Modernisierung des Schienennetzes: Angola investiert in Luena–Saurimo-Linie
Großprojekt soll regionale Integration fördern, Transportkosten senken und wirtschaftliche Dynamik ankurbeln
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Angola ist mit einer Fläche von rund 1,246.700 km² etwa 15-mal so groß wie Österreich und steht seit Jahrzehnten vor der Herausforderung, seine weitläufigen Provinzen effizient miteinander zu verbinden und den Zugang zu internationalen Märkten zu verbessern. Insbesondere die östlichen Provinzen Moxico und Lunda-Sul waren bislang nur eingeschränkt in das nationale Verkehrsnetz integriert, was sowohl den Personenverkehr als auch den Abtransport landwirtschaftlicher und mineralischer Güter erschwerte. Mit dem offiziellen Baustart der Luena–Saurimo-Eisenbahnlinie am 27. Januar 2026 unternimmt Angola nun einen entscheidenden Schritt, um diese Defizite zu beheben. Die neue Bahnverbindung soll die beiden Provinzen direkt miteinander verbinden und die nationale Schieneninfrastruktur gezielt erweitern.
Die rund 260 Kilometer lange Strecke entsteht im Rahmen eines Design-and-Build-Vertrags, der nach Präsidialdekret an ein internationales Baukonsortium vergeben wurde. Das Projekt umfasst neben der eigentlichen Bahnlinie auch den Bau von elf Brücken, acht Bahnhöfen sowie zwei strategisch wichtigen Kreuzungen. Die Bauzeit ist auf fünf Jahre angelegt, während derer etwa 2.000 direkte Arbeitsplätze entstehen sollen. Bereits vor Baubeginn wurden sämtliche technischen Studien, Umwelt- und Sozialverträglichkeitsprüfungen sowie Entminungsarbeiten entlang des Korridors abgeschlossen, um einen reibungslosen Projektverlauf zu gewährleisten.
Während der offiziellen Zeremonie bezeichnete der angolanische Verkehrsminister das Vorhaben als strukturierende Investition für den gesamten Eisenbahnsektor des Landes. Besonders hervorgehoben wurde, dass es sich um die erste vollständig neue Eisenbahntrasse in Angola seit fast hundert Jahren handelt. Während frühere Maßnahmen überwiegend auf die Wiederherstellung kriegsbeschädigter Linien abzielten, markiert die Luena–Saurimo-Strecke einen Wendepunkt hin zu echter Netzerweiterung und Modernisierung. Die neue Verbindung soll die Mobilität der Bevölkerung verbessern, regionale Märkte stärker verknüpfen und lokale Wirtschaftskreisläufe beleben.
Eingebettet ist das Projekt in den nationalen Entwicklungsplan sowie den Masterplan für den Transportsektor. Langfristig sind weitere Bahnverbindungen in Richtung Malange, Kuito und Menongue vorgesehen, ebenso wie potenzielle zukünftige internationale Anbindungen an die Nachbarstaaten Sambia, Namibia und die Demokratische Republik Kongo. In dieser Perspektive verfolgt Angola das Ziel, sich als logistischer Knotenpunkt im südlichen Afrika zu etablieren und grenzüberschreitende Warenströme effizienter zu gestalten.
Aus wirtschaftlicher Sicht verspricht die neue Eisenbahnlinie eine deutliche Senkung von Transportkosten und Transitzeiten. Sie soll den Abfluss landwirtschaftlicher Erzeugnisse im Rahmen des nationalen Getreideentwicklungsplans erleichtern und zugleich den Transport strategischer Mineralien wie Kupfer, Kobalt und Mangan verbessern. Über bestehende Korridore erhalten diese Rohstoffe einen besseren Zugang zu Exporthäfen, was Angolas Wettbewerbsfähigkeit auf internationalen Märkten stärkt.
Die Luena–Saurimo-Eisenbahn stellt damit weit mehr dar als ein einzelnes Infrastrukturprojekt. Sie ist Teil eines umfassenden Entwicklungskonzepts, das territoriale Integration, wirtschaftliche Diversifizierung und nachhaltiges Wachstum miteinander verbindet. Durch die Stärkung des Schienenverkehrs als Rückgrat des Landtransports schafft Angola neue Perspektiven für seine östlichen Regionen und unterstreicht zugleich den strategischen Stellenwert moderner Verkehrsinfrastruktur für die langfristige Entwicklung des Landes.