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Ein Frachtschiff mit vielen Containerstapeln auf dem offenen Meer
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Auswirkungen Nahost-Konflikt: Was Österreichs Unternehmen über Chinas Lieferketten wissen müssen

Warum die Produktion noch stabil bleibt – und wo Kosten, Lieferketten und Regulierung zum Risiko werden könnten

Lesedauer: 6 Minuten

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China Anlagenbau/Smart Factory Chemie/Kunststoffe Metalle/Verarbeitung
Stand: 13.05.2026

Warum China weniger hart getroffen wird als andere

China ist im regionalen Vergleich relativ robust aufgestellt. Trotz einer weiter hohen Abhängigkeit von Öl aus dieser Region ist die Volksrepublik bei der Energieversorgung zu 85 Prozent autark. Der aktuelle Fünfjahrplan für 2026-2030 zielt darauf ab, die Energiesicherheit weiter zu stärken.

Kurzfristig stabilisierend für die Auswirkungen der Nahost-Krise auf China sind die eigene Ölproduktion, die Zugriffsmöglichkeit auf eigene große Ölreserven sowie Bezugsmöglichkeiten aus Russland.  Peking hat weiters bereits Kraftstoffexporte eingeschränkt – was den Druck auf Nachbarländer wie die Philippinen und Vietnam erhöht.

Durch den Aufbau der weltweit größten Flotte kohlebefeuerter Kraftwerke stellte China in den letzten Jahren sicher, dass die zentrale industrielle Stromversorgung nicht von den Ölmärkten abhängig ist sowie die die Energiesicherheit der verarbeitenden Industrie nicht von externen Schocks abhängt. In den vergangenen Jahren hat China außerdem massiv den Ausbau erneuerbarer Energien und die Elektrifizierung des Verkehrs massiv vorangetrieben. Die Volksrepublik verfügt inzwischen über die weltweit größten und am schnellsten wachsenden Kapazitäten in den Bereichen Solar‑ und Windenergie sowie über ein besonders dichtes Netz an Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge. Dadurch sinkt die direkte Abhängigkeit von importierten Kraftstoffen, insbesondere im Straßenverkehr. Weiters verfolgt China ein ambitioniertes Kernenergieprogramm mit derzeit 23 geplanten neuen Reaktoren. Der Energiemix und Substitutionsmöglichkeiten in China sind demnach breit, mit dem zunehmenden Einsatz von Kohle und Biomasse als Puffer in Krisensituationen. Vor diesem Hintergrund wirkt sich ein Ausfall oder eine Verteuerung von Öl- und Gas durch den Nahost-Konflikt tendenziell weniger abrupt aus in China als auf stärker ölzentrierte Volkswirtschaften wie in Südostasien.

Für die chinesische Industrie ist damit weniger ein Versorgungsengpass ein Problem, auch absehbar daraus, dass der Industrieoutput im März 2026 gegenüber März 2025 um weitere 5,7% wuchs. Konkret gibt es bei Stahl, Aluminium, Zement, im Maschinenbau und in der Automotivindustrie keine Hinweise und Berichte auf Produktionsstopps oder größere Rückgänge. Diese Sektoren arbeiten normal weiter, weil die industrielle Stromversorgung stabil bleibt (Kohle + erneuerbare Energien), keine ölbedingten Stromausfälle aufgetreten sind und die die inländische Logistik funktionsfähig ist.

Bestimmte ölintensive Industriesektoren sind jedoch von steigenden Beschaffungspreisen betroffen, wie in der Petrochemie (Kunststoffe, Synthesefasern, Verpackungsmaterialien), Naphtha und LPG-Flüssiggas  - verwendet in der Chemie- und Werkstoffindustrie, Kraftstoffe für den Transport/Dieselkosten und Flugkerosin und die Preissteigerungen werden auch bei Exporten eingerechnet (10- 15% Preissteigerungen öfter genannt).

