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Cybersecurity
© Juergen Faelchle/Shutterstock

Cybercrime, Sabotage und Spionage: Wiens Unternehmen vor neuer Bedrohungslage

Cyberangriffe treffen längst nicht mehr nur große Konzerne. Besonders kleine und mittlere Unternehmen geraten zunehmend ins Visier von Kriminellen, Spionage und Sabotage.

Lesedauer: 4 Minuten

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Aktualisiert am 07.05.2026

Cyberangriffe, Sabotageakte und wirtschaftlich motivierte Spionage stellen Unternehmen zunehmend vor neue sicherheitspolitische und organisatorische Herausforderungen. Betroffen sind nicht nur IT-Systeme, sondern auch Führungskräfte, Mitarbeiter, Gebäude, Lieferketten und sensible Unternehmensdaten.

Cybersicherheit ist daher kein Nice-to-have, sondern ein Muss für jedes Unternehmen.

Neben klassischen Cyberangriffen gewinnen gezielte Desinformation, Wirtschaftsspionage und Angriffe auf kritische Infrastrukturen an Bedeutung. Die Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN) im Bundesministerium für Inneres hat die Aufgabe, diese Gefahren frühzeitig zu erkennen, zu analysieren und mögliche Bedrohungen für den Wirtschaftsstandort abzuwehren.

Neue Risiken für den Wirtschaftsstandort

Die österreichische Wirtschaft war 2025 in hohem Maß von komplexen internationalen Verflechtungen, technologischen Innovationszyklen und geopolitischen Spannungen geprägt. Gleichzeitig stieg der Druck durch fremdstaatlich gesteuerte Wirtschaftsspionage, hybride Einflussoperationen und kriminelle Cyberangriffe.

Unternehmen sämtlicher Branchen stehen damit zunehmend vor der Herausforderung, nicht nur wirtschaftlich erfolgreich zu agieren, sondern auch ihre Kernkompetenzen, Produktionsprozesse und Forschungsdaten proaktiv zu schützen. Wirtschaftsschutz hat sich damit zu einem zentralen Thema der nationalen Sicherheitsvorsorge entwickelt.

Warum KMU besonders gefährdet sind

Kleine und mittlere Unternehmen bilden besonders sensible Ziele. Viele dieser Betriebe nehmen in ihren Marktsegmenten international führende Positionen ein, ohne in der Öffentlichkeit große Sichtbarkeit zu besitzen.

Gerade diese „Hidden Champions“ verfügen über spezialisiertes, schwer reproduzierbares Prozess- und Fertigungswissen. Im Rahmen von Vorträgen weist die DSN verantwortliche Führungskräfte auf diese Gefahren hin und zeigt Möglichkeiten der Prävention auf.

Cyberangriffe auf Wiener Betriebe nehmen zu

Längst sind nicht nur große Unternehmen Ziele von Cyberangriffen oder Sabotageakten. Klein- und Mittelbetriebe kommen, auch aufgrund automatisierter Angriffe teilweise mittels Künstlicher Intelligenz, zunehmend ins Visier der Angreifer.

Die jährliche Erhebung von KPMG, an deren Umfrage auch die WK Wien beteiligt war, zeigt ein deutliches Bild: Der Angriff gegen jedes sechste Unternehmen in Wien war erfolgreich. Jedes fünfte Unternehmen verzeichnete eine Zunahme der Angriffe gegenüber dem Vorjahr.

„Cyberangriffe treffen nicht nur Großkonzerne. Gerade kleine und mittlere Betriebe zählen zu den häufigen Zielen, weil Sicherheitsmaßnahmen oft unterschätzt werden“, erläutert Martin Heimhilcher, Obmann der Sparte Information und Consulting der WK Wien. „Cybersicherheit ist daher kein Nice-to-have, sondern ein Muss für jedes Unternehmen.“

WK Wien bietet konkrete Unterstützung

Die Wirtschaftskammer Wien unterstützt ihre Mitgliedsbetriebe gezielt beim Thema Cyber- und Informationssicherheit. Seit 2017 gibt es eine eigene Cybersecurity-Hotline, die unter der Nummer 0800 888 133 an sieben Tagen der Woche rund um die Uhr erreichbar ist.

Die Hotline bietet Ersthilfe und stellt auf Wunsch den Kontakt zu einem auf Cybersecurity spezialisierten IT-Dienstleister in der näheren Umgebung des betroffenen Unternehmens her.

Darüber hinaus gibt es Informationsveranstaltungen, die sich dem Thema widmen. Um den finanziellen Schaden im Falle eines Angriffs möglichst gering zu halten, besteht auch die Möglichkeit einer Cybersecurity-Versicherung. Erste Anlaufstelle ist hier der Versicherungsmakler des Vertrauens, der das passende Produkt kennt.

„Viele Angriffe lassen sich durch einfache organisatorische und technische Maßnahmen verhindern. Unser Ziel ist es, Betriebe dabei konkret zu begleiten und Schwellenängste abzubauen“, so Heimhilcher.

Prävention wird für Unternehmen entscheidend

Die neue Bedrohungslage zeigt, dass Cybersicherheit, Gebäudesicherheit, Zutrittsmanagement und Personalauswahl für Unternehmen immer wichtiger werden. Das Zusammenspiel von staatlicher Sicherheitsarbeit, unternehmerischer Verantwortung und gezielter Prävention kann die Widerstandsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts nachhaltig stärken.

Martin Heimhilcher, Obmann der Sparte Information und Consulting der WK Wien
© Fernanda Nigro „Cyberangriffe treffen nicht nur Großkonzerne. Gerade kleine und mittlere Betriebe zählen zu den häufigen Zielen, weil Sicherheitsmaßnahmen oft unterschätzt werden“, sagt Martin Heimhilcher, Obmann der Sparte Information und Consulting der WK Wien.