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Margarete Kriz-Zwittkovits
© Florian Wieser

Der Plan der neuen WK-Wien-Präsidentin Margarete Kriz-Zwittkovits

Die Präsidentin der WK Wien spricht über Kammerreform, Digitalisierung, Fachkräfte und Standortpolitik.  

Lesedauer: 8 Minuten

Aktualisiert am 19.08.2026

Wie fühlt es sich an, an der Spitze der WK Wien zu stehen?

Ich war ja bisher schon Vizepräsidentin. Die Gesamtverantwortung zu haben, ist aber natürlich eine neue Situation. Ich habe die Funktion der Präsidentin mit großer Freude, aber auch mit Respekt angenommen.

Die Wirtschaftskammer hat eine unruhige Zeit hinter sich. Wie haben Sie das erlebt?

Die schwierige Phase hat bereits im vergangenen November mit den Diskussionen und dem Rücktritt von Präsident Harald Mahrer in der WKÖ begonnen, als alles infrage gestellt wurde, auch die Kammer selbst. Eine wichtige Sache dabei ist: Was kann man daraus lernen? Ich meine, wir müssen den Nutzen und die Sinnhaftigkeit der Wirtschaftskammer klarer darstellen. Das müssen wir angehen.

Wir müssen den Nutzen der Wirtschaftskammer klarer darstellen.

Die Organisation befindet sich in einem umfassenden Reformprozess. Was sind dabei Ihre Prioritäten?

In der WK Wien hat die Reform schon 2019 begonnen mit der Zusammenlegung der vielen Standorte im Haus der Wiener Wirtschaft. Dieser Nutzen ist darstellbar. Zusätzlich müssen wir auch vor Ort präsenter sein. Bei WKO im Bezirk und in den Fachorganisationen haben wir viele Funktionärinnen und Funktionäre, die für die Betriebe da sind. Das möchte ich forcieren. Ich selber starte eine Betriebsbesuchstour und werde an Veranstaltungen von WKO im Bezirk teilnehmen. Es wird auch notwendig sein, die Informationen unserer exzellenten Expertinnen und Experten für die Betriebe leichter abrufbar zu machen. Damit können wir den Transformationsprozess der Wirtschaft erleichtern. Es muss aber auch die Wirtschaftskammer in ihrem Inneren dynamischer werden. Einerseits müssen die Abteilungen besser zusammenarbeiten, andererseits geht es mir auch um die Zusammenarbeit mit den anderen Wirtschaftskammern in der Ostregion, denn Wirtschaft hört nicht an der Stadtgrenze auf.

Die WK Wien hat die größte KU 2-Senkung aller Landeskammern beschlossen. Wiener Arbeitgeberbetriebe werden sich ab 2029 dadurch 22 Millionen Euro pro Jahr ersparen. Wie wollen Sie das stemmen?

Zum Teil haben wir das schon eingeleitet durch die geänderten Strukturen im Haus, das zeigen die Zahlen. Es wird aber noch mehr notwendig werden. Wir müssen daher weitere Potenziale hinterfragen. Es geht nicht darum, am Angebot zu sparen, sondern die Effizienz zu steigern und damit die Ausgaben zu reduzieren.

Die WK Wien bietet ihren Mitgliedern viele Services, pro Jahr gibt es rund 220.000 Beratungen. Wo sehen Sie Verbesserungsbedarf?

Durch den Einsatz von KI-Tools wollen wir Antworten auf einfache Fragen künftig wesentlicher rascher und rund um die Uhr abrufbar machen. Für komplexe Fragestellungen, die ein sehr individuelles Problem betreffen, bleibt aber der persönliche Kontakt wichtig. Das muss von unseren Expertinnen und Experten persönlich behandelt werden.

Fünf Jahre lang waren Sie Vorsitzende von Frau in der Wirtschaft Wien, dem Unternehmerinnen-Netzwerk der WK Wien. Wie werden diese Erfahrungen Ihre Arbeit als Präsidentin beeinflussen?

Ich habe großartige Unternehmerinnen kennengelernt, die echte Vorbilder für andere sind. Etwa bei den Generationengesprächen, die ich mit jungen und erfahrenen Unternehmerinnen in verschiedenen Bezirken umgesetzt habe. Da gab es beeindruckende Impulse für beide Seiten. Unternehmerinnen werden auch in meiner Arbeit als Präsidentin im Fokus stehen, etwa bei der Ausrichtung von Veranstaltungen. In meiner Zeit bei Frau in der Wirtschaft habe ich übrigens auch die heutige WKÖ-Präsidentin, Martha Schultz, sehr gut kennengelernt. Wir wissen, wie wir es angehen, und haben eine gute Vertrauensbasis.

