Namibia setzt auf Modernisierung des Schienennetzes: 1.360 Kilometer bis 2028/29
Umfangreiches Investitionsprogramm soll Bahnverkehr stärken
Lesedauer: 3 Minuten
Namibia Logistik SchienenverkehrSteigerung des Schienenanteils am nationalen Transportmarkt
Namibia intensiviert die Modernisierung seines Schienennetzes. Bis zum Ende des Finanzjahres 2028/29 sollen insgesamt 1.360 Kilometer Bahnstrecke modernisiert werden. Bereits bis Ende 2026/27 ist die Aufwertung von 1.000 Kilometern vorgesehen. Die ambitionierten Ziele sind Teil einer umfassenden Strategie der Regierung, den Anteil der Schiene am nationalen Transportmarkt von derzeit 11 Prozent auf 25 Prozent zu steigern und damit die Wettbewerbsfähigkeit des Bahnverkehrs nachhaltig zu stärken.
Für das Finanzjahr 2026/27 stellt das Ministerium für Arbeiten und Verkehr insgesamt 952,1 Millionen Namibia-Dollar für die Modernisierung des Eisenbahnnetzes bereit. Davon entfallen 946 Millionen Namibia-Dollar auf Entwicklungsprojekte, während kleinere Beträge für Personal sowie Güter und Dienstleistungen vorgesehen sind. Das Budget soll im Folgejahr auf 1,18 Milliarden Namibia-Dollar steigen, bevor es 2028/29 leicht auf 1,08 Milliarden Namibia-Dollar zurückgeht.
Wie Ministeriumsdirektor Jonas Sheelongo erklärte, umfasst das Programm nicht nur Streckenerneuerungen, sondern auch die jährliche Instandhaltung von 1.600 Kilometern Bahninfrastruktur. Darüber hinaus sollen bis 2028/29 rund 28 Prozent des nationalen Eisenbahn-Masterplans umgesetzt und 80 Prozent der maßgeblichen Eisenbahngesetzgebung überarbeitet werden.
Arbeiten schreiten voran
Bei der Umsetzung wichtiger Infrastrukturprojekte wurden bereits erste Erfolge erzielt. Im Rahmen des nationalen Programms zur Schienenrehabilitierung konnten bislang 210 Kilometer Bahnstrecke erneuert werden. Auf der Strecke Kranzberg–Otjiwarongo wurden bereits 16.300 Tonnen Schienenmaterial sowie 48 Weichen geliefert. Dies entspricht einem Fertigstellungsgrad von rund 40 Prozent des ersten Lieferloses.
Auch bei weiteren Projekten schreiten die Arbeiten voran. Die Beschaffungs- und Lieferaktivitäten für das Vorhaben Otjiwarongo–Tsumeb/Otavi–Grootfontein haben begonnen und einen Fortschritt von 11,4 Prozent erreicht. Die Erdarbeiten auf dem Abschnitt Kranzberg–Otjiwarongo liegen je nach Bauabschnitt zwischen 17 und 23 Prozent. Besonders weit fortgeschritten sind die Arbeiten auf der Strecke Sandverhaar–Buchholzbrunn, wo bereits 85 Prozent der Erdarbeiten abgeschlossen wurden.
Parallel zur Modernisierung der Infrastruktur investiert Namibia auch in die Erneuerung seines Fahrzeugbestands. Vier Lokomotiven der staatlichen Bahngesellschaft TransNamib wurden bereits für eine umfassende Generalüberholung demontiert. Zusätzlich plant die Regierung die Beschaffung von 15 neuen Lokomotiven und Güterwagen. In den darauffolgenden Jahren soll die Flotte durch weitere 20 Fahrzeuge ergänzt werden.
Teil eines größeren Infrastrukturprogrammes zur Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung
Die Schienenoffensive ist Teil eines größeren Infrastrukturprogramms. Für den Verkehrssektor stehen im Finanzjahr 2026/27 insgesamt 2,074 Milliarden Namibia-Dollar zur Verfügung. Bis 2028/29 soll dieser Betrag auf 2,806 Milliarden Namibia-Dollar anwachsen. Zusammen mit den Mitteln für den Bereich öffentliche Arbeiten belaufen sich die gesamten Haushaltsmittel des Ministeriums im laufenden Finanzjahr auf 2,257 Milliarden Namibia-Dollar. Mit den Investitionen verfolgt Namibia das Ziel, die Leistungsfähigkeit des Schienengüterverkehrs zu erhöhen, die Straßeninfrastruktur zu entlasten und die wirtschaftliche Entwicklung des Landes zu fördern. Das Vorhaben liefert zugleich einen klar messbaren Maßstab für den Fortschritt der Eisenbahnmodernisierung in den kommenden Jahren.
Chancen für österreichische Unternehmen
Die umfassende Modernisierung des namibischen Schienennetzes eröffnet österreichischen Unternehmen attraktive Geschäftsmöglichkeiten entlang der gesamten Wertschöpfungskette der Bahninfrastruktur. Besonders gefragt sind Technologien und Dienstleistungen in den Bereichen Gleisbau, Signal- und Sicherungstechnik, Digitalisierung, Bahninstandhaltung sowie rollendes Material. Weitere Chancen ergeben sich im Bereich Lokomotiv- und Waggonmodernisierung. Die Überholung bestehender Fahrzeuge sowie die geplante Beschaffung neuer Lokomotiven und Güterwagen schaffen Möglichkeiten für Zulieferer von Komponenten, Antriebssystemen, Bremstechnologie, Elektronik und Wartungsdienstleistungen.
Namibia gilt politisch als eines der stabilsten Länder Afrikas und verfolgt das Ziel, sich als logistisches Drehkreuz im südlichen Afrika zu positionieren. Für österreichische Unternehmen eröffnet dies die Möglichkeit, frühzeitig strategische Partnerschaften aufzubauen und sich an langfristigen Infrastrukturprojekten in einem wachsenden Markt zu beteiligen.
Haben wir Ihr Interesse an Namibia geweckt? Bei Interesse können Sie das AußenwirtschaftsCenter Johannesburg jederzeit per E-Mail oder Telefon kontaktieren.