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Deutschlands 500 Mrd.-Infrastrukturpaket: Neue Chancen für österreichische Unternehmen

Inhalte, Zeitplan, Fokusbranchen und Vergabeverfahren des deutschen Sondervermögens und Deutschlandfonds im Überblick

Lesedauer: 13 Minuten

Deutschland
Stand: 20.02.2016

Überblick über das deutsche Infrastruktur‑Sondervermögen

Deutschland setzt mit dem Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität eine der größten Investitionsoffensiven seiner Geschichte um. Durch eine Grundgesetzänderung wurde 2025 die Grundlage geschaffen, über 500Mrd. Euro für zusätzliche kreditfinanzierte Investitionen bereitzustellen. Das Sondervermögen trat rückwirkend zum 1.Januar2025 in Kraft. Ziel ist die umfassende Modernisierung zentraler Infrastrukturen in Deutschland: Verkehr, Energie, Digitalisierung, Bildung, Gesundheit und kommunale Einrichtungen.

Ergänzend stellte die Bundesregierung im Dezember 2025 den Deutschlandfonds vor – ein Instrument zur Mobilisierung privater und kommunaler Investitionen. Er umfasst 30Mrd.Euro an Bundesmitteln, die Investitionen von rund 130Mrd.Euro auslösen sollen. Die Koordination übernimmt die KfW. Schwerpunkte liegen u. a. in Industrie, Mittelstand, Energieinfrastruktur, Deep Tech, KI, Biotech sowie in Bereichen, die zur Stärkung der Verteidigungsfähigkeit beitragen.

Gesamtvolumen des Sondervermögens: 500 Mrd. Euro

  • 100Mrd.Euro für Länder und Kommunen (z. B. Straßen, Schiene, Tunnel, Bildungs- und Gesundheitsbauten),
  • 100Mrd.Euro in den Klima‑ und Transformationsfonds (Energie, Klimaneutralität, Digitalisierung),
  • 300Mrd.Euro für Investitionen des Bundes in Verkehr, Energie, Digitalisierung, Forschung und Wohnbau.

Viele dieser Projekte waren bereits geplant, konnten jedoch bisher mangels Finanzierung nicht umgesetzt werden. Das Sondervermögen ermöglicht nun ihre Realisierung auf Bundes‑, Landes‑ und Kommunalebene (Straßen- und Brückenbau, Schieneninfrastruktur, digitale Infrastruktur, Krankenhäuser, Kitas, Energie‑ und Zukunftstechnologieprojekte).

Weiterführende Informationen des Bundesministerium der Finanzen (BMF) 

Bundessäule, Länder und Kommunen und Klima und Transformationsfonds
© AußenwirtschaftsCenter Berlin 3 Säulen des Sondervermögens

Warum ein Sondervermögen?

Normalerweise sind Einnahmen und Ausgaben Teil des Bundeshaushalts, der der sogenannten Schuldenbremse unterliegt (Artikel 109 und 115 des Grundgesetzes). Dieser rechtliche Rahmen begrenzt kreditfinanzierte Ausgaben stark. Um einen jahrelangen Investitionsstau zu überwinden, haben Bundestag und Bundesrat im März 2025 mit einer Zweidrittelmehrheit eine Grundgesetzänderung beschlossen. Dadurch wurde ein Sondervermögen mit einer Kreditermächtigung von bis zu 500Mrd.Euro eingerichtet.

Dieses Sondervermögen ergänzt die regulären Investitionen des Bundes und kann zusätzliche Projekte finanzieren, die über die Kernhaushaltsmittel hinausgehen. Für 2026 plant der Bund einen weiteren Investitionshochlauf in Höhe von rund 120 Mrd. Euro, wobei 58 Mrd. Euro auf das Sondervermögen entfallen.

Die einzelnen Bereiche für die Ausgaben des Sondervermögens im Überblick:

  • Zivil- und Bevölkerungsschutz
  • Verkehrsinfrastruktur
  • Krankenhausinfrastruktur
  • Energieinfrastruktur
  • Bildungs-, Betreuungs- und Wissenschaftsinfrastruktur
  • Forschung und Entwicklung
  • Digitalisierung
  • Bauen und Wohnen
  • Sport

Aufbau des Sondervermögens und des Deutschlandfonds

Die Rahmenbedingungen für das Sondervermögen wurden in einem überparteilichen Konsens und in enger Abstimmung mit den Ländern vereinbart. Sie sind zum einen im Gesetz zur Errichtung eines Sondervermögens Infrastruktur und Klimaneutralität (SVIKG) und zum anderen im Gesetz zur Finanzierung von Infrastrukturinvestitionen von Ländern und Kommunen (Länder-und-Kommunal-Infrastrukturfinanzierungsgesetz – LuKIFG) geregelt.

