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Die Asfinag setzt klassische KI in der Verkehrsüberwachung ein.
© ASFINAG/Rudi Froese

KI-Einsatz ist keine Zukunftsmusik

97 Prozent der heimischen Betriebe testen Pilotprojekte, nutzen KI im Betrieb oder planen dies. So setzen Wiens Betriebe KI ein, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

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Aktualisiert am 07.07.2026

Die Asfinag setzt klassische KI in der Verkehrsüberwachung ein.

Sechs von zehn österreichischen Unternehmen testen derzeit erste KI-Pilotprojekte und schätzen die Nutzung im Arbeitsalltag noch als „wenig fortgeschritten” ein. Ein Viertel (25 Prozent) sieht die Integration als „fortgeschritten”, da bereits mehrere KI-Projekte in den produktiven Betrieb überführt wurden. Nur zwei Prozent haben KI schon umfassend in Kernprozesse integriert und sehen den Reifegrad als „sehr weit fortgeschritten”.  Das zeigt eine aktuelle Studie des skandinavischen Technologieunternehmens Tieto, mit Österreich-Sitz in Wien Brigittenau, zur KI-Integration in Unternehmen. Dazu wurden 100 österreichische und 202 deutsche Betriebe mit mindestens 250 Mitarbeitenden im April und Mai 2026 telefonisch und online befragt.

In Deutschland bezeichnen 17 Prozent der Betriebe die KI-Integration als „sehr weit fortgeschritten”, 60 Prozent als „fortgeschritten” und 22 Prozent sind erst in der KI-Pilotphase. Diese Diskrepanz führt Studienautor Tieto auf die Branchenzusammensetzung der Stichprobe zurück, denn in Österreich sind rund zwei Drittel (62 Prozent) der Betriebe der produzierenden Industrie, Handwerk und Gewerbe zuzuordnen - hier erfolgt die KI-Integration in Kernprozesse meist später und punktueller. In Deutschland machen Finanzdienstleistungen und IT zusammen rund 60 Prozent aus - hier lässt sich KI bereits unmittelbar auf zentrale Prozesse anwenden.

Wertschöpfung neu denken

Die Studienergebnisse zeigen, dass es noch in beiden Ländern wenige „Frontier Firms”, also KI-Pionierunternehmen, gibt. KI verändere in dieser Transformation jedoch nicht nur Effizienz, sondern wie Wertschöpfung grundlegend entsteht, ist Hermann Erlach, General Manager von Microsoft Österreich, überzeugt: „Microsoft-Daten zeigen, dass bereits mehr als jede dritte Person in Österreich KI nutzt. Entscheidend ist jetzt, diese Dynamik konsequent und verantwortungsvoll in Wertschöpfung zu übersetzen, indem Unternehmen KI in ihre Kernprozesse integrieren und zum strategischen Rückgrat ihrer Geschäftsmodelle machen.” Zudem bestünde das Risiko, dass Mitarbeitende unsichere oder private KI-Tools verwenden, wenn der Arbeitgeber ihnen keine geeigneten KI-Anwendungen zur Verfügung stellt. Andreas Wagner, Geschäftsführer von SAP Österreich, sieht Österreich an einem Wendepunkt: „Viele Unternehmen haben das volle Potenzial von KI als datengetriebener Motor der Innovation und Wettbewerbsfähigkeit noch nicht ausgeschöpft. Entscheidend ist jetzt, rasch vom ‚proof of concept’ zum ‚proof of value’ zu kommen und KI überall dort einzusetzen, wo sie einen messbaren Mehrwert und einen wesentlichen Beitrag zur Wertschöpfung leistet. Bei KI gilt: Tempo schlägt Perfektion. Konzept schlägt Kosmetik.”

Der Wandel zum KI-Pionier wird in Österreich derzeit noch von zahlreichen Herausforderungen ausgebremst - dabei nennen 50 Prozent rechtliche Aspekte, wie Datenschutz, und 46 Prozent Cybersecurity. Martin Heimhilcher, Spartenobmann Information und Consulting der WK Wien, appelliert deshalb an die Betriebe: „Künstliche Intelligenz verändert die Arbeitswelt mit hoher Geschwindigkeit und wird zunehmend zum Wettbewerbsfaktor für Unternehmen. Wer die Potenziale von KI frühzeitig erkennt und gezielt in seine Geschäftsprozesse integriert, stärkt seine Innovationskraft und macht sein Unternehmen zukunftsfit. Derzeit zählen Datenschutz und Cybersicherheit zu den größten Herausforderungen. Umso wichtiger ist es, KI auf einer sicheren und vertrauenswürdigen Grundlage einzusetzen, damit Unternehmen die Chancen der Technologie nutzen können, ohne neue Risiken einzugehen.”

Jeder fünfte Betrieb (21 Prozent) sieht die Datenverfügbarkeit, -qualität und -aufbereitung als Hürde. Robert Kaup, Geschäftsführer von Tieto Österreich, erklärt: „Saubere Daten, integrierte Datenplattformen, eine klare Cloud-Strategie sowie Security und Compliance by Design sind ein Muss für eine erfolgreiche KI-Integration, da viele fortgeschrittene und agentische KI-Fähigkeiten nur in Cloud-Umgebungen verfügbar sind.” Positive Ergebnisse durch den Einsatz von KI sehen 38 Prozent bei Wissensmanagement und 30 Prozent bei Effizienzsteigerung, ein Viertel (26 Prozent) konnte bisher in keinem Bereich Erfolgserlebnisse erzielen. Zum Vergleich: In Deutschland liegt der letzte Wert nur bei einem Prozent.

