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Rückenansicht einer auf Gleisen gehenden Person mit Helm, Sicherheitsweste und Tablet in der linken Hand. Links und rechts von den Gleisen sind dicke Betonpfeiler
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Ägypten: Bau eines Hochgeschwindigkeitszug-Netzwerks

Neuer Electric Express Train (EET) soll ein Suezkanal auf Schiene werden

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Ägypten Schienenverkehr NPI Großprojekte
02.03.2026

Das ägyptische Eisenbahnsystem ist eines der größten in der arabischen Welt, jedoch chronisch veraltet und sehr wartungsintensiv. Ägyptens Präsident Abdel Fattah el-Sisi hat daher unter anderem einen Fokus auf den Ausbau des Schienenverkehrssektor gelegt und Investments in Milliardenhöhe für die Entwicklung von Projekten vorgesehen.

Das prestigeträchtigste Projekt im Eisenbahnbereich ist das High Speed Rail System, das in seiner Endausbaustufe das sechstgrößte Hochgeschwindigkeitsnetz der Welt bilden soll. Insgesamt soll das Netzwerk rund 2.000 Kilometer durch das ganze Land umfassen und dabei Personen- und auch Güterverkehr abdecken. Der Betrieb der ersten Phase soll noch 2026 starten – die weiteren Phasen stehen aber erst im Vorbereitungsstadium. Insgesamt umfasst das Projekt ein Investitionsvolumen von bis zu 23 Milliarden Euro.

Projekteigentümer ist das ägyptische Verkehrsministerium durch die NAT. Das Projekt wird in einem Konsortium von Siemens Mobility (electromechanical works and delivery of rolling stock) gemeinsam mit zwei für civil works zuständigen lokalen Baufirmen Orascom Construction (größtes privates Bauunternehmen Ägyptens) und Arab Contractors (größtes staatliches Bauunternehmen Ägyptens) umgesetzt. Die Unternehmen des Konsortiums sind für den Bau und auch die Erhaltung (Maintenance) für 15 Jahre zuständig.

Zusätzlich sind zahlreiche weitere Contractors mit dem Bau einzelner Stationen betraut, z.B. Hassan Allam für zwei Stationen sowie Elsewedy Electric für sieben Stationen. Als Höchstgeschwindigkeit der High Speed Rail sind bis zu 250 km/h vorgesehen.

Das Hochgeschwindigkeitsprojekt ist in drei Phasen unterteilt (Green Line – Blue Line – Red Line), wobei die erste Phase (Green Line) seit 2021 eine stehende Finanzierung hat und bereits in der Umsetzung ist. Die Green Line umfasst eine Strecke von 660 Kilometern, die von Ain Sokhna am Roten Meer über die neue Hauptstadt (New Administrative Capital), Kairo und Alexandria nach El Alamein und Marsa Matrouh am Mittelmeer führen soll. Für die zweite und dritte Phase des Projekts (Blue Line – Red Line) fehlt derzeit noch der Abschluss der Finanzierung. Die Blue and Red Line sollen von Greater Cairo/Fayoum bis nach Abu Simbel an der sudanesischen Grenze im Süden Ägyptens (1.100 km) bzw. von Luxor/Qena nach Hurghada und Safaga am Roten Meer (225 km) führen.

Während bei der Green Line bereits die meisten Aufträge vergeben sind – mit Ausnahme u.a. der Bereiche Maintenance – fehlt für die Blue and Red Line sogar noch die Finanzierung. Hier bestehen also gute Chancen für österreichische Unternehmen, sich noch beim Projekt als Zulieferer zu positionieren.

Betreiber des Hochgeschwindigkeitsnetzes wird die Deutsche Bahn (DB International) in einem Konsortium mit dem ägyptischen Contractor Elsewedy Electric sein. Der Vertrag zum Betrieb des Hochgeschwindigkeitszugs wurde Ende 2025 unterschrieben und sieht eine Dauer von 15 Jahren vor. Als Project Management Consultant für Bau und Wartung der Green Line wurde SYSTRA eingesetzt, für die Blue und Red Line ein Konsortium von SYSTRA und Egis.

Siemens Mobility wird für das Projekt 41 Velaro Passagierzüge mit einer Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h (Express Train), 94 Desiro Passagierzüge mit einer Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h (Regional Train) und 41 Vectron Lokomotiven mit einer Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h (für den Güterverkehr) liefern. Der Bau der Streckentrasse sowie der Stationen für die Green Line sind bereits in vollem Gange und Siemens Mobility hat bereits die ersten Züge nach Ägypten ausgeliefert.

Da das Projekt auch Güterverkehr auf die Schiene bringen soll, bezeichnet Siemens selbst das Projekt als „Suezkanal auf Schiene“, um die strategische Bedeutung des Projekts zu verdeutlichen.

Detaillierte Informationen zur Green Line finden sich auf der Homepage der NAT (siehe besonders der Environmental and Social Impact Assessment Report) sowie auf der Homepage von Siemens Mobility.

Sie haben Interesse an diesem Projekt und suchen Anknüpfungspunkte für Ihre Technologien? Kontaktieren Sie uns unter kairo@wko.at oder rufen Sie uns einfach an unter +20 2 2736 1150 an.

Für weiterführende Informationen zum Schienenverkehr in Ägypten senden wir Ihnen gerne auch unseren go-international Branchenreport „Railway Egypt“ zu, den Sie gerne einfach unter kairo@wko.at anfordern können.

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