Das Sondervermögen ist in drei klar abgegrenzte Säulen strukturiert:

1) Bundesinvestitionen – 300 Mrd. Euro (Bundessäule)

Die größte Säule dient der Finanzierung von direkten Bundesinvestitionen in wichtige Infrastruktur‑ und Zukunftsbereiche. Die Verwendung der Mittel wird jedes Jahr in einem sogenannten Wirtschaftsplan des Sondervermögens festgelegt, der als Anlage zum Bundeshaushaltsplan beschlossen wird.

Wirtschaftspläne 2025 und 2026

Für die Umsetzung der einzelnen Maßnahmen und die Verwendung der Gelder sind die jeweiligen Ministerien der Bundesregierung verantwortlich. Die Verfahren dafür sind unterschiedlich. Teilweise sind schon ganz konkrete Projekte vorgesehen, beispielsweise bei der Brücken- und Straßensanierung. Teilweise werden bestehende, erfolgreiche Programme ausgeweitet, wie beispielsweise das Förderprogramm „Jung kauft Alt“, das Familien mit Kindern oder Alleinerziehende unterstützt, die eine bestehende Wohnimmobilie kaufen und energieeffizient sanieren. Teilweise müssen neue Programme und Projekte initiiert werden.

Verkehr, Krankenhäuser. Energie, Bildung, Forschung & Entwicklung, Digitalisierung, Wohnungsneubau und Sportstätten
© AußenwirtschaftsCenter Berlin Investitionen der Bundessäule

Konkret finanziert werden u. a.:

Verkehrsinfrastruktur

  • Erhaltung und Sanierung von Brücken und Tunneln im Netz der Bundesfernstraßen
  • Ausstattung der Infrastruktur und von rollendem Material (z. B. Züge) mit modernem Sicherheitssystem (ERTMS – European Rail Traffic Management System)
  • Zuschüsse für die Erhaltung des Schienennetzes der Deutschen Bahn

Krankenhausinfrastruktur

  • Transformationskosten für Krankenhäuser
  • Transfers in den Transformationsfonds zur Weiterentwicklung medizinischer Einrichtungen

Energieinfrastruktur

  • Finanzierung von Energieimport‑ und Speicherinfrastruktur (z. B. FSRU – Floating Storage and Regasification Units)
  • Sicherstellung der Rohölversorgung über Pipelines
  • Ausbau klimaneutraler Wärmenetze

Bildungs‑ und Betreuungsinfrastruktur

  • Digitalpakt 2.0 (digitales Lehren und Lernen)
  • Investitionsprogramme für Kinderbetreuung

Digitalisierung

  • Ausbau der Breitband- und Glasfasernetze für Behörden, Schulen und öffentliche Einrichtungen
  • Aufbau moderner Rechenzentren und digitaler Verwaltungsplattformen
  • Förderung von IT-Sicherheit, digitalen Verwaltungsprozessen und Smart-City-Technologien

Forschung und Entwicklung

  • Aus‑ und Aufbau von Forschungs‑ und Wissenschaftsinfrastrukturen
  • Investitionen in Hightech‑Agenda, KI‑Forschung, digitale Dateninfrastruktur

Wohnungsbau und soziale Infrastruktur

  • Sozialer und klimafreundlicher Wohnungsneubau
  • Programme wie „Jung kauft Alt“ und Wohneigentumsförderung für Familien

Sportinfrastruktur

  • Sanierung kommunaler Sportstätten und Ausstattung von Spitzensportstätten

Die detaillierten Anteile dieser Projekte werden jährlich durch die jeweiligen Haushalts- und Wirtschaftsplananhänge geregelt, die auch öffentlich einsehbar sind.

