Hongkong stärkt seine Rolle als internationales Finanzzentrum
Neue Maßnahmen zur Internationalisierung des Renminbi stärken Hongkongs Finanzplatz und eröffnen zusätzliche Geschäftschancen.
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Die Börse Hongkongs nimmt eine zentrale Rolle in der globalen Finanzlandschaft ein. Sie ist nicht nur die drittgrößte Börse der Welt nach New York und London, sondern auch die erste in Asien für Investmentfonds und Finanzströme. Die asiatischen Banken, insbesondere jene in Hongkong, haben von den flexiblen regulatorischen Rahmenbedingungen profitiert und neue Finanzprodukte sowie Dienstleistungen entwickelt. Ihre Fähigkeit, ausländische Kapitalströme anzuziehen, komplexe Finanzprodukte anzubieten und erhebliche grenzüberschreitende Ströme zu verwalten, verleiht ihnen eine strategische Bedeutung im globalen Spiel. Die Stabilität des Hongkong-Dollars, zusammen mit einer effektiven Regulierung, macht es zu einem attraktiven Umfeld für vielfältige Investitionen, sei es in Aktien, Anleihen oder spezialisierte Fonds.
Vor diesem Hintergrund möchte Hongkong nun seine Position als internationales Finanzzentrum und als wichtigstes Offshore-Renminbi-(RMB)-Zentrum weiter stärken. Finanzminister Paul Chan Mo-po kündigte im Juni an, dass bereits nächsten Monat die neuen Maßnahmen zur Stärkung Hongkongs Rolle als Offshore-Zentrum für chinesische Yuan bekannt gegeben werden. Ziel ist es, die internationale Verwendung der chinesischen Währung Renminbi (RMB), oft auch als Yuan bezeichnet, zu erhöhen.
Viele Kritiker sehen in Hongkongs Finanzmarkt eine zu starke Abhängigkeit von Börsengängen (Initial Public Offerings, IPOs) chinesischer Festlandunternehmen. Der Finanzminister bestreitet dies und meint es sei eher eine Stärke, dass die Stadt als Tor für solche Auslandsexpansionen diene.
Hongkong kommt dabei eine besondere Rolle zu. Die Stadt verfügt nämlich über den weltweit größten Offshore-RMB-Markt und dient als Bindeglied zwischen dem chinesischen Festland und den internationalen Finanzmärkten. Hongkong nutzt diese Rolle und treibt konkrete Initiativen voran, um den Offshore-RMB-Markt zu fördern und die Konnektivität zwischen dem chinesischen Festland und dem Finanzmarkt Hongkongs zu verbessern.
Diese Förderung der Internationalisierung des RMB ist eine zentrale politische Initiative im Rahmen des 15. Fünfjahresplans von China. China hat mit der RMB-Internationalisierung das Ziel, die eigene Abhängigkeit vom US-Dollar zu verringern und seinen Einfluss auf Handel und Finanzwesen zu vergrößern.
Laut Chan sollen die geplanten Maßnahmen vor allem das Angebot an RMB-Investitionsprodukten erweitern. Ziel ist es, Investoren mehr Möglichkeiten zu bieten, ihr Kapital direkt in RMB anzulegen. Chan nannte auch das „Hong Kong dollar-yuan dual-counter model“ als Beispiel, das es Investoren ermöglicht, die Aktien eines börsennotierten Unternehmens sowohl in Hongkong-Dollar als auch in RMB zu handeln. Aktuell nehmen 23 in Hongkong gelistete Unternehmen am Dual-Counter-Modell teil.
Anfang Juli kündigten die chinesische Zentralbank (PBOC), die Hong Kong Monetary Authority (HKMA) und die Securities and Futures Commission (SFC) weitere Maßnahmen zur Förderung des Offshore-RMB-Marktes an. Diese umfassen unter anderem die Bereitstellung zusätzlicher RMB-Liquidität, den Ausbau RMB-denominierter Vermögenswerte sowie eine stärkere Vernetzung der Finanzmärkte Hongkongs und des chinesischen Festlands.
Was bedeutet das nun für Investoren und österreichische Firmen? Analysten glauben, dass unter dem Einfluss der Federal Reserve auf höhere Zinssätze immer mehr multinationale Konzerne und Unternehmen aus Schwellenländern versuchen, das RMB als Handelsfinanzierungswährung zu verwenden. Im Vergleich dazu sind die Schwankungen der RMB-Wechselkurse relativ stabil und die Finanzierungszinsen deutlich niedriger als die des Dollars. Experten gehen davon aus, dass der RMB künftig eine größere Rolle im internationalen Handel spielen wird. Für österreichische Unternehmen könnte dies langfristig mehr Möglichkeiten für Geschäfte, Finanzierungen und Investitionen in chinesischer Währung schaffen.
Parallel dazu prüfen die Behörden in Hongkong und auf dem chinesischen Festland eine Weiterentwicklung des Cross-boundary Wealth Management Connect. Dieses ermöglicht Bewohnern Hongkongs, Macaus sowie 9 Städten von Guangdong in der Greater Bay Area grenzüberschreitende Investitionen in ausgewählte Finanzprodukte. Diskutiert werden derzeit eine Ausweitung des Teilnehmerkreises, zusätzliche Anlageprodukte sowie eine erleichterte Teilnahme an Börsengängen auf der jeweils anderen Seite der Grenze.
Die aktuellen Initiativen zeigen, dass Hongkong seine Rolle als internationale Finanzdrehscheibe weiter ausbauen möchte.
Für österreichische Unternehmen bleibt die Stadt ein wichtiger Zugangspunkt zum chinesischen Markt und zur Greater Bay Area.
Neben den Entwicklungen im Finanzsektor setzt die Regierung verstärkt auf die Entwicklung der Northern Metropolis. Im Rahmen des Projekts sollen Maßnahmen den grenzüberschreitenden Fluss von Daten, Materialien und Kapital erleichtern. Erste Pilotprojekte sollen bereits in der Hetao Shenzhen-Hong Kong Science and Technology Innovation Cooperation Zone umgesetzt werden und könnten später auf weitere Teile der Northern Metropolis ausgeweitet werden. Die Maßnahmen sollen die Zusammenarbeit zwischen Hongkong und Shenzhen im Bereich Innovation und Technologie weiter fördern.
Besonders die zunehmende Internationalisierung des RMB sowie neue grenzüberschreitende Investitionsmöglichkeiten könnten in Zukunft zusätzliche Chancen für Unternehmen und Investoren schaffen.