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Glühbirne mit hellem Schein wächst aus dem Boden heraus sowie zwei Stapel von Münzen aus denen eine Pflanze herauswächst, im Hintergrund ein grünes Bokeh
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Norwegen: Erste vollautomatisierte Pflanzenfabrik der Welt

Wo ganz ohne Hände geerntet wird

Lesedauer: 4 Minuten

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Norwegen Anlagenbau/Smart Factory
17.03.2026

Stellen Sie sich einen Garten vor, in der niemand mit den Pflanzen arbeiten muss. Kein manuelles Ernten, kein Schmutz, keine mühsame Feldarbeit. Genau das lässt nun das norwegische Start-up Avisomo AS Wirklichkeit werden: Es entwickelt eine vollautomatisierte „vertical farm“, bei der von der Aussaat bis zur Verpackung alles durch Roboter erledigt wird. Dieses Projekt könnte die Lebensmittelherstellung für immer verändern und Norwegen an die Spitze dieser technologischen Revolution setzen.

Vom Studentenprojekt zur globalen Agrarinnovation

Alles begann 2018 als Bachelorprojekt an der Norwegischen Technischen Universität (NTNU). Die Gründer von Avisomo verfolgten nicht nur technische Ideen, sondern hörten vor allem auf Landwirte, Agronomen und Leute in anderen Berufen, die täglich mit Pflanzen zu tun haben. Diese Praxisnähe zahlte sich aus. Bald entstand eine Lösung, die weit über traditionelle Konzepte hinausgeht: ein komplett automatisiertes „Plant Factory“-System, das per Plug‑and‑Play in verschiedene Umgebungen integriert werden kann.

Was Avisomo von anderen vertikalen Landwirtschaftssystemen unterscheidet, ist der hohe Automatisierungsgrad kombiniert mit softwaregestützter Steuerung. Während viele Indoor‑Farmen noch manuelle Eingriffe erfordern und stark auf spezifische agronomische Kenntnisse angewiesen sind, ist das System von Avisomo darauf ausgelegt, nahezu selbstständig zu funktionieren. Die Software überwacht und steuert alle Produktionsphasen in Echtzeit, einschließlich Licht, Temperatur, CO₂‑Gehalt und Nährstoffzufuhr, und passt diese mikropräzise für jede einzelne Pflanze an.

Kooperation mit Coop: Großproduktion geplant

Ein wichtiger Schritt zur Skalierung dieser Technologie ist die Zusammenarbeit mit Coop Norge SA, einem der größten Lebensmittelhändler Norwegens. Gemeinsam wurde auf dem Firmengelände von Avisomo im norwegischen Gardermoen eine Pilotanlage errichtet, die auf den neuen vertikalen Anbau setzt. Diese soll pro Jahr bis zu hundert Tonnen frischen Salat hervorbringen, und zwar unabhängig von Jahreszeit und Wetter. Damit würde ein Großteil der bislang importierten Salatvarianten lokal und wetterunabhängig erzeugt.

Das ambitionierte Ziel: eine vollständig automatisierte Pflanzenfabrik, in der Roboter nicht nur säen und ernten, sondern auch waschen, sortieren und verpacken. Dieser hohe Automatisierungsgrad, der als „no hands farming“ bekannt ist, reduziert nicht nur den Bedarf an manueller Arbeit, sondern senkt auch Infektionsrisiken und ermöglicht gleichbleibende Produktqualität.

Mehr Nachhaltigkeit durch Technik

Vertikale Indoor‑Farming‑Systeme sind per se ressourceneffizienter als traditionelle Landwirtschaft. Sie nutzen nämlich weniger Wasser, benötigen kein Ackerland und kommen ohne chemische Pflanzenschutzmittel aus. Doch Avisomos technologiegetriebener Ansatz geht noch weiter: Durch die nahezu sterile Umgebung und die modulare Bauweise wird das Risiko von Pflanzenkrankheiten minimiert, was zu stabileren und gesünderen Erträgen führt.

Überdies zeigen interne Tests von Coop, dass die Salatprodukte aus dieser Technologie eine beeindruckende Haltbarkeit von bis zu zehn Wochen erreichen können - deutlich länger als bislang üblich. Das hat nicht nur Vorteile für Händler und Konsumenten, sondern kann auch Lebensmittelabfälle reduzieren – ein Problem, das weltweit einen erheblichen ökologischen Fußabdruck hinterlässt.

Unterstützung als Klimaschutzmaßnahme

Um diese technologische Neuerung möglich und skalierbar zu machen, erhielt Avisomo finanzielle Unterstützung: 2024 wurden knapp 18,7 Millionen NOK (ca. 1,6 Mio. Euro) aus Innovations‑ und Klimafördertöpfen bewilligt, ergänzt durch rund 39,5 Millionen NOK (ca. 3,4 Mio. Euro) von externen Investoren. Diese Mittel haben dazu beigetragen, dass aus einem Testprojekt ein marktreifes, industrialisiertes System werden konnte.

Vertreter von Innovationsförderern betonen, dass diese Lösung nicht nur innovativ ist, sondern auch einen Beitrag zu den globalen Herausforderungen der Ernährungssicherung leisten kann. Angesichts der wachsenden Weltbevölkerung, die bis 2050 auf etwa zehn  Milliarden Menschen geschätzt wird, muss die Nahrungsmittelproduktion gleichzeitig nachhaltig und effizient gesteigert werden. Genau dort setzt die Technologie von Avisomo an.

Ausblick: Digitalisierung der Landwirtschaft

Die Geschichte von Avisomo zeigt, wie Digitalisierung, Automatisierung und Agrarwissenschaft zusammenkommen, um traditionelle Sektoren zu transformieren. Wenn diese vollautomatisierten Pflanzenfabriken einmal skaliert werden, könnten sie nicht nur lokale Versorgungsketten stärken, sondern auch das gesamte globale Ernährungssystem beeinflussen – von der Produktion über die Logistik bis hin zum Einzelhandel. Für Norwegen bedeutet dies nicht nur technologischen Fortschritt, sondern auch einen Wettbewerbsvorteil im internationalen Agrartechnologiemarkt.

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