Vereinfachte Übersicht aus den Wirtschaftsplänen 2025 und 2026

Ressort Zweckbestimmung Wirtschaftsplan 2025 Wirtschaftsplan 2026
in 1.000 Euro

Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur

Bundesministerium für Verkehr Erhaltung der Brücken und Tunnel im Bestandsnetz der Bundesfernstraßen 2.500.000 3.250.000
Bundesministerium für Verkehr Ausrüstung der deutschen Infrastruktur und von rollendem Material (Züge, Waggons) mit dem Europäischen Zugsicheungssystem ERTMS 1.592.586 2.450.256
Bundesministerium für Verkehr Baukostenzuschüsse für einen Infrastrukturbeitrag zur Erhaltung der Schienenwege der Eisenbahnen des Bundes 7.622.784 16.302.605

Investitionen in die Krankenhausinfrastruktur

Bundesministerium für Gesundheit Sofort-Transformationskosten Krankenhäuser 1.500.000 2.500.000
Bundesministerium für Gesundheit Zuweisung an den Transformationsfonds im Krankenhausbereich - 3.500.000

Investitionen in die Energieinfrastruktur

Bundesministerium für Wirtschaft und Energie Finanzierung der Deutschen Energy Terminal GmbH, der FSRU und FSRU-Standorte 829.610 575.000
Bundesministerium für Wirtschaft und Energie Maßnahmen zur Sicherung der Pipelinerohölversorgung der für die Versorgung von Nordostdeutschland mit Mineralölprodukten und Kraftstoffen essenziellen Erdölraffinerie PCK Schwedt 20.200 118.400
Bundesministerium für Wirtschaft und Energie Um- und Neubau klimaneutrale Wärmenetze - 1.398.000

Investitionen in die Bildungs- und Betreuungsinfrastruktur

Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend Digitalpakt 2.0: Digitales Lehren und Lernen - 50.000
Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend Digitalpakt 2.0: Digitale Bildungsinfrastruktur 0 225.000
Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend Investitionsprogramm Kinderbetreuung 0 940.000

Investitionen in die Forschung und Entwicklung

Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt Investitionen in die Hightech-Agenda - Strategischer Ausbau der Forschungs-Ökosysteme 398.029 380.102
Bundesministerium für Arbeit und Soziales Investitionen zu digitalen Technologien und KI-Forschung, -Umsetzung und -Transfer in den Arbeitswissenschaften 0 21.000
Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat Systematische Erfassung und Öffnung von Forschungsinfrastrukturen im Bereich Agrar-, Lebensmittel- und Ernährungswissenschaften 0 1.000
Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt Investitionen ins Forschungs- und Wissenschaftssystem - Strategischer Ausbau der Forschungs-Ökosysteme - 50.000
Bundesministerium für Arbeit und Soziales Strategisches Forschungsfeld Sozialpolitikforschung - Stärkung Forschungsinfrastruktur 0 5.600
Bundesministerium für Wirtschaft und Energie Digitale Infrastruktur für verteilte Datenverarbeitung und KI 0 10.000
Bundesministerium für Wirtschaft und Energie Investitionen in die Infrastruktur von gemeinnützigen Industrieforschungseinrichtungen 0 20.000
Bundesministerium für Wirtschaft und Energie Transferoffensive Energieinnovationen, Explorationsinitiative Geothermie 2.000 22.000
Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt Investitionen in die Hightech-Agenda - Aufbau von Infrastrukturen 72.000 368.000
Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt Investitionen in nationale Raumfahrtinfrastrukturen 0 50.000
Bundesministerium für Gesundheit Aufbau von KI-Reallaboren und souveräner Gesundheitsdateninfrastruktur 0 65.000
Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat Aufbau von Food Systems Research Hubs/Konsortien in Deutschland 0 2.000
Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt Investitionen ins Forschungs- und Wissenschaftssystem - Strategischer Ausbau der Infrastrukturen 0 15.200
Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt Bund-Länder-Initiative Forschungsbau und Schnellbauinitiative Hochschulen - 60.000

