen. Was steckt hinter „Social Engineering“?

„Dabei werden Menschen gezielt dazu gebracht, vertrauliche Informationen preiszugeben – auch ohne es zu merken. Das funktioniert nicht nur über Phishing-Mails: Wer etwa die Hobbys einer Person kennt, kann darüber Vertrauen aufbauen. Deshalb sind aufmerksame, sensibilisierte Mitarbeitende ein wesentlicher Teil jedes Sicherheitskonzepts.“

Welche Rolle spielt künstliche Intelligenz?

„KI macht Betrug raffinierter. Kriminelle können etwa die Stimme einer Führungskraft imitieren und Mitarbeitende zu Überweisungen verleiten, ein sogenannter CEO Fraud. Risiken entstehen auch intern, wenn Beschäftigte vertrauliche Daten in private KI-Anwendungen eingeben. Unternehmen brauchen deshalb klare Regeln für KI und müssen auch vernetzte Gebäude- und Betriebstechnik absichern.“

Wie gut sind Unternehmen auf diese Gefahren vorbereitet?

„Viele österreichische Unternehmen sind bei der Cybersicherheit bereits gut aufgestellt. Doch Sicherheit ist eine Führungsaufgabe: Risiken müssen analysiert, Abläufe überprüft und Krisenpläne entwickelt werden. Für Reinigungs- und Facility-Services-Betriebe ist das besonders wichtig: Mit klaren Regeln und geschultem Personal können sie auch ihre Auftraggeber schützen.“