Chile: CAP verhandelt Verkauf der Stahlaktivitäten von Huachipato an Aceros AZA
Reorganisation und Investitionen von rund USD 400 Mio. sollen stillgelegten Industriestandort neu positionieren
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Der chilenische Industriekonzern CAP bestätigt fortgeschrittene Verhandlungen über den Verkauf wesentlicher Stahlaktivitäten des Standorts Huachipato in Talcahuano (Región del Biobío) an Aceros AZA. Die geplante Transaktion ist Teil einer umfassenden industriellen Reorganisation und hat Relevanz für Unternehmen mit Interesse an Industrieprojekten, grüner Stahlproduktion und Investitionen in Lateinamerika.
Fortgeschrittene Verhandlungen über industrielle Neuausrichtung
CAP hat gegenüber der chilenischen Finanzmarktaufsicht (CMF) bestätigt, dass sich das Unternehmen in nicht-exklusiven Verhandlungen mit Aceros AZA befindet. Ziel ist die Kombination ausgewählter Stahlaktivitäten von Huachipato mit den Produktionskapazitäten von AZA. Die Gespräche bauen auf zuvor bekannt gewordenen Marktinformationen auf, gehen jedoch über eine reine Verkaufsabsicht hinaus und konkretisieren erstmals Struktur und Umfang des Vorhabens.
Kern der geplanten Transaktion ist eine gesellschaftsrechtliche Reorganisation, bei der bestimmte Vermögenswerte von Huachipato abgespalten werden. Aceros AZA würde dabei rund 20 % der Gesamtfläche des 450 Hektar großen Industriekomplexes übernehmen, während der Löwenanteil von rund 80 % der Fläche bei CAP verbleibt, um dort eigene, nicht-siderurgische Distrikte weiterzuentwickeln. Die operativen Stahlaktivitäten werden in eine neue Struktur überführt und anschließend an AZA übertragen.
Investitionsvolumen von rund 400 Mio. US-Dollar
Nach Angaben aus dem Marktumfeld beläuft sich das Gesamtinvestitionsvolumen auf rund 400 Mio. US-Dollar. Davon sollen etwa 120 Mio. US-Dollar auf den Erwerb der Stahlaktivitäten entfallen, während der überwiegende Teil in die Umrüstung und Reaktivierung der Produktionsanlagen investiert wird. Geplant ist insbesondere der Aufbau einer elektrischen Stahlproduktion, die auf energieeffiziente und emissionsärmere Verfahren setzt.
CAP würde sich im Zuge der Transaktion mit einer Minderheitsbeteiligung von rund 15% an Aceros AZA beteiligen, was den Charakter einer industriellen Partnerschaft unterstreicht.
Fokus auf „grünen Stahl“ und industrielle Synergien
Aceros AZA gilt in Chile als führender Produzent von sogenanntem „grünem Stahl“ auf Basis von Recycling und erneuerbaren Energien. Die Integration der Huachipato‑Assets soll es AZA ermöglichen, Produktionskapazitäten deutlich schneller auszubauen, als dies durch einen kompletten Neubau möglich wäre (der rund 10 Jahre in Anspruch nehmen würde).
Für CAP fügt sich der Schritt in die strategische Neuausrichtung weg von verlustreichen Stahlaktivitäten und hin zu kritischen Mineralien und Industrieprojekten mit höherer Wertschöpfung ein. Parallel verfolgt CAP am Standort weiterhin seine eigenen nicht‑siderurgischen Pläne, darunter Logistik‑, Innovations‑ und Immobilienentwicklungen (im Rahmen des Projekts Huachipato 2.0).
Relevanz für österreichische Unternehmen
Für österreichische Unternehmen ergeben sich aus dem Projekt mehrere Anknüpfungspunkte:
- Lieferchancen für Maschinen, Anlagen und Technologien zur elektrischen Stahlproduktion
- Kooperationsmöglichkeiten im Bereich Energieeffizienz, Kreislaufwirtschaft und Industrieautomation
- Beteiligungspotenzial bei nachgelagerten Industrie‑, Logistik‑ oder Infrastrukturprojekten am Standort
Die Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt der Prüfung durch die chilenische Wettbewerbsbehörde (FNE). Bei erfolgreichem Abschluss wird mit einer schrittweisen Wiederaufnahme des Stahlbetriebs in den kommenden Jahren gerechnet.
Nächster Schritt
Österreichische Unternehmen mit Interesse an Industrie‑, Umwelt‑ oder Energietechnologien in Chile sollten die weitere Entwicklung des Projekts beobachten und frühzeitig Markt‑ und Partneranalysen durchführen. Die Außenwirtschaft Austria unterstützt bei der Einschätzung von Markteintritts‑ und Kooperationsmöglichkeiten.