Investitionen in Digitalisierung

Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat Aufträge und Dienstleistungen im Bereich Informationstechnik 230 15.121
Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung Digitalisierung der Verwaltung: Europäisches Indentitätsökosystem / EUDI Wallet 131.000 162.000
Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung Digitalisierung der Verwaltung: Bürgerkonto / Infrastruktur 243.000 256.000
Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung Digitalisierung der Verwaltung: Modernisierung der Registerlandschaft 263.000 194.000
Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung Digitalisierung der Verwaltung: Transformation / Dienstleistungen im Bereich der Informationstechnik 45.000 45.000
Bundesministerium für Arbeit und Soziales Verwaltungsdigitalisierung 64.598 58.362
Bundesministerium der Finanzen Digitalisierung in der Bundesfinanzverwaltung - 193.585
Bundesministerium für Arbeit und Soziales Work-and-Stay-Agentur - 35.000
Bundesministerium der Finanzen Investitionen in die Digitalisierung der Bundesfinanzverwaltung - 93.097
Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung Unterstützung des Mobilfunkausbaus in den Grenzen der wettbewerblichen und regulatorischen Rahmenbedingungen 366.791 200.000
Bundesministerium für Wirtschaft und Energie Mikroelektronik für die Digitalisierung - 2.480.000
Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung Unterstützung des flächendeckenden Breitbandausbaus 2.928.604 2.255.241

Investitionen in den Wohnungsbau

Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen Zuschüsse für Investitionen "Barrierefreies und altersgerechtes Umbauen (AU)" - 7.500
Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen Klimafreundlicher Neubau im Niedrigpreissegment - Wohngebäude mit kleinen bis mittleren Einheiten (KNN) 20.000 35.828
Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen Klimafreundlicher Neubau (KFN) 243.606 383.009
Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen Gewerbe zu Wohnen (GzW) 180 7.240
Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen Wohneigentumsförderung für Familien (WEF) 37.722 41.235
Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen „Jung kauft Alt “ (JkA) 25.900 26.990
Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen Sanierung von Frauenhäusern - 30.000

Sportstätten

Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen Sanierung kommunaler Sportstätten 5.000 833.000
Bundeskanzleramt Zuwendungen für die Einrichtung und Ausstattung von Spitzensportstätten - 3.000

Quelle: Quelle:Bundesministerium der Finanzen

Weitere Details zum Mittelabfluss 2025

2) Länder und Kommunen – 100 Mrd. Euro

Diese Säule dient der direkten Stärkung der Infrastruktur auf Landes‑ und kommunaler Ebene. Sie wird durch das Länder‑ und Kommunal‑Infrastrukturfinanzierungsgesetz (LuKIFG) sowie eine dazugehörige Verwaltungsvereinbarung geregelt, die seit dem 11. Dezember 2025 in Kraft ist.

Verwendung der Mittel

Die Länder legen in eigener Zuständigkeit fest, wie sie ihre Mittel aus dem Sondervermögen einsetzen. Dazu gehören Investitionen in:

  • Zivil‑ und Bevölkerungsschutz
  • Verkehrsinfrastruktur
  • Krankenhaus‑, Rehabilitations‑ und Pflegeinfrastruktur
  • Bildungs‑ und Betreuungsinfrastruktur
  • Wissenschaftsinfrastruktur
  • Forschung und Entwicklung
  • Digitalisierung im kommunalen Bereich
3 Säulen mit Verteilung auf Bund, Länder und Klima und Transformationsfonds, Darunter Säulen mit Verteilung auf die Länder.
© AußenwirtschaftsCenter Berlin Verteilung Sondervermögen

Die Mittel werden bedarfsgerecht verteilt, oft auf Grundlage des sogenannten Königsteiner Schlüssels, der Steuerkraft und Einwohnerzahl berücksichtigt.

3) Klima‑ und Transformationsfonds – 100 Mrd. Euro

Der Klima‑ und Transformationsfonds (KTF) spielt eine zentrale Rolle bei der Umsetzung der energie‑ und klimapolitischen Ziele Deutschlands. Er wird mit Zusatzmitteln aus dem Sondervermögen gestärkt, um ambitionierte Klimaprojekte zu finanzieren.

Förderbereiche des KTF

  • Ausbau erneuerbarer Energien und Energieeffizienzprogramme
  • Transformation der Industrie zu klimaneutralen Produktionsprozessen
  • Förderung klimafreundlicher Mobilität
  • Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft
  • Natur- und internationaler Klimaschutz
  • Entlastung privater und gewerblicher Verbraucher bei Netzentgelten ab 2026

Der KTF verfügt über einen eigenen Wirtschaftsplan, der ebenfalls jährlich vom Gesetzgeber beschlossen wird.

Insgesamt werden die Titel von sieben verschiedenen Bundesministerien bewirtschaftet. Die genaue Aufschlüsselung ist dem Bundeshaushaltsplan 2025, Einzelplan 60, Allgemeine Finanzverwaltung, Anlage 3 Wirtschaftsplan des Klima- und Transformationsfonds [PDF, 2 MB] zu entnehmen. Alles über den Bundeshaushalt und alle Einzel- und Wirtschaftspläne der Sondervermögen zum Download findet man auf bundeshaushalt.de.

