Chile verabschiedet umfassende Wirtschaftsreform und setzt auf Investitionen
Steuererleichterungen, Investitionsanreize und Entlastungen für Immobilienkäufer prägen die neue Reformagenda der Regierung Kast
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ChileReform nach letzter Senatsabstimmung beschlossen
Mit der Zustimmung des Senats zum zuletzt offenen Mechanismus zur finanziellen Kompensation der Gemeinden wurde das Gesetzespaket „Reconstrucción Nacional y Desarrollo Económico Social“ am 4. August 2026 endgültig vom Kongress verabschiedet. Die entscheidende Abstimmung fiel mit 27 zu 22 Stimmen zugunsten der Regierung aus.
Der Kompensationsmechanismus soll Einnahmeausfälle der Gemeinden ausgleichen, die durch die neue Grundsteuerbefreiung für selbstgenutzte Erstwohnsitze von Personen ab 65 Jahren entstehen. Die Frage der kommunalen Finanzierung war der letzte noch ungelöste Punkt der Reform.
Umfangreiche steuerliche Entlastungen
Kernstück der Reform ist eine schrittweise Senkung der Körperschaftsteuer für große Unternehmen von derzeit 27 % auf 23 % bis zum Jahr 2029. Gleichzeitig wird die vollständige steuerliche Integration des Unternehmenssteuersystems wieder eingeführt, wodurch die steuerliche Belastung von Investitionen reduziert werden soll.
Darüber hinaus entfällt die bisherige Steuer auf bestimmte Kapitalgewinne aus börsengehandelten Wertpapieren. Die Regierung sieht darin einen wichtigen Schritt zur Verbesserung des Investitionsklimas und zur Stärkung des Kapitalmarkts.
Neue Anreize für Investitionen
Besonders relevant für internationale Investoren ist die Einführung eines Systems der steuerlichen Stabilität („Invariabilidad Tributaria“). Unternehmen können sich für Zeiträume von 10, 15 oder 20 Jahren stabile steuerliche Rahmenbedingungen sichern. Die konkrete Laufzeit richtet sich nach dem Umfang der Investition.
Das Instrument steht sowohl nationalen als auch ausländischen Investoren offen. Als Gegenleistung wird eine zusätzliche Unternehmensabgabe von 1,5 % erhoben. Die Regierung erwartet dadurch eine höhere Planungssicherheit für langfristige Projekte.
Maßnahmen für Immobilien- und Bausektor
Zur Belebung des angeschlagenen Bausektors wird für zwölf Monate die Mehrwertsteuer auf den Erstverkauf neuer Wohnungen ausgesetzt. Hintergrund sind mehr als 100.000 unverkaufte Wohneinheiten sowie ein anhaltender Wohnraummangel.
Zudem werden die steuerlichen Regelungen für DFL2-Wohnimmobilien angepasst. Für kleinere Mietobjekte gelten künftig besondere Besteuerungsregelungen, die sowohl natürlichen als auch juristischen Personen unter bestimmten Voraussetzungen offenstehen.
DFL2-Wohnimmobilien sind Wohnobjekte, die unter ein spezielles chilenisches Fördergesetz fallen und traditionell steuerliche Vorteile genießen. Die Reform behält diese Begünstigungen für die ersten beiden Immobilien natürlicher Personen weitgehend bei, führt für zusätzliche Objekte jedoch neue steuerliche Regelungen ein.
Weitere wirtschaftspolitische Maßnahmen
Zusätzlich umfasst die Reform:
- eine vorübergehende Halbierung der Schenkungssteuer,
- ein freiwilliges Offenlegungsprogramm für im Ausland gehaltene Vermögenswerte,
- steuerliche Sonderregelungen für bestimmte angesammelte Unternehmensrücklagen,
- Erleichterungen bei der Begleichung von Steuerschulden,
- neue Förderinstrumente für wissensbasierte Dienstleistungsexporte,
- Änderungen bei der steuerlichen Förderung betrieblicher Weiterbildung.
Außerdem werden Mittel für den Wiederaufbau in von Naturkatastrophen betroffenen Regionen bereitgestellt.
Politische Bedeutung und weiterer Verlauf
Präsident José Antonio Kast bezeichnete die Reform als eines der wichtigsten wirtschaftspolitischen Gesetzespakete der vergangenen Jahrzehnte. Die Regierung erwartet positive Impulse für Wachstum, Beschäftigung und Investitionen.
Allerdings sind noch weitere rechtliche Schritte möglich. Die Regierung hat angekündigt, gegen einzelne, während des parlamentarischen Verfahrens hinzugefügte Bestimmungen Vetos einzulegen. Zudem liegen mehrere Beschwerden beim Verfassungsgericht vor, die sich unter anderem gegen die Regelung zur steuerlichen Stabilität richten.
Relevanz für österreichische Unternehmen
Für österreichische Unternehmen verbessert die Reform grundsätzlich die Rahmenbedingungen für Investitionen in Chile. Besonders die geplante Senkung der Unternehmensbesteuerung, die langfristige steuerliche Stabilität für Großinvestitionen sowie die Maßnahmen zur Beschleunigung wirtschaftlicher Projekte können die Attraktivität des Standorts erhöhen.
Unternehmen mit Aktivitäten in den Bereichen Infrastruktur, Bauwirtschaft, erneuerbare Energien, Technologie, Bergbau und Dienstleistungen sollten die weitere Umsetzung der Reform sowie die noch anhängigen verfassungsrechtlichen Verfahren aufmerksam verfolgen.