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internationaler Wettbewerb
© Westend61 / zerocreatives

Kräftemessen ohne Gnade

Wer ist stärker, wer ist innovativer - und wer wird von den Rahmenbedingungen seines Wirtschaftsstandorts besser unterstützt? Im internationalen Wettbewerb gelten harte Regeln, viele heimische Betriebe spüren das.

Lesedauer: 7 Minuten

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Aktualisiert am 26.05.2026

Um den Wirtschaftsstandort Österreich war es schon einmal besser bestellt. Die Energiepreise sind vergleichsweise hoch, ebenso die Inflation und Arbeitskosten. An Fachkräften mangelt es in vielen Branchen, zugleich steigen die Arbeitslosenzahlen (außer in Wien) - Angebot und Nachfrage passen oft nicht mehr zusammen. Im Alltag plagt auch die überbordende Bürokratie die Unternehmen - zu viele Berichtspflichten, zu viele Vorschriften, zu viel Zeit und Geld geht dabei verloren, lautet die Kritik. Vor allem exportorientierte Unternehmen spüren das als Wettbewerbsnachteil. Aber nicht nur sie. Denn durch den Online-Handel kommen auch lokale Betriebe immer stärker unter Druck. Das hat viele Folgen - etwa für Beschäftigung und Einkommen. Am Ende steht in der globalisierten Wirtschaft jeder in Konkurrenz zu jedem.

Wir haben in vielen Bereichen ungenütztes Potenzial, das liegenbleibt.

Lage spitzt sich zu 

Wie sehr Österreich hier schon den Anschluss verloren hat, dokumentiert die neueste Analyse des Beratungsunternehmens Deloitte. Für diese wurden rund 600 österreichische Führungskräfte befragt und mehrere internationale Studien ausgewertet. Vor allem die Wettbewerbsfähigkeit macht den Beratenden Sorgen: Österreich ist im World Competitiveness Index des International Institute for Management Development (IMD) seit 2019 massiv abgerutscht - von Platz 19 auf Platz 26. Vergleichbare europäische Staaten wie die Schweiz, Dänemark, Schweden oder die Niederlande haben Österreich klar abgehängt.

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor unserer Volkswirtschaft war und ist die internationale Wettbewerbsfähigkeit”, erklärt Herbert Kovar, Managing Partner bei Deloitte Österreich. Mit einer Exportquote von knapp 60 Prozent sei unser Land in hohem Maße von der internationalen Attraktivität seiner Produkte und Dienstleistungen abhängig. Durch den Konflikt im Nahen Osten spitze sich die Lage für Österreich nun weiter zu - jedes zweite heimische Unternehmen sei vom Krieg direkt betroffen. Das drücke auch auf die Stimmung der Betriebe. Deloitte rät der Bundesregierung zu „tiefgreifenden strukturellen Reformen” sowie zu einer engagierteren Senkung der Lohnnebenkosten, Bürokratieabbau, zum Ausbau erneuerbarer Energie und zu einer besseren Nutzung der Potenziale am Arbeitsmarkt. 

Risken für die Wettbewerbsfähigkeit Österreichs
© wkw/Quelle: Deloitte Radar 2026

Es gibt auch positive Stimmen 

Ganz so negativ sehen es aber nicht alle, zeigt die Deloitte-Umfrage: Zwar orten viele eine generell negative Stimmung, dem Standort Österreich geben aber weit mehr Führungskräfte eine gute Note als eine schlechte. Auch in die Zukunft des eigenen Unternehmens ist das Vertrauen relativ groß.

Einer, auf den dieser Optimismus jedenfalls zutrifft, ist Johannes Pfeil, Geschäftsführer des traditionsreichen Wiener Familienunternehmens Dietzel-Univolt. Seit fast 90 Jahren gibt es diesen Simmeringer Betrieb schon. Heute beschäftigt er 350 Mitarbeitende in der Wiener Produktion und Zentrale, in Produktionsstandorten in der Slowakei und China sowie in Verteilzentren in Großbritannien und Ungarn. Produziert und vertrieben werden vor allem Kunststoffrohre für Elektroinstallationen für Hoch- und Tiefbau, aber auch Zubehörteile wie Unterputzdosen, Befestigungstechnik und einiges mehr. „Österreich ist mit Abstand der wichtigste Markt für uns, hier erwirtschaften wir rund 40 Prozent unseres Umsatzes”, sagt Pfeil. Der „Raunzerei” über den Standort könne er sich nicht anschließen: „Ich tue mir schwer, etwas Negatives zu sagen. Zwar kennen wir den Unterschied bei den Produktionskosten in Österreich und China, wo Strom nur ein Zehntel kostet. Trotzdem glauben wir an den Standort Österreich”, sagt Pfeil. 