Reuters und Branchenquellen bestätigen, dass bestimmte chinesische petrochemische Anlagen ihre Produktion reduziert oder einzelne Einheiten stillgelegt haben, aufgrund unterbrochener Rohstoffzuflüsse aus dem Nahen Osten: Sinopec senkte den Raffineriedurchsatz im März 2026 um mehr als 10 % wegen Rohölknappheit (Economic Times), CNOOC–Shell Petrochemicals (Huizhou) plant die Stilllegung eines 1,2‑Mio.-Tonnen‑Steamcrackers aufgrund unterbrochener Naphtha‑Lieferungen (Economic Times),

Wanhua Chemical erklärte für Teile seiner Lieferungen höhere Gewalt (force majeure) infolge von Rohstoffengpässen (Economic Times; cms.law) und Zhejiang Petroleum & Chemical legte eine Rohöldestillationsanlage mit 200.000 bpd still und zog Wartungsarbeiten vor (cen.acs.org). Diese Stillstände sind rohstoffgetrieben, nicht Folge eines Nachfrageeinbruchs oder mangelnder Energieverfügbarkeit.

Ein Stabilitätsfaktor liegt in der Steuerung großer staatlicher Akteure. Der Ölkonzern PetroChina bezeichnete die direkten Auswirkungen des Konflikts auf Öl‑, Gas‑ und Chemielieferungen als begrenzt und verwies auf weitgehend normal laufende Betriebe. Rohstoffe, die über die Straße von Hormus transportiert werden, machten demnach nur rund zehn Prozent der Gesamtproduktion aus. Gleichzeitig verdeutlicht das Unternehmen, dass die Lage ernst genommen wird: Bereits im Vorjahr entwickelte Notfallpläne werden angewendet, Lieferketten für die Chemiesparte diversifiziert und spezifische Verwundbarkeiten adressiert – etwa mögliche Engpässe bei Naphtha als zentralem Vorprodukt für Ethylen.

Bei Konsumgüterfabriken haben einige kleine und mittlere, exportorientierte Betriebe, insbesondere in den Bereichen Kunststoffe, Fahrräder, Möbel und Haushaltsgeräte, ihre Produktion vorübergehend ausgesetzt. Die South China Morning Post (SCMP) berichtet von Produktionsunterbrechungen aufgrund von Aluminiumpreisen +~30 %, Logistikkosten +~15 % sowie der Unfähigkeit, steigende Kosten an ausländische Abnehmer weiterzugeben. Reuters meldete, dass bei einigen Konsumgüterherstellern auf der Canton Fair die Produktion halbiert oder pausiert wurde, weil die Margen stark eingebrochen sind. Diese Störungen sind wohl vorübergehend, lokal begrenzt und unternehmerische Entscheidungen und beruhen nicht auf staatlichen Anordnungen.

Hinzu kommt eine strategisch‑politische Dimension, die indirekt wirtschaftliche internationale Handlungsspielräume in Zukunft erweitern könnte. In chinesischen Analysen wird teilweise argumentiert, Peking könne von der Lage sogar begrenzt profitieren: Die USA verbrauchten militärische Ressourcen, der politische Westen verliere durch selektive Kritik an Glaubwürdigkeit, was Chinas diplomatische und auch wirtschaftliche Position im Globalen Süden stärke. Gleichzeitig kommt dazu, dass nun noch mehr Länder auf alternative Energiequellen wie Wind und Solar umstellen wollen, in welchen China die globale Marktführerschaft hat.

Konkrete Belastungspunkte für China

Trotz seiner vergleichsweise robusten Ausgangsposition trifft der Iran‑Konflikt China dort, wo strukturelle Importabhängigkeiten fortbestehen. 54 Prozent der chinesischen Ölimporte und etwa ein Drittel der LNG‑Bezüge stammen aus der betroffenen Golfregion. Ein direkter Ersatz ist wohl kaum möglich. Russland liefere derzeit 18 Prozent, Brasilien acht Prozent, Angola fünf Prozent und Kanada drei Prozent – Mengen, die die Lücke bei einem Ausfall der Golfimporte nur teilweise schließen könnten.Anhaltende Störungen schlagen daher über Preise, Transportkosten und Verfügbarkeit direkt auf die Realwirtschaft durch.

