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Spartenobmann Gerhard Komarek
© Matthias Buchwald

„Mir ist wichtig, unsere Betriebe im Wettbewerb zu stärken”

Fachkräftemangel, Bürokratie und der Druck der Digitalisierung: Gerhard Komarek, neuer Obmann des Wiener Gewerbes und Handwerks, im Interview über die Herausforderungen für die Spartenbetriebe und über Maßnahmen, die es jetzt braucht, um das Gewerbe und Handwerk für die Zukunft zu stärken.

Lesedauer: 5 Minuten

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Aktualisiert am 25.03.2026

„Unsere Betriebe brauchen Rückenwind, nicht neue Hürden“

Mit Gerhard Komarek steht ein neuer Obmann an der Spitze der Sparte Gewerbe und Handwerk in Wien. Im Interview spricht er über die Erwartungen an seine neue Funktion, den wachsenden Druck auf die Betriebe und darüber, warum die Ausbildung von Fachkräften jetzt zur zentralen Zukunftsfrage wird.

Herr Komarek, Sie sind frisch zum Spartenobmann gewählt. Wofür wollen Sie in dieser Funktion stehen?

Für Klarheit, Verlässlichkeit und eine starke Stimme für unsere Betriebe. Das Wiener Gewerbe und Handwerk ist ein zentraler Pfeiler unseres Standorts. Unsere Unternehmen schaffen Arbeitsplätze, bilden junge Menschen aus und sorgen mit ihrer Leistung dafür, dass Wien funktioniert. Mein Anspruch ist es, ihre Interessen klar zu vertreten und die Bedingungen für sie spürbar zu verbessern.

Mit welchen Erwartungen kommen die Mitglieder auf Sie zu?

Sie erwarten zu Recht, dass ihre Anliegen gehört und mit Nachdruck vertreten werden. Viele Betriebe stehen unter enormem Druck. Da braucht es jemanden, der Probleme klar anspricht, realistische Lösungen einfordert und die tägliche Realität der Unternehmen im Blick hat.

Wie erleben Sie die aktuelle Lage im Wiener Gewerbe und Handwerk?

Unsere Betriebe sind leistungsstark, anpassungsfähig und unglaublich engagiert. Gleichzeitig ist die Lage anspruchsvoll. Hohe Kosten, zunehmende Bürokratie, Fachkräftemangel und der ständige Anpassungsdruck durch neue Technologien fordern viele Unternehmen bis an die Grenze. Umso wichtiger ist es, dass wir ihnen den Rücken stärken.

Wo drückt der Schuh derzeit am meisten?

Ganz klar bei drei Themen: Fachkräfte, Bürokratie und Wettbewerbsfähigkeit. Viele Betriebe müssen heute ihr Tagesgeschäft bewältigen und gleichzeitig in Ausbildung, Digitalisierung und neue Prozesse investieren. Dafür braucht es bessere Rahmenbedingungen und mehr unternehmerischen Spielraum.

Sie sprechen den Fachkräftemangel an. Was muss jetzt passieren?

Wir müssen hier endlich konsequent und gemeinsam handeln. Der Kampf um Fachkräfte wird nicht mit Appellen allein gewonnen. Entscheidend ist, dass Unternehmen Fachkräfte ausbilden. Nur so können wir langfristig gegensteuern. Dafür braucht es ein gemeinsames Verständnis – in den Betrieben, in der Bildungspolitik und in der Interessenvertretung.

Heißt das auch: mehr Verantwortung in den Unternehmen selbst?

Ja, wobei viele Betriebe diese Verantwortung schon heute sehr ernst nehmen. In vielen Fachgruppen wird bereits hervorragende Arbeit geleistet. Darauf können und sollen wir aufbauen. Gleichzeitig müssen wir noch mehr Unternehmen dafür gewinnen, auszubilden. Wer Fachkräfte will, muss auch bereit sein, in Fachkräfte zu investieren.

Was brauchen die Betriebe, damit sie mehr ausbilden können?

Vor allem Entlastung und Praxisnähe. Ausbildung darf nicht an bürokratischen Hürden scheitern. Betriebe brauchen Unterstützung, die im Alltag wirklich ankommt – unbürokratisch, planbar und wirksam. Wer ausbildet, übernimmt Verantwortung für die Zukunft des eigenen Betriebs und des gesamten Standorts. Das muss erleichtert und wertgeschätzt werden.

Welche Rolle spielt dabei die Sparte?

Wir müssen Orientierung geben, Anliegen bündeln und dort Druck machen, wo Verbesserungen notwendig sind. Gleichzeitig geht es darum, gute Beispiele sichtbar zu machen und den Austausch innerhalb der Branche zu stärken. Gerade bei der Fachkräftesicherung kommen wir nur weiter, wenn wir gemeinsam an einem Strang ziehen.

Wie wichtig ist Ihnen die Zusammenarbeit innerhalb der Sparte?

Sehr wichtig. Mir geht es nicht darum, Bestehendes kleinzureden – im Gegenteil. In den Fachgruppen leisten viele Kolleginnen und Kollegen seit Jahren hervorragende Arbeit. Darauf will ich aufbauen. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit, denn genau darin liegt die Stärke unserer Sparte: in Erfahrung, Kompetenz und dem gemeinsamen Willen, für die Betriebe etwas weiterzubringen.

Neben dem Fachkräftethema: Wo sehen Sie weiteren Handlungsbedarf?

Bei der Bürokratie. Viele Unternehmerinnen und Unternehmer verbringen zu viel Zeit mit Verwaltung und zu wenig mit ihrem eigentlichen Geschäft. Das kostet Energie, Zeit und oft auch Investitionsbereitschaft. Wenn wir wollen, dass Betriebe wachsen, ausbilden und innovativ bleiben, dann müssen wir sie von unnötigem Ballast befreien.

Und wie steht es um das Thema Digitalisierung?

Digitalisierung ist längst keine Zusatzaufgabe mehr, sondern Teil des unternehmerischen Alltags. Viele Betriebe haben hier bereits wichtige Schritte gesetzt. Jetzt geht es darum, diese Entwicklung weiter voranzutreiben – mit Lösungen, die alltagstauglich, leistbar und gerade auch für kleinere Betriebe gut umsetzbar sind.

Was erwarten Sie konkret von der Politik?

Vor allem ein klares Bekenntnis zum Unternehmertum. Unsere Betriebe brauchen keine zusätzlichen Belastungen, sondern Rückenwind. Weniger Bürokratie, bessere Bedingungen für Ausbildung, gezielte Unterstützung bei Qualifizierung und Digitalisierung – das sind die Themen, auf die es jetzt ankommt.

Wenn Sie Ihre Aufgabe in einem Satz zusammenfassen müssten: Worum geht es Ihnen?

Darum, die Wiener Gewerbe- und Handwerksbetriebe in einer herausfordernden Zeit zu stärken – mit klarer Interessenvertretung, mehr Unterstützung für Ausbildung und einem starken gemeinsamen Auftritt nach innen und außen.

 

Spartenobmann Gerhard Komarek Zur Person
Gerhard Komarek ist Geschäftsführer der Sigron Handels- und SchulungsgmbH, einem Unternehmen, das in der Gebäudereinigung tätig ist. Seit 2010 ist Komarek Innungsmeister der Wiener Innung der Denkmal-, Fassaden- und Gebäudereiniger. Diesen Jänner wurde er zum Obmann der Wiener Sparte Gewerbe und Handwerk bestellt.