Zum Inhalt springen
Internet und Netzwerke Icons verknüpft mit einer Netzkarte in Gehirnform, im Hintergrund Personen sowie eine Großstadtlandschaft bei Nacht
© metamorworks | stock.adobe.com

Deutschlands 500 Mrd.-Infrastrukturpaket: Neue Chancen für österreichische Unternehmen

Inhalte, Zeitplan, Fokusbranchen und Vergabeverfahren des deutschen Sondervermögens und Deutschlandfonds im Überblick

Lesedauer: 5 Minuten

Deutschland

Überblick über das deutsche Infrastruktur‑Sondervermögen

Deutschland setzt mit dem Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität eine der größten Investitionsoffensiven seiner Geschichte um. Durch eine Grundgesetzänderung wurde 2025 die Grundlage geschaffen, über 500Mrd.EUR für zusätzliche kreditfinanzierte Investitionen bereitzustellen. Das Sondervermögen trat rückwirkend zum 1.Januar2025 in Kraft. Ziel ist die umfassende Modernisierung zentraler Infrastrukturen in Deutschland: Verkehr, Energie, Digitalisierung, Bildung, Gesundheit und kommunale Einrichtungen.

Ergänzend stellte die Bundesregierung im Dezember 2025 den Deutschlandfonds vor – ein Instrument zur Mobilisierung privater und kommunaler Investitionen. Er umfasst 30Mrd.EUR an Bundesmitteln, die Investitionen von rund 130Mrd.EUR auslösen sollen. Die Koordination übernimmt die KfW. Schwerpunkte liegen u. a. in Industrie, Mittelstand, Energieinfrastruktur, Deep Tech, KI, Biotech sowie in Bereichen, die zur Stärkung der Verteidigungsfähigkeit beitragen.

Aufbau des Sondervermögens und des Deutschlandfonds

Das Sondervermögen umfasst drei finanzielle Säulen:

  • 100Mrd.EUR für Länder und Kommunen (z. B. Straßen, Schiene, Tunnel, Bildungs- und Gesundheitsbauten),
  • 100Mrd.EUR in den Klima‑ und Transformationsfonds (Energie, Klimaneutralität, Digitalisierung),
  • 300Mrd.EUR für Investitionen des Bundes in Verkehr, Energie, Digitalisierung, Forschung und Wohnbau.

Viele dieser Projekte waren bereits geplant, konnten jedoch bisher mangels Finanzierung nicht umgesetzt werden. Das Sondervermögen ermöglicht nun ihre Realisierung auf Bundes‑, Landes‑ und Kommunalebene (Straßen- und Brückenbau, Schieneninfrastruktur, digitale Infrastruktur, Krankenhäuser, Kitas, Energie‑ und Zukunftstechnologieprojekte).

Chancen für österreichische Unternehmen

Österreichische Unternehmen können entlang vieler Teilbereiche profitieren. Besonders relevant sind:

Bau‑ und Infrastruktursektor

Straßen-, Brücken-, Tunnel- und Schienenbau, kommunale Bauvorhaben, Wasser- und Hochbau, Wohnbau.

Energie und Umwelttechnik

Erneuerbare Energien, Wärmenetze, Stromnetze, Energieeffizienzmaßnahmen sowie industrielle Energieinfrastruktur.

Digitalisierung und IT‑Dienstleistungen

Breitbandinfrastruktur, digitale Verwaltung, IT‑Services, Softwareentwicklung, KI‑basierte Lösungen.

Industrie, Produktion und Zukunftstechnologien

Neue Produktionsanlagen, Transformationsindustrie, Deep‑Tech, KI, Forschungseinrichtungen, Rohstoffgewinnung.

Gesundheits‑ und Bildungsinfrastruktur

Krankenhäuser, Kitas, Schulen, Forschungseinrichtungen und digitale Bildungsinfrastruktur.

Sicherheits‑ und verteidigungsnahe Infrastruktur

Ein zusätzlicher Schwerpunkt ergibt sich für Unternehmen im Bereich sicherheits‑ und verteidigungsnaher Infrastruktur. Im Rahmen des Deutschlandfonds werden Investitionen unterstützt, die zur Stärkung der sicherheitsrelevanten Fähigkeiten Deutschlands beitragen. Dazu gehören insbesondere:

  • Technologien und industrielle Anlagen mit Dual‑Use‑Charakter,
  • KI‑gestützte Analyse‑ und Sensorsysteme,
  • kritische Rohstoffe und Lieferketten,
  • industrielle Infrastrukturprojekte mit Sicherheitsbezug,
  • Zukunftstechnologien zur Stärkung der Resilienz.

Dieser Bereich eröffnet österreichischen Unternehmen zusätzliche Geschäftschancen entlang technologischer, industrieller und infrastruktureller Wertschöpfungsketten.

