Serbien: Neue Proteste gegen die Einfuhr von Milch- und Fleischprodukten
Fortsetzung der Importhemnisse zu erwarten
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Seit 11.2.2026 führen die serbischen Landwirte landesweit Proteste und Straßensperren in serbischen Städten durch unter Forderung einer dringenden Kontrolle der Milchimporte, sowie eines Importstopps von Milch, Fleisch, Obst und Gemüse, Getreide sowie von Lebensmitteln, die ohnehin in Serbien produziert werden. Ein brennender Punkt sind auch die aktuellen Ankaufpreise in Serbien, die derzeit unter den Produktionskosten liegen.
Am 23.2.2026 lenkte das Landwirtschaftsministerium Serbiens ein, indem es ankündigte, zwei der sechs Forderungen umzusetzen:
- Der Prelevman (Taxe) auf die Einfuhr von Ferkeln aus der EU wird abgeschafft, um die Verfügbarkeit hochwertigen Zuchtmaterials zu verbessern und die Produktivität der Schweinefleischproduktion zu erhöhen.
- Es soll ein Prelevman auf Milchpulver eingeführt werden, um den heimischen Milchsektor vor unlauterem Wettbewerb zu schützen.
Am 24.2.2026 organisierten die Landwirte trotzdem intensive Proteste und Sperrungen in einer Vielzahl der serbischen Städte.
Das serbische Landwirtschaftsministerium teilte mit, dass die Europäische Kommission der Initiative Serbiens zugestimmt hat und am 25. Februar 2026 um 10:00 Uhr online offizielle Konsultationen zur Einführung von Prelevman-Abgaben auf Milch und Milchprodukte abgehalten werden.
Vorgeschichte
Das Jahr 2025 begann mit der Einführung eines Importverbots für tierische Produkte aus Fleisch und Milch aus Ländern, in denen Tierseuchen festgestellt worden waren. Dieses Verbot ist weiterhin in Kraft und prägt nach wie vor den außenhandels- und agrarpolitischen Rahmen.
Im Zuge dieser Maßnahmen leitete Serbien neue Abstimmungen mit sämtlichen Partnerländern ein, um die für die Einfuhr von tierischen Lebensmitteln erforderlichen Exportzertifikate an die aktuelle Seuchenlage anzupassen.
Ergänzend wurden bestehende Importgenehmigungen widerrufen sowie eine neue, deutlich sichtbare Kennzeichnungspflicht eingeführt. Produkte, die pflanzliche Öle – etwa Palmöl – enthalten, müssen seither mit einem gelben Dreieck versehen werden, um Verbraucherinnen und Verbraucher transparent zu informieren.
Der serbische Landwirtschaftsminister Dragan Glamočić erklärte Mitte 2025 in mehreren Medienauftritten, dass das Ministerium bis auf Weiteres keine Importgenehmigungen für Milch, Milchprodukte oder palmölbasierte Milchersatzprodukte erteilen werde.
Am 11. Februar 2026 kam es erneut zu Protesten serbischer Viehzüchter: Mehrere Hundert Traktoren blockierten die wichtigste Durchzugsstraße in Zentralserbien. Hintergrund sind unter den Produktionskosten liegende Ankaufspreise für Milch und Fleisch. Die Landwirte kündigten an, Protestaktionen wie das Verschütten von Milch und Gülle solange durchzuführen, bis folgende Forderungen erfüllt sind:
- Schutz des heimischen Milch- und Fleischmarktes durch Einfuhrabgaben und Quotensysteme
- Einrichtung eines Grenzkontrolllabors, um Missbrauch und Unregelmäßigkeiten bei Importen von Milch und Molkereiprodukten zu verhindern
- Einführung von Antidumping-Maßnahmen gegen Produkte, die die heimische Landwirtschaft gefährden
- Rückkehr zu kostendeckenden Milch- und Fleischpreisen, also auf das Niveau vor den Preissenkungen
- Garantierte Abnahme der erzeugten Milch aller Produzenten
Es ist somit auch weiterhin mit Importhindernissen für den Import von Fleisch – und Milcherzeugnissen nach Serbien zu rechnen.
Für weitere Fragen steht das AussenwirtschaftsCenter Belgrad gerne zur Verfügung: belgrad@wko.at
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