Europäische Tage des Kunsthandwerks: Wiens Werkstätten öffneten Türen und Herzen
Wenn sich der Geruch von Holz, Leder und Seife mit neugierigen Blicken mischt, dann ist in Wien wieder Zeit für die „Europäischen Tage des Kunsthandwerks“:
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Von 7. bis 12. April 2026 wurde die Stadt einmal mehr zur offenen Werkstatt. Und das Interesse war so groß wie die Vielfalt des Gezeigten: Hunderte Besucherinnen und Besucher nutzten die Gelegenheit, hinter die Kulissen zu blicken, Fragen zu stellen und sich von echter Handwerkskunst begeistern zu lassen. Ob das Formen klingender Handpans, das kunstvolle Schmieden von Silber zu Tafelbesteck, die individuelle Gestaltung von Möbeln und Ledertaschen oder die filigrane Fertigung historischer Klosterarbeiten – selten war Handwerk so unmittelbar erlebbar. Workshops und Mitmach-Formate luden dazu ein, selbst Hand anzulegen und für einen Moment Teil dieser traditionsreichen Welt zu werden. Kurz gesagt: Wien hat nicht nur zugeschaut, sondern auch mitgemacht.
Die große Resonanz hat eindrucksvoll bestätigt, was Wien als Handwerksstandort auszeichnet: höchste Qualität, kreative Vielfalt und Betriebe, die ihr Können mit Leidenschaft und Präzision leben.
Wolfgang Hufnagl
Innungsmeister des Wiener Kunsthandwerks
Ein besonderer Höhepunkt waren die geführten Touren am 9. April unter der Leitung vom Innungsmeister des Wiener Kunsthandwerks, Wolfgang Hufnagl: In Ottakring und Hernals öffnete die letzte Wiener Bürstenmanufaktur Meier Bürsten seine Türen und gewährte Einblicke in ein Handwerk, das heute Seltenheitswert hat. Weiter ging es zur Schmuckwerkstatt von Katja Dworak, wo nachhaltige Einzelstücke entstehen, sowie ins arteum von Reinhard Winter, wo Stein, Werkzeug und Kreativität aufeinandertreffen – und Besucherinnen und Besucher selbst aktiv werden konnten.
Vielfalt der Branche
Auch die zweite Tour durch den 7. Wiener Gemeinde Bezirk zeigte eindrucksvoll die Qualität des Wiener Kunsthandwerks: In der traditionsreichen Silberschmiede Jarosinski & Vaugoin wurde jahrhundertealte Handwerkskunst lebendig, bevor in der Werkstatt von Arno Kalivoda die hohe Kunst der Restaurierung historischer Großuhren bestaunt werden konnte. Doch nicht nur diese ausgewählten Stationen zeigten die Vielfalt der Branche: Zahlreiche Wiener Kunsthandwerksbetriebe – von Seifensieden, Bildhauerei und Keramikdruck über Silberschmieden bis hin zu textilem Webhandwerk und Kürschnerei – präsentierten eindrucksvoll, wie in Wien Tradition und Innovation Hand in Hand gehen. Die Plattform Wiener Kunsthandwerk der Wirtschaftskammer Wien, seit 2015 Partner der europaweiten Initiative, bot damit einmal mehr eine Bühne für Qualität, Kreativität und zeitgemäßes Design.
Tradition und zeitgemäßes Design keine Gegensätze
„So viele Menschen haben in diesen Tagen Werkstattluft geschnuppert und aus nächster Nähe erlebt, wie viel Können, Geduld und Liebe zum Detail in jedem einzelnen Stück steckt. Dieses unmittelbare Erleben hat einmal mehr gezeigt, welchen besonderen Wert handgefertigte Produkte haben“, zieht Hufnagl Bilanz „Die große Resonanz hat eindrucksvoll bestätigt, was Wien als Handwerksstandort auszeichnet: höchste Qualität, kreative Vielfalt und Betriebe, die ihr Können mit Leidenschaft und Präzision leben“, so Hufnagl weiter.
Und mit einem Augenzwinkern ergänzt er: „Man konnte in diesen Tagen sehr schön beobachten, wie Tradition und zeitgemäßes Design keine Gegensätze sind, sondern sich gegenseitig beflügeln – und wie aus Erfahrung, handwerklichem Können und neuen Ideen ganz besondere Stücke entstehen.“