Wirtschaftlicher Effekt & Mittelverwendung

Im Jahr 2025 konnten Investitionsausgaben insgesamt im Vergleich zu 2024 um rund 17Prozent gesteigert werden, wovon etwa 24Mrd.Euro allein über das Sondervermögen entfielen. Für 2026 ist ein Investitionshochlauf auf rund 120Mrd.Euro geplant, darunter 58Mrd.Euro aus dem Sondervermögen.

Erfolgskontrolle & Wirkungssicherung

Um die Mittel zielgerichtet und wirkungsorientiert einzusetzen, sind Wirtschaftlichkeitsprüfungen und begleitende Evaluierungen vorgesehen. Ein Investitions‑ und Innovationsbeirat beim Bundesministerium der Finanzen unterstützt die Umsetzung und bewertet halbjährlich Fortschritte.

Zusätzlichkeit des Sondervermögens

Die Investitionen aus dem Sondervermögen gelten nur dann als „zusätzlich“, wenn der Kernhaushalt bereits eine Investitionsquote von mindestens 10 Prozent erreicht. Dadurch soll sichergestellt werden, dass die neuen Mittel tatsächlich zusätzlich und nicht als Ersatz für bestehende Ausgaben verwendet werden.

Kreditaufnahme und Finanzierung

Das Sondervermögen wird kreditfinanziert: Der Bund hat die Ermächtigung, Kredite von insgesamt 500Mrd.Euro aufzunehmen. Die Zinskosten werden aus dem Bundeshaushalt getragen. Die Rückzahlung der Kredite soll spätestens ab dem 1. Januar 2044 beginnen. Die Kreditaufnahme wird von der Bundesrepublik Deutschland – Finanzagentur GmbH gesteuert.

Chancen für österreichische Unternehmen

Österreichische Unternehmen können entlang vieler Teilbereiche profitieren. Besonders relevant sind:

Bau‑ und Infrastruktursektor

Straßen-, Brücken-, Tunnel- und Schienenbau, kommunale Bauvorhaben, Wasser- und Hochbau, Wohnbau.

Energie und Umwelttechnik

Erneuerbare Energien, Wärmenetze, Stromnetze, Energieeffizienzmaßnahmen sowie industrielle Energieinfrastruktur.

Digitalisierung und IT‑Dienstleistungen

Breitbandinfrastruktur, digitale Verwaltung, IT‑Services, Softwareentwicklung, KI‑basierte Lösungen.

Industrie, Produktion und Zukunftstechnologien

Neue Produktionsanlagen, Transformationsindustrie, Deep‑Tech, KI, Forschungseinrichtungen, Rohstoffgewinnung.

Gesundheits‑ und Bildungsinfrastruktur

Krankenhäuser, Kitas, Schulen, Forschungseinrichtungen und digitale Bildungsinfrastruktur.

Sicherheits‑ und verteidigungsnahe Infrastruktur

Ein zusätzlicher Schwerpunkt ergibt sich für Unternehmen im Bereich sicherheits‑ und verteidigungsnaher Infrastruktur. Im Rahmen des Deutschlandfonds werden Investitionen unterstützt, die zur Stärkung der sicherheitsrelevanten Fähigkeiten Deutschlands beitragen. Dazu gehören insbesondere:

  • Technologien und industrielle Anlagen mit Dual‑Use‑Charakter,
  • KI‑gestützte Analyse‑ und Sensorsysteme,
  • kritische Rohstoffe und Lieferketten,
  • industrielle Infrastrukturprojekte mit Sicherheitsbezug,
  • Zukunftstechnologien zur Stärkung der Resilienz.

Dieser Bereich eröffnet österreichischen Unternehmen zusätzliche Geschäftschancen entlang technologischer, industrieller und infrastruktureller Wertschöpfungsketten.

Zeitplan und Umsetzung

Die Mittel des Sondervermögens sind auf eine Laufzeit von zwölf Jahren ausgelegt (bis 2036). Erste große Investitionsprogramme starten verstärkt ab 2026, Ausschreibungen erfolgen fortlaufend. Wirtschaftliche Impulse durch das 500‑Mrd.-Paket werden ab 2026 erwartet.

