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Ein LKW mit einem Container steht in einem Containerlagerplatz. Auf dem Container ist das EU-Symbol zu sehen (12 goldene Sterne auf einem blauen Hintergrund). Im Hintergrund befinden sich mehrere Containerstapel.
© mbruxelle | stock.adobe.com

Südafrika rückt ins Zentrum europäischer Rohstoffstrategien

Botschafter sieht Potenzial für engere Lieferketten und neue Investitionen

Lesedauer: 3 Minuten

Südafrika Bergbau Energiewirtschaft
30.10.2026

Kristian Schmidt ist seit 1. September 2026 EU-Botschafter in Südafrika und leitet die EU-Delegation in Pretoria. Er sieht großes Potenzial für Südafrika, seine industriellen Lieferketten stärker mit Europa zu verknüpfen. Dies könnte sowohl Südafrikas Bestreben unterstützen, die heimische Wertschöpfung bei mineralischen Rohstoffen auszubauen, als auch die Energiewende in beiden Regionen vorantreiben. Zudem weist er darauf hin, dass die EU Mineralien für Batterien und die Elektrifizierung benötigt, die in der eigenen Region weitgehend fehlen. Die EU strebt eine Diversifizierung ihrer Versorgung mit kritischen Mineralien an, um Abhängigkeiten von China zu reduzieren.

Südafrika ist das einzige afrikanische Land mit einer strategischen Partnerschaft mit der EU. Der Botschafter ist der Ansicht, dass diese Beziehung genutzt werden könnte, um die südafrikanische Mineralienverarbeitung zu stärken, unterstützt durch die verlässliche Nachfrage europäischer Unternehmen. Ähnliche Modelle werden bereits seit Jahrzehnten erfolgreich in anderen Sektoren wie beispielsweise der Automobilindustrie eingesetzt. Dabei produzieren europäische Hersteller in Südafrika Fahrzeuge nicht nur für den heimischen Markt, sondern auch für den Export, unter anderem in die EU.

Die „Global Gateway“-Initiative, mit der die EU Investitionen in Infrastruktur und Industrie in Partnerländern fördert, könnte den Technologietransfer im Bereich der Mineralienveredelung unterstützen und Investoren den Zugang zu günstigerem Kapital erleichtern. Nach einem zunächst im März 2025 angekündigten Investitionspaket von 4,7 Milliarden Euro stellte die EU im Oktober 2025 im Rahmen der Global-Gateway-Initiative ein erweitertes Investitionspaket für Südafrika im Umfang von nahezu 12 Milliarden Euro vor. Schmidt sieht zudem erhebliches Potenzial für eine Zusammenarbeit zwischen der EU und Südafrika in anderen Bereichen der Energiewende. Neben der Produktion nachhaltiger Flugkraftstoffe in Südafrika für europäische Fluggesellschaften sieht er Chancen in der Herstellung sauberer Bunkerkraftstoffe für die steigende Zahl von Seeschiffen, die mittlerweile das Kap umrunden, um konflikt- oder piratengefährdete Routen zu meiden.

Der Botschafter betont, dass eine engere Zusammenarbeit mit Südafrika und anderen afrikanischen Ländern im Bereich kritischer Mineralien und der Energiewende auf Kooperation statt auf Wettbewerb basiert und dabei Südafrikas Politik der Blockfreiheit respektieren wird.

Dazu zählen auch die Mitgliedschaft Südafrikas im BRICS-Verbund sowie die wachsenden Handelsbeziehungen zu China, das Europa mittlerweile als wichtigsten Handelspartner des Landes abgelöst hat. 

Dennoch bleibt die EU Südafrikas größte Quelle für ausländische Direktinvestitionen, während Südafrikas Handel mit der EU relativ diversifiziert ist und neben Mineral- und Agrarexporten auch Industrieerzeugnisse umfasst. Nach Angaben der Europäischen Kommission belief sich der bilaterale Warenhandel im Jahr 2025 auf insgesamt 46 Milliarden Euro, wobei Transportausrüstung mit 9,5 Milliarden Euro bzw. 21 % des Gesamtvolumens den größten Anteil ausmachte. Der Investitionsbestand der EU in Südafrika belief sich im Jahr 2024 auf 40,4 Milliarden Euro. Der Botschafter betont zudem, dass die Partnerschaft zwischen der EU und Südafrika auf gemeinsamen Grundsätzen und Werten beruht. Zudem hält er fest, dass der Ansatz der EU gegenüber Südafrika auch weiterhin auf Dialog und Zusammenarbeit statt auf Zwang ausgerichtet sein wird, und zeigt sich optimistisch, dass die Beziehung auch etwaigen kurzfristigen politischen Rückschlägen in der EU oder in Südafrika standhalten wird.

Für österreichische Unternehmen könnte die geplante Vertiefung der Zusammenarbeit zwischen der EU und Südafrika neue Geschäftsmöglichkeiten schaffen. Insbesondere in den Bereichen Mineralienverarbeitung, Bergbauausrüstung und Energieinfrastruktur dürfte die Nachfrage nach Technologie, Know-how und spezialisierten Dienstleistungen steigen. Südafrikas Bestrebungen, die lokale Wertschöpfung auszubauen und seine Rolle in europäischen Lieferketten zu stärken, könnten dabei zusätzliche Marktchancen eröffnen.

Haben wir Ihr Interesse am Wirtschaftsstandort Südafrika geweckt? Bei Fragen oder für weitere Informationen steht Ihnen das AußenwirtschaftsCenter Johannesburg gerne telefonisch oder per E-Mail zur Verfügung.