Marokko: Fußball-WM 2030 beflügelt Infrastruktur- und Investitionsoffensive
Großprojekte, Tourismusboom und Infrastrukturmaßnahmen eröffnen neue Chancen für österreichische Unternehmen
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Marokkos ambitionierte Investitionsstrategie im Infrastrukturbereich erhält durch die Vorbereitungen zur Fußball-Weltmeisterschaft 2030 zusätzlichen Auftrieb. Bereits seit Jahren verfolgt das Land eine konsequente Modernisierungsagenda, die nun durch internationale Aufmerksamkeit, steigende Besucherzahlen und gezielte Großprojekte weiter beschleunigt wird. Mit attraktiven Förderinstrumenten und verbesserten Rahmenbedingungen positioniert sich Marokko zunehmend als Standort für internationale Investitionen.
Tourismus und Stadtentwicklung
Der Tourismussektor entwickelt sich weiterhin dynamisch und gilt als zentraler Wachstumstreiber. Im Jahr 2025 erreichte Marokko mit 19,8 Millionen Touristen einen neuen Rekord. Vor diesem Hintergrund verfolgt das Land das Ziel, bis 2030 rund 26 Millionen Besucher zu empfangen.
Um dieses Wachstum zu bewältigen, investiert Marokko umfassend in neue Hotelkapazitäten, Freizeitangebote und urbane Infrastruktur. Die im Zusammenhang mit der WM geplanten Investitionen werden auf über 50 Milliarden Dirham geschätzt und umfassen neben der Hotellerie insbesondere Sport-, Verkehrs- und Stadtentwicklungsprojekte.
Ein Schwerpunkt liegt auf der Modernisierung und dem Ausbau der Stadien: Während Anlagen in Tanger, Fès, Marrakesch und Agadir umfassend renoviert werden, wurde das Moulay-Abdellah-Stadion in Rabat neu aufgebaut. Gleichzeitig entsteht mit dem Grand Stade Hassan II bei Casablanca ein neues Großstadion mit rund 115.000 Plätzen. Diese Projekte werden durch Maßnahmen zur Stadtaufwertung, neue Freizeitangebote sowie nachhaltige Infrastruktur ergänzt.
Im Bereich der Tourismusinfrastruktur bestehen darüber hinaus weiterhin umfangreiche Investitions- und Beteiligungsmöglichkeiten. Die Entwicklung von Hotels, Resorts, Freizeitangeboten und Ökotourismusprojekten in Marokko vielfach investorengetrieben und in mehreren Phasen. Zahlreiche Vorhaben – darunter neue Hotelkapazitäten, Freizeit- und Entertainmentprojekte sowie integrierte Tourismuszonen – befinden sich aktuell in der Planungs- oder Umsetzungsphase und sind noch nicht vollständig vergeben. Für internationale Unternehmen ergeben sich dadurch konkrete Einstiegschancen, insbesondere in den Bereichen Hotellerie, Freizeitwirtschaft, nachhaltige Tourismuslösungen und digitale Services.
Transport: Mobilität der Zukunft
Auch der Mobilitätssektor wird massiv ausgebaut. Das staatliche Bahnunternehmen ONCF treibt ein umfassendes Investitionsprogramm im Umfang von rund 96 Milliarden Dirham voran. Das Hauptprojekt umfasst die Erweiterung der Hochgeschwindigkeitsstrecke „Al Boraq“ von Kénitra bis Marrakesch über eine Distanz von rund 430 Kilometern. Neben der Hochgeschwindigkeitsverbindung ist die Beschaffung von 168 neuen Zügen vorgesehen, um sowohl den Fern- als auch den Regionalverkehr auszubauen. Ziel ist eine deutlich verbesserte Konnektivität zwischen den wichtigsten Wirtschafts- und Tourismuszentren. Parallel dazu werden Straßen- und Autobahnanbindungen zu zentralen Infrastrukturprojekten und Austragungsorten gezielt erweitert. Ergänzend gewinnen intelligente Verkehrssysteme sowie E-Mobilitätslösungen zunehmend an Bedeutung.
Luftverkehr und internationale Anbindung
Auch im Luftverkehr werden die Kapazitäten deutlich erhöht. Am internationalen Flughafen Casablanca entsteht ein neuer Terminal mit einem Investitionsvolumen von rund 15 Milliarden Dirham, der zusätzliche 20 Millionen Passagiere pro Jahr abfertigen soll. Damit wird die Gesamtkapazität auf etwa 35 Millionen Passagiere jährlich steigen.
Die nationale Fluggesellschaft Royal Air Maroc plant zudem eine massive Flottenerweiterung auf bis zu 200 Flugzeuge bis 2037. Erste Auslieferungen werden ab 2028 erwartet. Parallel dazu wird das Streckennetz insbesondere in Richtung Europa und Afrika weiter ausgebaut.
Projektvergabe und Ausschreibungen
Ein Teil der Großprojekte ist bereits vergeben – darunter zentrale Lose des Grand Stade Hassan II, der neue Terminal des Flughafens Casablanca sowie die Beschaffung von 168 Zügen durch das Bahnunternehmen ONCF. Gleichzeitig laufen weitere Ausschreibungen, insbesondere für zusätzliche Stadionlose, die Rehabilitierung des Grand Stade de Marrakech sowie für Straßenanbindungen und Teile der neuen Schieneninfrastruktur.
Zurzeit sind weitere Ausschreibungen in den Bereichen technische Gebäudeausrüstung, Verkehrssysteme, Sicherheit, Digitalisierung sowie nachhaltige Energie- und Umweltlösungen in der Pipeline. Insbesondere bei spezialisierten Gewerken und technologischen Lösungen bestehen weiterhin Markteintrittschancen für internationale Anbieter.
Das AußenwirtschaftsCenter Casablanca unterstützt interessierte Unternehmen dabei, passende Projekte zu identifizieren und stellt den Kontakt zu den relevanten Institutionen und Ansprechpartnern vor Ort her. Die zu diesem Thema passende Wirtschaftsmission findet vom 19.-22. Mai statt. Interessierte Unternehmen können sich jedoch jederzeit diesbezüglich beim AussenwirtschaftsCenter melden, da es sich um fortlaufende Projekte handelt.