Das Vergabebeschleunigungsgesetz (Entwurf vom 06.08.2025) soll im Frühjahr 2026 in Kraft treten. Es bringt vereinfachte Verfahren, digitale Vergabeschritte und erhöhte Wertgrenzen für Direktvergaben – ein Vorteil insbesondere für KMU.

Vergabeverfahren und Ausschreibungslogik

EU‑Schwellenwerte

  • Ausschreibungspflicht bei Erreichen der EU‑Schwellenwerte
  • Veröffentlichung über TED – Tenders Electronic Daily: ted.europa.eu.

Nationale Vergaben unterhalb der EU‑Schwellenwerte

  • Anwendung des deutschen Vergaberechts (Bund/Länder/Kommunen)
  • Bundesbehörden veröffentlichen verpflichtend auf www.bund.de
  • Länder nutzen jeweils eigene Vergabeportale (föderale Unterschiede)
  • Kommunen können frei wählen, veröffentlichen aber meist ebenfalls auf Landesplattformen

Wichtige Ausschreibungsplattformen

Österreichischen Unternehmen wird empfohlen, folgende Plattformen regelmäßig zu nutzen bzw. Suchprofile anzulegen:

  • zentrale Bundesplattformen für Ausschreibungen,
  • öffentliche Vergabeportale der Bundesländer,
  • kommunale elektronische Vergabeportale,
  • Projektvorschauen großer Infrastrukturdienstleister wie Bahn oder Autobahn GmbH,
  • zusätzlich professionelle Ausschreibungsdienste, die Projekte bündeln und aufbereiten.

Beispiele für zentrale Ausschreibungsplattformen

Zentraler Bekanntmachungsservice für Bund, Länder, Kommunen.

Neben Bundes-, Landes-, Kreis- und Kommunalbehörden informieren Flughäfen, Krankenhäuser, Forschungseinrichtungen sowie weitere Institutionen im Deutschen Ausschreibungsblatt – vormals Bundesausschreibungsblatt – über ihre Ausschreibungen oder Verkaufs- und Verpachtungsangebote. Es werden nationale sowie europaweite Ausschreibungen bekannt gegeben. Es ist eine Registrierung erforderlich.

Plattform für aktuelle öffentliche Ausschreibungen (Bau, IT, Reinigungsdienst, Fahrzeuge etc.) nach CPV-Codes, bundesweit und nach Regionen gefiltert.

Projekt‑ und Vergabevorschauen der Deutschen Bahn

Die nachstehenden Portale bündeln Ausschreibungen gegen Entgelt:

Diese Plattform veröffentlicht (laut eigenen Angaben) jährlich etwa 250.000 Auftragschancen, allein aus Deutschland. Zudem sammelt die Plattform Bekanntmachungen aus vielen öffentlichen Quellen und bereitet diese für Interessenten gezielt auf.

Diese Plattform hilft Unternehmen Aufträge zu finden, die genau zu ihren Leistungen passen.

Viele Plattformen bieten E‑Mail‑Benachrichtigungen, Filtermöglichkeiten und Suchprofile, um relevante Projekte zeitnah zu identifizieren.

Webinar: Chancen im deutschen Infrastrukturmarkt - Investitionen, Vergaberecht & praktische Wege zur Auftragsvergabe

Um österreichische Unternehmen bei der Orientierung im deutschen Infrastrukturmarkt bestmöglich zu unterstützen, bietet das AußenwirtschaftsCenter Berlin ein kompaktes Webinar an. Darin erhalten Sie einen präzisen Überblick über die wichtigsten Investitionsprogramme, den Aufbau des deutschen Sondervermögens sowie die zentralen Anforderungen des Vergaberechts. Expert:innen erläutern aktuelle Schwerpunkte, rechtliche Rahmenbedingungen und zeigen praxisnahe Wege auf, wie Unternehmen sich erfolgreich an öffentlichen Ausschreibungen beteiligen können.

Wann? 20. Mai 2026, 10:00–12:30 Uhr

Wo? Online – Teilnahme bequem via Computer, Tablet oder Mobiltelefon

Für wen? Unternehmen aller Branchen mit aktuellen oder geplanten Aktivitäten in Deutschland

Teilnahme jetzt vormerken

Das Webinar vermittelt kompakte, anwendungsorientierte Informationen und unterstützt Sie dabei, Ihre Marktchancen im deutschen Infrastrukturumfeld gezielt zu nutzen. 

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