Österreichs Plätze in internationalen Rankings
© wkw/Quelle: Deloitte Radar 2026

Gerade für Dietzel-Univolt, dessen ausländische Hauptmärkte vor allem in Europa liegen, sei die Lage Österreichs mitten in Europa sehr wichtig, ebenso die Zugehörigkeit zur Eurozone und zum EU-Binnenmarkt mit freiem Warenverkehr und offenem Arbeitsmarkt. Auch die Verkehrs- und Telekommunikationsinfrastruktur sei in Österreich sehr gut ausgebaut. Positiv wirke sich auch die stabile politische Lage aus: „Da ist nicht von heute auf morgen alles anders. Für ein erfolgreiches Wirtschaften ist das eine wichtige Voraussetzung”, sagt Pfeil. „Wir können Österreich immer in einzelnen Punkten mit anderen Ländern vergleichen, aber letztlich hängt in einem System alles zusammen”, so der Manager, der aktuell die dramatischen Auswirkungen des Iran-Kriegs auf sein Unternehmen zu stemmen hat. „Der erste Schock ist schon überstanden, aber an zwei beträchtlichen Preiserhöhungen sind wir wegen der stark gestiegenen Preise für ölbasierte Rohstoffe, die wir für unsere Produkte brauchen, nicht vorbeigekommen”, sagt Pfeil. 

Österreich hat ungenütztes Potenzial 

Optimierungsbedarf sieht Wirtschaftskammer Wien-Präsident Walter Ruck bei den heimischen Standortbedingungen dennoch. „Wir haben in vielen Bereichen ungenütztes Potenzial, das wir nicht liegenlassen dürfen. Etwa im Bereich Vollzeitarbeit: Österreich ist in den vergangenen 20 Jahren zum Teilzeitland geworden. Es arbeiten immer mehr Menschen, aber sie arbeiten weniger”, kritisiert Ruck. Einen wesentlichen Grund dafür ortet er darin, dass sich Vollzeitarbeit oft viel zu wenig lohne. „Es braucht neue Anreize wie einen eigenen Absetzbetrag für Vollzeit-Arbeitskräfte, um mehr arbeiten wieder attraktiver zu machen”, so Ruck. Begleitend dazu seien Anpassungen im Sozialsystem notwendig, um Arbeit von Nicht-Arbeit finanziell deutlicher abzugrenzen.

Die Stimmung der Unternehmen in Österreich
© wkw/Quelle: Deloitte Radar 2026

Weiters brauche es eine kluge Steuerpolitik, die zukunftsorientierte Investitionen anreizt. Die Einführung eines Sachbezugs für privat genutzte E-Autos sei daher der falsche Weg - er mache die Umstellung auf E-Autos unattraktiver. Die Rechtssicherheit müsse Österreich generell optimieren. Immer wieder würden unternehmensrelevante Gesetze und Verordnungen überraschend und teilweise auch rückwirkend geändert. „Die WK Wien stellt daher fünf Millionen Euro bereit, um Musterprozesse mitzufinanzieren, um die Rechtssicherheit zu verbessern”, sagt Ruck.

Herbert Kovar, Managing Partner für den Bereich Tax & Legal bei Deloitte Österreich Der internationale Druck nimmt zu.
Interview mit Herbert Kovar, Managing Partner für den Bereich Tax & Legal bei Deloitte Österreich
Was macht den Unternehmen am meisten zu schaffen?
Der Bürokratiedschungel und die Steuerpolitik werden als die größten Belastungsfaktoren wahrgenommen, das ist ein Warnsignal. Wir riskieren damit die breite Abwanderung von Unternehmen ins Ausland - und eine Zunahme der Insolvenzen. Es droht ein weiterer Verlust der Wettbewerbsfähigkeit. Für Österreich verschärft sich die Situation zudem durch strukturelle Belastungen: Die Kosten steigen schneller als die Produktivität, Investitionsentscheidungen werden komplexer, der internationale Wettbewerbsdruck nimmt zu. Österreichs Unternehmen müssen sich in einem volatilen Umfeld behaupten, das überwiegend von Unsicherheit und verhaltenen Erwartungen geprägt ist.

Stichwort Steuerpolitik: Welche Rolle spielen dabei die Lohnnebenkosten?
Die Senkung der Lohnnebenkosten wird seit Jahren gefordert, nun will die Regierung hier einen ersten Schritt im nächsten Budget setzen. Aber es braucht mehr: Eine Senkung um drei Prozentpunkte bis 2028 mit klarer Gegenfinanzierung, etwa durch Effizienzsteigerungen im Staat und wachstumsbedingte Mehreinnahmen, ist notwendig.

Wie steht es um Österreichs Arbeitsmarkt?
Der österreichische Arbeitsmarkt steht seit Jahren unter Druck. Was es jetzt braucht, sind attraktivere Rahmenbedingungen für ältere Arbeitnehmende, die Attraktivierung von Vollzeitbeschäftigung und das aktive Werben um Fachkräfte im internationalen Umfeld.