Verschärfend kommt hinzu, dass die Straße von Hormus zwar formal offen bleibt, sich aber viele Reeder, Ölgesellschaften und Versicherer zurückgezogen haben. Die Versicherungsprämien liegen auf einem Sechsjahreshoch, was die Passage wirtschaftlich unattraktiver macht. Da ein erheblicher Teil des globalen Ölhandels über diese Route läuft und Asiens größte Abnehmer zu den Hauptadressaten gehören, wirken sich selbst partielle Einschränkungen unmittelbar auf Importpreise sowie Industrie‑ und Logistikkosten aus. Der Substitutionsspielraum ist begrenzt: 2025 stammten 54 Prozent der chinesischen Rohölimporte aus der Golfregion, alternative Lieferquellen können nur einen Teil kompensieren.

Makroökonomisch zeigen sich die Effekte in steigenden Kosten: Die chinesischen Erzeugerpreise (PPI) stiegen im März 2026 erstmals seit über drei Jahren wieder im Jahresvergleich und legten um 0,5 Prozent zu – ein Hinweis auf zunehmenden Kostendruck im Zusammenhang mit der Nahostkrise.

Auch Verbraucher bleiben nicht verschont. Trotz der weit fortgeschrittenen Elektrifizierung des Pkw‑Bestands ist Öl im Alltag weiterhin relevant. Anfang April hob die Regierung die staatlich regulierten Preisobergrenzen für Benzin und Diesel erneut an (Benzin + 420 Yuan/Tonne, Diesel + 400 Yuan/Tonne), was sich konkret beim Tanken mit Mehrkosten von um die 30% bemerkbar macht. Gleichzeitig wurden stärkere Erhöhungen bewusst gedeckelt, um die inländische Belastung zu begrenzen. Die chinesische Inflationsrate betrug 2025 im Jahresdurchschnitt lediglich 0,8%.

Hinzu treten geopolitische Nebenrisiken aus der wirtschaftlichen Verflechtung mit Teheran. Ölimporte, Investitionen und Finanzbeziehungen erhöhen potenzielle Reputations‑ und Sanktionsrisiken für chinesische Unternehmen. Der externe Kosten‑ und Unsicherheitsschock trifft zudem die bereits angeschlagenen chinesische Binnenökonomie.

Politische Folgewirkungen: Beschleunigte Resilienz‑ und Abschottungstendenzen

Der Konflikt verstärkt wirtschaftspolitische Linien, die bereits angelegt sind. Der aktuelle 15. Fünfjahresplan (2026 – 2030) betont Versorgungssicherheit, resilientere Lieferketten und die Reduktion strategischer Abhängigkeiten. Parallel gewinnt der Aufbau eines „einheitlichen nationalen Marktes“ an Bedeutung, der interne Fragmentierung abbauen, Regeln vereinheitlichen und Skaleneffekte sowie Puffer gegenüber externen Schocks schaffen soll. In diesem Umfeld gewinnen auch protektionistische Elemente an Bedeutung.

Zu diesem Grundsatz passen die neuen chinesischen Regelungen zur Sicherheit der Lieferketten sowie zur extraterritorialen Anwendung ausländischer Gesetze. Am 7. und 13. April 2026 erließ der chinesische Staatsrat zwei weitreichende Verordnungen, die unmittelbar in Kraft traten, ohne Unternehmen eine Übergangsfrist einzuräumen. Die Verordnung zur Sicherheit der Industrie‑ und Lieferketten (Dekret Nr. 834) sowie die Verordnung zur Bekämpfung unzulässiger extraterritorialer Gerichtsbarkeit durch ausländische Staaten (Dekret Nr. 835) ergänzen sich systematisch zu einem Rechtsrahmen für mögliche Gegenmaßnahmen bei Verschärfungen ausländischer Beschränkungen, insbesondere gegenüber Lieferungen nach China. Mit beiden Verordnungen erweitert China seine rechtlichen Instrumente, um chinesische Unternehmen vor möglichen Eingriffen ausländischer Staaten zu schützen.

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