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Zwei Personen mit Schutzhelmen spazieren durch Anlage mit Solarpaneelen, im Hintergrund Windräder
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Marokkos industrielle Dynamik: von Nearshoring bis hin zu nachhaltiger Transformation

Marokko positioniert sich als nachhaltiger Industrie- und Logistikstandort vor Europas Haustür – vielfältige Chancen für österreichische Unternehmen in Automobil, Energie, Infrastruktur und digitale Services

Lesedauer: 3 Minuten

Marokko Energiewirtschaft Automotive Elektro/Elektronik/Mechatronik
07.01.2026

Marokko hat sich in den letzten Jahren als einer der führenden Industrie- und Logistikstandorte Afrikas etabliert – mit einer klaren Vision: ein nachhaltiger, wettbewerbsfähiger Produktionshub an der Schnittstelle zwischen Europa und Afrika zu werden.

Für österreichische Unternehmen eröffnet sich dadurch ein vielversprechendes Investitionsumfeld, insbesondere in den Bereichen Automobil, Energie, Infrastruktur und digitale Services

Strategische Lage, qualifizierte Arbeitskräfte und Kosteneffizienz zählen längst nicht mehr zu den einzigen Vorteilen, die Marokko internationalen Investoren bietet. Durch gezielte Incentive-Programme für ausländische Unternehmen, eine präferenzielle Steuerstruktur, Industrie- und Zollfreizonen sowie den Aufbau spezialisierter Wirtschaftscluster rund um den größten Hafen Afrikas, Tanger Med, und den sich im Ausbau befindlichen Hafen Nador West Med, entwickelt sich das Land zunehmend zu einem verlässlichen, wettbewerbsfähigen und kosteneffizienten Partner für europäische Wertschöpfungsketten.

Letzterer (Nador West Med) entwickelt sich zunehmend zu einem strategischen Hebel für die industrielle und energetische Transformation des Landes. Neben der geplanten Ansiedlung von Produktionskapazitäten für Elektrofahrzeuge soll sich der Standort auch als zentraler Knotenpunkt des Energiesektors etablieren. Vorgesehen ist insbesondere die Planung und der Bau eines nationalen Gasleitungsnetzes, das den Hafen sowohl an die Maghreb-Europa-Gaspipeline als auch an die wichtigsten Industriezentren in Mohammedia und Kénitra anbinden soll.

Parallel dazu treibt die marokkanische Regierung mit hoher Priorität den Ausbau weiterer Industriezweige voran. Ein zentraler Schwerpunkt liegt auf dem Aufbau von Kapazitäten zur Montage von Bahn- und Schienentechnik im Hochgeschwindigkeitsbereich sowie der Ausbau der Hafen- und Werften-Infrastruktur. Als zeitlicher Referenzpunkt für die Umsetzung gilt der Startschuss für die Fußball-Weltmeisterschaft 2030, bei der Marokko gemeinsam mit Spanien und Portugal Gastgeber sein wird. 

Viele der neuen Infrastrukturmaßnahmen sehen Local-Content Klauseln vor, wie auch die Arbeiten rund um den Ausbau der Eisenbahnstrecke, die abzielt Teile der Bahn- und Schienentechnik im Land zu montieren. Im Automobilbereich beträgt der lokale Integrationsgrad bereits 69%-Tendenz steigend.

Darüber hinaus positioniert sich Marokko zunehmend als attraktiver Standort für IT- und Technologie-Dienstleistungen. Ein wachsender Pool an zweisprachigen Ingenieurinnen und Ingenieuren (Französisch/Englisch), wettbewerbsfähige Kostenstrukturen und ein stabiles wirtschaftliches Umfeld machen das Land insbesondere für europäische und Golfstaaten-Unternehmen zu einem bevorzugten Ziel für agile IT-Expertise. 

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Marokko seine industrielle Produktion in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt und seine Position als bedeutender Industriestandort nachhaltig gefestigt hat. Seine Wettbewerbsfähigkeit wird durch moderate Lohnstückkosten, eine hohe Verfügbarkeit qualifizierter Arbeitskräfte sowie eine effiziente logistische Anbindung an Europa weiter wachsen.

Insbesondere die unkomplizierte Möglichkeit, Vorprodukte und Fertigerzeugnisse aus marokkanischen Produktionsstätten per Lkw-Fähre von Tanger nach Cádiz und von dort über das europäische Autobahnnetz weiter zu transportieren, ermöglicht kostengünstige, planbare und vor allem termingerechte Lieferketten.

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