Engagiert sind Sie seit neun Jahren auch als WK Wien-Bezirksobfrau für Döbling. Sie suchen dafür jetzt eine Nachfolge?

Ja, schweren Herzens, aber als Präsidentin kann ich ja trotzdem in die Bezirke gehen. Mir ist der direkte Kontakt zu den Betrieben so wichtig, weil man dort das Feedback bekommt, wo der Schuh drückt. Diese Themen müssen dann von uns bearbeitet werden. Das kann man noch dynamischer gestalten, es müssen mehr Informationen aktiv an die Kammer zurückgespielt werden. Ich wünsche mir daher auch, dass die Bezirksobleute mit den Fachorganisationen, die ja auch mit ihren Mitgliedern direkt in Kontakt stehen, enger zusammenarbeiten.

Unternehmerische Interessen auf allen Ebenen zu vertreten, ist ein zentraler Auftrag an die WK Wien. Erfolge gibt es viele. Wie kann das noch sichtbarer werden?

Wir müssen eine neue Systematik finden und mehr berichten, was wir erreicht haben und wo die Reise hingeht. Mit Newslettern alleine wird das nicht zu schaffen sein. Es werden die Funktionärinnen und Funktionäre eine wichtige Rolle als Multiplikatoren haben. Sie müssen die Themen nach außen bringen.

Mit welchen Argumenten überzeugen Sie junge Wirtschaftstreibende, sich in der Interessenvertretung zu engagieren? Schließlich hat man mit dem eigenen Unternehmen ja genug zu tun.

Für viele junge Wirtschaftstreibende ist Zeit ein zentrales Thema - ihr Unternehmen befindet sich erst im Aufbau, parallel dazu etabliert sich bei vielen ein Familienleben. Da müssen die Älteren ein bisschen nachsichtiger sein, dass Jüngere nicht immer Zeit haben und Sitzungen sehr straff abgehalten werden müssen. Auch unser Netzwerk Junge Wirtschaft Wien kann viel beitragen, indem es Begeisterung für die Mitarbeit schafft.

Wie werden Sie die Zusammenarbeit mit der Stadt Wien anlegen?

Ich habe hier einen konstruktiven und sachlichen Zugang. Die Zusammenarbeit ist wichtig, hat Tradition, und beide Partnerinnen profitieren enorm davon. Ich bin sachlich und möchte bestimmte Themen umgesetzt sehen. Das erste Treffen mit Bürgermeister Michael Ludwig hat einen guten Schwung gebracht. Eine private Freundschaft haben wir nicht, wir begegnen einander partnerschaftlich. Sehr wichtig ist mir auch die Zusammenarbeit mit der Wirtschafts- und Finanzstadträtin, Vizebürgermeisterin Barbara Novak.

Umfragen zeigen regelmäßig, dass ein großer Teil der Betriebe über die staatliche Bürokratie, zu viele Vorschriften, zu hohe Steuern und zu wenig Fachkräfte klagt. Können Sie daran etwas ändern?

Viele diese Themen betreffen die Bundespolitik, aber auch in Wien kann man einiges anders machen, zum Beispiel bei der Bürokratie der Gebrauchsabgaben. Da kann man vieles einfacher lösen. Entlasten könnte man auch Betriebe, die Lehrlinge ausbilden, indem die Kommunalsteuer für Lehrlinge entfällt. Das wäre auch sehr wertschätzend, weil die Fachkräfteausbildung für Wien essenziell ist.

Neben Interessenvertretung und Service ist Aus- und Weiterbildung eine Kernaufgabe der WK Wien. Wird das derzeit sehr große Angebot so bleiben oder planen Sie, es zu redimensionieren?

Den wirtschaftlichen Aspekt darf man nie außer Acht lassen, das ein oder andere muss man daher immer wieder anpassen. Aktuell planen wir jedoch einen weiteren Ausbau: Wir werden eine IT-HTL errichten, die dringend benötigte IT-Fachkräfte ausbilden wird.

Der Standort Wien hat viele Vorzüge, steht aber auch unter Druck: Künstliche Intelligenz schreibt die Regeln neu, der Klimawandel kostet viel Geld, die Wettbewerbsfähigkeit im Export hat sich verschlechtert, Online-Einkäufe setzen dem Handel zu. Wie kann Wien den Turnaround schaffen?