Mit KI zu mehr Sicherheit

Ein Unternehmen, in dem sich bereits klassische KI und generative KI-Anwendung finden und das gerade für breitere Unternehmensbereiche skaliert, ist die Asfinag. Der Infrastrukturbetrieb setzt klassische KI bei Sicherheit als Ohren in den Tunneln ein, die auf Aufprall- bzw. Bremsgeräusche reagieren, bei Überwachung, um freie Lkw-Stellplätze auf Raststationen zu erkennen, und bei der Verkehrsanalyse, um gefährliche Situationen im Straßennetz zu erheben. Neue potenzielle KI-Anwendungen werden im Rahmen eines Quickchecks auf erwartete positive Effekte geprüft, die eine Voraussetzung für die Umsetzung darstellen. Bernd Datler, Geschäftsführer der Asfinag Maut Service GmbH, betont: „Wir haben bereits einige Anwendungen in Produktion, bei denen wir manuelle Tätigkeiten, klassische Ereignisdetektionen und mehr mit KI ersetzt haben und reale Einsparungen in relevanter Größenordnung erzielen konnten. Jedenfalls ist von Anfang an eine saubere Anwendungsdefinition und Abgrenzung gepaart mit einem Alternativenvergleich mit anderen Lösungen wichtig, um den Erfolg von KI-Einsatz einschätzen zu können.” Im Bereich der generativen KI wird das Personal von Chatbots unterstützt. Zahlreiche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nehmen an den Asfinag-Schulungsprogrammen teil und können über ein Baukastensystem eigene Chatbots erstellen. 

Wegen der hohen Verkehrssicherheit ergeben sich bei der Asfinag allerdings besondere Herausforderungen beim KI-Einsatz: „Aufgrund langer Lebenszyklen sind speziell Infrastrukturdaten in der Vergangenheit nicht mit dem Blick auf KI erhoben worden und müssen teilweise dementsprechend aufbereitet werden. Eine ganz besonders spannende Herausforderung ist der Einsatz von KI in safety-relevanten Bereichen, die als Hochrisiko-Anwendungen nach AI-Act gelten, wie auch generell die rechtliche Weiterentwicklung bezüglich KI-Einsatz in Europa”, erläutert Datler.

Einkaufen mit KI-Assistent

Auch beim österreichischen Online-Supermarkt gurkerl.at, Teil der tschechischen Rohlik-Gruppe, ist KI bereits fest in den täglichen Betrieb integriert. Der Einkaufsassistent Maia unterstützt Kundinnen und Kunden bei der Produktsuche, liefert Rezeptideen oder überträgt ein Foto des handgeschriebenen Einkaufszettels direkt in den Warenkorb. Auch Bestellung, Reservierung des Lieferfensters und Bezahlung laufen über Maia. Seit wenigen Tagen gibt es außerdem ein neues Tool von gurkerl innerhalb von ChatGPT - eine Erweiterung, mit der die ChatGPT-Nutzer direkt auf die Dienste von gurkerl zugreifen können.

Hinter den Kulissen werden ausgewählte Arbeitsabläufe im Betrieb durch KI unterstützt. So fängt sie einfache Kundenanfragen ab, um die Teams für komplexere Aufgaben zu entlasten. Entwicklungs- und Testzyklen laufen dank KI schneller ab, Daten sind unkomplizierter verfügbar, Entscheidungen fallen schneller. Auch Lager und Ressourcenmanagement werden mit KI gesteuert, was präzisere Nachfrageprognosen und damit weniger Lebensmittelabfälle zur Folge hat.

Der Mensch behält die Verantwortung

„Unser Grundprinzip ist ganz einfach: Wir setzen KI dort ein, wo sie Abläufe schneller oder zuverlässiger macht, behalten aber überall dort den Menschen in der Verantwortung, wo menschliches Urteilsvermögen und Empathie gefragt sind”, sagt Richard Harris jr., Geschäftsführer von gurkerl. Für die Kunden funktioniere KI am besten, wenn sie Hürden im Einkaufsprozess unbemerkt abbaut. Und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schätzen die Entlastung von Routinearbeiten, so Harris.

Das sieht man auch im Versicherungsunternehmen Uniqa so. Auch dort werden KI-gestützte Tools schon in mehreren Geschäftsbereichen eingesetzt, etwa bei der Bearbeitung von Gesundheitsrechnungen, die über die myUniqa-App eingereicht werden. Mitarbeitende müssen Möglichkeiten und Grenzen von KI kennen, sagt Peter Humer, Vorstand Kunde & Markt Österreich bei der Uniqa Insurance Group AG. Weiterbildung sei daher zentral - sowohl in der praktischen Anwendung von KI als auch im verantwortungsvollen Umgang damit.

Die Technologie werde die Branche nachhaltig verändern, der Faktor Mensch bleibe aber entscheidend, ist Humer sicher. „KI hilft uns dabei, Services einfacher und schneller zu machen. Für uns geht es dabei nicht darum, Menschen zu ersetzen, sondern sie zu unterstützen. Technologie kann viel leisten - aber gerade in der Versicherungsbranche bleiben persönliche Beratung, Erfahrung und menschliches Urteilsvermögen unverzichtbar.”

Eine wesentliche Hürde für den Einsatz von KI sieht gurkerl-Manager Harris bei der Datenqualität. „Eine KI ist immer nur so gut wie die sauberen, strukturierten Daten, die sie füttern.”  Um KI noch stärker zu verankern, brauche es starke Datenfundamente, klare Governance und fortlaufendes Training. Denn: „Eine KI kann man nie einfach nur einschalten und sich selbst überlassen.”