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Seitliche Aufnahme einer Person in einem weißen Kittel, mit Stethoskop und mit Tablet in der Hand, auf das sie blickt. Im Hintergrund geht eine Person in blauer Kleidung sowie packt eine andere Person einen Koffer aus
© Martin Barraud/Caia Image | stock.adobe.com

Italien: Gesundheitssystem

Entwicklungen, Reformschwerpunkte, Wachstum

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Italien San Marino Vatikan Gesundheitssystem & Einrichtungen Life Science & Pharma Medizintechnik & Laborbedarf
14.07.2026

Entwicklungen und Reformschwerpunkte

Italien steht vor einer umfassenden Modernisierung des Gesundheitswesens. Die Krankenhauskapazitäten sind seit 1998 deutlich gesunken: von 5,8 Betten pro 1.000 Einwohner auf 3,1 im Jahr 2022. Die Zahl der Krankenhäuser verringerte sich von rund 800 auf etwa 500. Auch beim Personal liegt Italien mit 97,4 Beschäftigten pro 10.000 Einwohner unter dem europäischen Durchschnitt.

Die öffentlichen Gesundheitsausgaben betragen etwa 6,3 % des BIP, was unter dem EU-Mittel liegt. Fachberichte schätzen einen zusätzlichen Finanzierungsbedarf von rund 40Mrd. Euro, um die Versorgung langfristig sicherzustellen. 

Regionale Unterschiede 

Die Teilnahme an Präventionsprogrammen variiert stark: In Friaul-Julisch Venetien nehmen rund 65 % der Bevölkerung an Screening-Programmen teil, in Kalabrien nur etwa 8,5 %. Diese Unterschiede werden regelmäßig im LEA-Monitoring (gesetzlich definierte Mindeststandards der Gesundheitsversorgung) des Gesundheitsministeriums dokumentiert. 

Digitalisierung und Interoperabilität 

Ein zentrales Reformprojekt ist das Fascicolo Sanitario Elettronico 2.0 (FSE), die nationale elektronische Patientenakte (siehe Italienisches Gesundheitsministerium – FSE 2.0). Sie soll bis 2026 flächendeckend verfügbar sein und Funktionen wie Patient Summary, ePrescription und Telemedizin-Plattformen umfassen. Die Umsetzung erfolgt im Rahmen des PNRR (Piano Nazionale di Ripresa e Resilienza – italienischer Aufbau- und Resilienzplan im Rahmen von NextGenerationEU).

Klinische Forschung und neue Modelle 

Die italienische Arzneimittelbehörde AIFA (Agenzia Italiana del Farmaco) regelt erstmals den Einsatz von dezentralisierten klinischen Studien (DCT) in Italien. Vorgesehen sind u. a. Tele-Consent, Home-Delivery von Prüfpräparaten und digitale Monitoring-Tools. 

PNRR und territoriale Versorgung 

Das PNRR sieht den Aufbau von Case della Comunità (Community Health Houses neue Versorgungszentren für wohnortnahe Betreuung im Rahmen des PNRR) vor. Bis 2026 sollen über 1.200 Einrichtungen entstehen, um wohnortnahe Versorgung und Prävention zu stärken. 

Industrieprofil 

  • Pharmaindustrie: Produktionswert 2024 rund 56Milliarden Euro, davon 90% Export. Italien ist nach Deutschland der zweitgrößte Pharmaexporteur Europas. Farmindustria – Indicatori 2025
  • Medizintechnik: Laut Confindustria Dispositivi Medici umfasst der Sektor etwa 4.648 Unternehmen und 130.520 Beschäftigte, mit starker Präsenz in Norditalien. Confindustria DM – Settore in numeri 560 Unternehmen und 17.000 Beschäftigten allein im Veneto. 

Fazit 

Italien kombiniert eine starke industrielle Basis mit einem hohen Modernisierungsbedarf im Gesundheitswesen. Die Reformen betreffen vor allem digitale Infrastruktur, Medizintechnik, Pharmaexporte und neue Versorgungsmodelle. Der demografische Wandel – mit 38 % der über 65-Jährigen, die an chronischen Erkrankungen leiden – erhöht den Druck auf das System.

Projekte wie das Fascicolo Sanitario Elettronico 2.0, die Umsetzung des PNRR und neue Ansätze wie dezentrale klinische Studien zeigen den Fokus auf Digitalisierung und Interoperabilität. Gleichzeitig verdeutlichen Pilotprojekte, etwa KI-gestützte Molekülentdeckungen oder Telemedizin-Programme, das Potenzial innovativer Lösungen. Themen wie Datenschutz, Cyber-Security und digitale Infrastruktur bleiben zentrale Herausforderungen für die kommenden Jahre. 

Für weitere Informationen zum Health-Sektor ist das AußenwirtschafsBüro Padua gerne für Sie da.


Italienischer Gesundheitsmarkt wächst: Veneto als Vorreiter bei Qualität und Innovation

Die Region Veneto wurde im aktuellen Ranking des italienischen Gesundheitsministeriums mit 288 von 300 Punkten als bestes Gesundheitssystem Italiens bewertet. Bewertet werden unter anderem die Qualität der Krankenhausversorgung, die wohnortnahe medizinische Betreuung sowie Maßnahmen im Bereich Prävention.

Die Auszeichnung unterstreicht die hohe Leistungsfähigkeit des Gesundheitssektors in einer der wirtschaftsstärksten Regionen Italiens. Gleichzeitig steht Veneto – wie ganz Italien – vor den Herausforderungen einer alternden Bevölkerung. Der demografische Wandel führt zu einer steigenden Zahl älterer Menschen mit erhöhtem Pflege- und Betreuungsbedarf. Aktuell warten in Veneto rund 11.000 Personen auf einen Platz in einer Pflegeeinrichtung (RSA), davon etwa 5.000 in besonders dringenden Fällen. Prognosen zufolge wird sich die Zahl der über 80-Jährigen bis 2050 verdoppeln, während jede dritte Person älter als 65 Jahre sein wird.

Laut OECD weist Italien eine Lebenserwartung von 83,5 Jahren auf und liegt damit über dem OECD-Durchschnitt. Gleichzeitig liegt die Zahl der durch Prävention oder medizinische Versorgung vermeidbaren Todesfälle mit 145 je 100.000 Einwohnern deutlich unter dem OECD-Durchschnitt von 222. Trotz Gesundheitsausgaben von 8,4 % des BIP erzielt das italienische Gesundheitssystem damit überdurchschnittliche Ergebnisse und investiert verstärkt in die Modernisierung von Gesundheits- und Pflegeleistungen.

Geschäftschancen für Unternehmen im Gesundheits- und Pflegesektor

Vor dem Hintergrund der demografischen Alterung und des steigenden Pflegebedarfs ergeben sich insbesondere in den Bereichen Medizintechnik, digitale Gesundheitslösungen, Telemedizin, Pflege- und Betreuungstechnologien, Ausstattung von Pflegeeinrichtungen sowie altersgerechte Wohn- und Versorgungskonzepte interessante Geschäftsmöglichkeiten für österreichische Unternehmen. Auch Präventionsangebote gewinnen zunehmend an Bedeutung, da die regionale Gesundheitspolitik verstärkt auf Vorsorge und gesundes Altern setzt.

Nähere Informationen zum Gesundheitssektor erhalten Sie beim AußenwirtschaftsBüro Padua.

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