Wiener Betriebe können bei den Kosten international nicht immer mithalten, vor allem in der Produktion sind die Lohnstückkosten hoch. Doch sie punkten mit Qualität und Know-how, etwa im Pharma-Bereich. Wien hat viele Hidden Champions, die in ihren Nischenbereichen sehr erfolgreich sind. Spezialisierungen sind also wichtig, ebenso Forschung und Entwicklung. Wir brauchen eine hohe Wertschöpfung am Standort Wien, dafür sind auch Betriebsflächen notwendig, die nicht für andere Nutzungen umgewidmet werden dürfen. Wien braucht weiterhin eine gute Erreichbarkeit, um Headquarter-Ansiedlungen zu ermöglichen und die bestehenden zu halten. Wichtig ist das auch für den Kongresstourismus, der in Wien sehr stark ist, aber ebenfalls noch Potenzial hat. Nicht zuletzt braucht es auch bessere steuerlichen Anreize für Investitionen in Start-ups - hier hinkt Österreich hinterher.

Margarete Kriz-Zwittkovits Margarete Kriz-Zwittkovits
Margarete Kriz-Zwittkovits, 67, ist seit 40 Jahren Unternehmerin in den Bereichen Kosmetik, Parfümeriegroßhandel und Immobilien. Von 2008 bis 2014 war sie die erste Präsidentin des Österreichischen Gewerbevereins. Seit 2015 engagiert sie sich als Interessenvertreterin in der Wirtschaftskammer Wien, darunter als Bezirksobfrau in Döbling seit 2017, als Vorsitzende von Frau in der Wirtschaft Wien von 2020 bis 2025 und als Vizepräsidentin der WK Wien von 2020 bis zuletzt. Weiters war sie Aufsichtsrätin der Asfinag Bau Management GmbH und Wiener Gemeinderätin und Landtagsabgeordnete. Sie gilt als bodenständig, umgänglich und weltoffen. 

Starke Allianz

Angelobung Margarete Kriz-Zwittkovits mit Martha Schultz
© Florian Wieser

Am 5. August 2026 hat die Präsidentin der Wirtschaftskammer Österreich, Martha Schultz (r.), Margarete Kriz-Zwittkovits (l.) als Präsidentin der Wirtschaftskammer Wien angelobt. Beide Frauen verbindet unter anderem, dass sie davor Vizepräsidentinnen ihrer Organisation waren, bevor sie zur Nummer 1 aufstiegen. Und beide haben sich zeitgleich viele Jahre lang als Vorsitzende von Frau in der Wirtschaft für Unternehmerinnen engagiert - Schultz auf Österreich-Ebene, Kriz-Zwittkovits in Wien. Das Gesprächsklima zwischen den beiden obersten Interessenvertreterinnen gilt als ausgezeichnet. Für die weitere Vorbereitung und Umsetzung der österreichweiten Wirtschaftskammer-Reform ist das kein Nachteil.


Wien gemeinsam gestalten

Margarete Kriz-Zwittkovits mit dem Wiener Bürgermeister Michael Ludwig
© Stadt Wien / Bubu Dujmic

Das erste Treffen der damals noch designierten Präsidentin der WK Wien, Margarete Kriz-Zwittkovits, mit dem Wiener Bürgermeister Michael Ludwig am 31. Juli 2026 ist gut verlaufen. Eine enge Zusammenarbeit zwischen WK Wien und Stadt Wien ist ein Schlüsselelement bei der Weiterentwicklung des Wirtschaftsstandorts Wien. Was bis 2030 konkret umgesetzt werden soll, haben beide Seiten in ihrer gemeinsamen Zukunftsvereinbarung festgeschrieben - sie wurde im Juni präsentiert. Im Kern geht es dabei um elf Leuchtturmprojekte, die nun gemeinsam umgesetzt werden:

  1. In Meidling wird eine IT-HTL für 600 Schülerinnen und Schüler errichtet.
  2. Ein datenbasiertes Leerstandsmanagement wird die Grätzel stärken.
  3. Ein Robotik Labor wird geschaffen.
  4. Ein neuer KI Economy Report soll das Übersetzen von Künstlicher Intelligenz in Wertschöpfung forcieren.
  5. Für Unternehmensgründungen sind abgestimmte Angebote geplant.
  6. Wien soll durch wirtschaftliche Städtepartnerschaften in Mitteleuropa als Drehscheibe positioniert werden.
  7. Zur Stärkung der Lehrlingsausbildung ist ein Maßnahmenbündel geplant.
  8. Das Projekt Zero Emission Transport wird ausgebaut.
  9. Green Economy-Beiträge der Wirtschaft werden sichtbarer gemacht.
  10. Für die Außenbeschattung im Altbau wird ein Standarddesign für rasche Genehmigungen entwickelt.
  11. Die Zusammenarbeit der Stadt mit Betrieben wird serviceorientierter.