Zeitplan und Umsetzung

Die Mittel des Sondervermögens sind auf eine Laufzeit von zwölf Jahren ausgelegt (bis 2036). Erste große Investitionsprogramme starten verstärkt ab 2026, Ausschreibungen erfolgen fortlaufend. Wirtschaftliche Impulse durch das 500‑Mrd.-Paket werden ab 2026 erwartet.

Das Vergabebeschleunigungsgesetz (Entwurf vom 06.08.2025) soll im Frühjahr 2026 in Kraft treten. Es bringt vereinfachte Verfahren, digitale Vergabeschritte und erhöhte Wertgrenzen für Direktvergaben – ein Vorteil insbesondere für KMU.

Vergabeverfahren und Ausschreibungslogik

EU‑Schwellenwerte

  • Ausschreibungspflicht bei Erreichen der EU‑Schwellenwerte
  • Veröffentlichung über TED – Tenders Electronic Daily: http://ted.europa.eu.

Nationale Vergaben unterhalb der EU‑Schwellenwerte

  • Anwendung des deutschen Vergaberechts (Bund/Länder/Kommunen)
  • Bundesbehörden veröffentlichen verpflichtend auf www.bund.de
  • Länder nutzen jeweils eigene Vergabeportale (föderale Unterschiede)
  • Kommunen können frei wählen, veröffentlichen aber meist ebenfalls auf Landesplattformen

Wichtige Ausschreibungsplattformen

Österreichischen Unternehmen wird empfohlen, folgende Plattformen regelmäßig zu nutzen bzw. Suchprofile anzulegen:

  • zentrale Bundesplattformen für Ausschreibungen,
  • öffentliche Vergabeportale der Bundesländer,
  • kommunale elektronische Vergabeportale,
  • Projektvorschauen großer Infrastrukturdienstleister wie Bahn oder Autobahn GmbH,
  • zusätzlich professionelle Ausschreibungsdienste, die Projekte bündeln und aufbereiten.

Beispiele für zentrale Ausschreibungsplattformen

Zentraler Bekanntmachungsservice für Bund, Länder, Kommunen.

Neben Bundes-, Landes-, Kreis- und Kommunalbehörden informieren Flughäfen, Krankenhäuser, Forschungseinrichtungen sowie weitere Institutionen im Deutschen Ausschreibungsblatt – vormals Bundesausschreibungsblatt – über ihre Ausschreibungen oder Verkaufs- und Verpachtungsangebote. Es werden nationale sowie europaweite Ausschreibungen bekannt gegeben. Es ist eine Registrierung erforderlich.

Plattform für aktuelle öffentliche Ausschreibungen (Bau, IT, Reinigungsdienst, Fahrzeuge etc.) nach CPV-Codes, bundesweit und nach Regionen gefiltert.

Projekt‑ und Vergabevorschauen der Deutschen Bahn

Die nachstehenden Portale bündeln Ausschreibungen gegen Entgelt:

Diese Plattform veröffentlicht (laut eigenen Angaben) jährlich etwa 250.000 Auftragschancen, allein aus Deutschland. Zudem sammelt die Plattform Bekanntmachungen aus vielen öffentlichen Quellen und bereitet diese für Interessenten gezielt auf.

Diese Plattform hilft Unternehmen Aufträge zu finden, die genau zu ihren Leistungen passen.

Viele Plattformen bieten E‑Mail‑Benachrichtigungen, Filtermöglichkeiten und Suchprofile, um relevante Projekte zeitnah zu identifizieren.

Webinar: Chancen im deutschen Infrastrukturmarkt - Investitionen, Vergaberecht & praktische Wege zur Auftragsvergabe

Um österreichische Unternehmen bei der Orientierung im deutschen Infrastrukturmarkt bestmöglich zu unterstützen, bietet das AußenwirtschaftsCenter Berlin ein kompaktes Webinar an. Darin erhalten Sie einen präzisen Überblick über die wichtigsten Investitionsprogramme, den Aufbau des deutschen Sondervermögens sowie die zentralen Anforderungen des Vergaberechts. Expert:innen erläutern aktuelle Schwerpunkte, rechtliche Rahmenbedingungen und zeigen praxisnahe Wege auf, wie Unternehmen sich erfolgreich an öffentlichen Ausschreibungen beteiligen können.

Wann? 28. April 2026, 10:00–12:00 Uhr Wo? Online – Teilnahme bequem via Computer, Tablet oder Mobiltelefon Für wen? Unternehmen aller Branchen mit aktuellen oder geplanten Aktivitäten in Deutschland

Das Webinar vermittelt kompakte, anwendungsorientierte Informationen und unterstützt Sie dabei, Ihre Marktchancen im deutschen Infrastrukturumfeld gezielt zu nutzen. à Teilnahme jetzt vormerken.

Stand: 05.02.2016

Weitere interessante Artikel