Namibia setzt auf grünen Wasserstoff für verbesserte Ernährungssicherheit
Dâures Green Hydrogen Village als Modellprojekt für Namibias Zukunft
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Namibia Agrarwirtschaft Energiewirtschaft Erneuerbare EnergienVon den rund 3,1 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern Namibias leben etwa 46 % außerhalb der Städte. In den dünn besiedelten ländlichen Gebieten gestaltet sich die Nahrungsmittelproduktion aufgrund des rauen und unbeständigen Wüstenklimas, wenig fruchtbarer Böden, des eingeschränkten Zugangs zu landwirtschaftlichen Betriebsmitteln sowie ausgeprägter wirtschaftlicher Ungleichheiten besonders schwierig. Diese Faktoren haben dazu geführt, dass Ernährungsunsicherheit für viele Menschen im Land zu einem dauerhaften Problem geworden ist. Vor diesem Hintergrund verfolgt Namibia verstärkt Initiativen zur Industrialisierung und Modernisierung der Landwirtschaft, um die wirtschaftliche Entwicklung zu fördern und den Zugang der Bevölkerung zu Nahrungsmitteln zu verbessern. Gleichzeitig haben die gestiegenen Kosten für importierte Waren, Lebensmittel, Treibstoff und landwirtschaftliche Betriebsmittel die Beschaffung von Düngemitteln und anderen wichtigen Produktionsfaktoren erheblich verteuert. Dadurch wächst der Bedarf an nachhaltigen, lokal verfügbaren und ressourcenschonenden Lösungen.
Das Dâures Green Hydrogen Village
In den vergangenen fünf Jahren hat sich Namibia zunehmend als Standort für grüne Industrialisierung etabliert. Unternehmen und Organisationen nutzen dabei die umfangreichen Solar-, Wind- und Biomasseressourcen des Landes. Zu den innovativen Projekten in diesem Bereich zählt das 2023 gegründete „Dâures Green Hydrogen Village“, das durch den Einsatz grüner Technologien einen Beitrag zur Bekämpfung der Ernährungsunsicherheit leisten soll. Auf einer Fläche von 15.000 Hektar in der Region Erongo werden die Voraussetzungen für den Gewächshausanbau sowie die Produktion von grünem Wasserstoff geschaffen, um Landwirtschaft, Ernährungssicherheit und lokale Lebensgrundlagen nachhaltig zu stärken. Die Pilotphase des Projekts begann 2025. Bereits in dieser Phase erforderte die Initiative eine enge Zusammenarbeit mit den lokalen Gemeinschaften und schuf Beschäftigungsmöglichkeiten für 376 Personen sowie 23 kleine und mittlere Unternehmen. Darüber hinaus kooperiert das Projekt mit Forschungspartnern der Universität Namibia und der Universität Stuttgart, die gemeinsam mit namibischen und internationalen Studierenden Forschungsaktivitäten vor Ort durchführen.
Lokale Düngemittelproduktion und erste Erfolge
Das Vorhaben strebt die Produktion von jährlich 18 Tonnen grünem Wasserstoff und 100 Tonnen grünem Ammoniak an. Das grüne Ammoniak soll für die lokale Düngemittelproduktion genutzt werden und damit die Abhängigkeit von Importen verringern sowie eine emissionsärmere landwirtschaftliche Produktion fördern. Im Juni 2026 berichteten die Vereinten Nationen, dass die Anlage monatlich rund 40.000 Gurken produzierte. Das Projekt zeigt damit eindrucksvoll, dass selbst unter den schwierigen klimatischen Bedingungen Namibias eine erfolgreiche Nahrungsmittelproduktion möglich ist.
Potenzial von grünem Wasserstoff für die Landwirtschaft
Grüner Wasserstoff wird mithilfe erneuerbarer Energien erzeugt und gilt deshalb als besonders klimafreundlicher Energieträger. Sein breiterer Einsatz könnte dazu beitragen, die CO₂-Emissionen der Landwirtschaft deutlich zu reduzieren. Im Gegensatz zur konventionellen Wasserstoffproduktion, die überwiegend auf fossilen Brennstoffen basiert, ermöglicht grüner Wasserstoff eine wesentlich nachhaltigere Wertschöpfung. Durch seine Nutzung in der Düngemittelherstellung, Energieversorgung und im Ressourcenmanagement könnte der Agrarsektor seine Umweltbelastung senken und gleichzeitig die heimische Nahrungsmittelproduktion stärken. Erste Erfolge sind bereits sichtbar: In der Anlage wurden Gurken, Tomaten und Paprika geerntet und an lokale Einzelhändler in der Region Erongo verkauft.
Die Ernährungssituation in Namibia hat sich 2025 im Vergleich zum Vorjahr deutlich verbessert. Während zwischen Juli und September 2024 noch rund 1,15 Millionen Menschen von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen waren, sank diese Zahl im selben Zeitraum 2025 auf etwa 456.000 Personen. Ausschlaggebend für diese Entwicklung waren vor allem bessere Niederschläge, höhere Ernteerträge, günstigere Weidebedingungen sowie koordinierte Maßnahmen der Regierung und ihrer Entwicklungspartner. Dennoch bleibt Ernährungsunsicherheit eine zentrale Herausforderung, da viele Regionen weiterhin von einer Nahrungsmittelkrise betroffen sind. Trotz der positiven Entwicklung wird für die kommenden Monate mit steigenden Lebensmittelpreisen bei gleichzeitig rückläufiger Nahrungsmittelproduktion gerechnet. Von dieser erwarteten Verschlechterung könnten rund 612.000 Namibierinnen und Namibier beziehungsweise etwa 20 % der Bevölkerung betroffen sein. Als Gründe gelten insbesondere das Auslaufen der staatlichen Dürrehilfen im August 2025, begrenzte Beschäftigungsmöglichkeiten, hohe Arbeitslosigkeit sowie ungünstige Bedingungen für die Viehhaltung in dürreanfälligen Regionen.
Modell für eine grüne Kreislaufwirtschaft
Während das Dâures Green Hydrogen Village schrittweise ausgebaut wird, verfolgt das Projekt das Ziel, Afrikas erstes „grünes Wasserstoffdorf“ im halbindustriellen Maßstab zu schaffen und damit ein Modell für eine grüne Kreislaufwirtschaft sowie nachhaltige Industrialisierung zu etablieren. Im Erfolgsfall könnte das Vorhaben einen tiefgreifenden Wandel im namibischen Agrarsektor anstoßen. Es würde zeigen, dass die Integration grüner Wasserstofftechnologien nicht nur die CO₂-Emissionen deutlich senken, sondern auch die lokale Düngemittelproduktion stärken und die Abhängigkeit von Importen reduzieren kann. Langfristig könnte dieser Ansatz sowohl Namibias Ernährungssouveränität als auch seine Widerstandsfähigkeit gegenüber klimatischen Schwankungen erhöhen und zugleich als Vorbild für andere afrikanische Regionen mit vergleichbaren ökologischen und wirtschaftlichen Herausforderungen dienen.
Chancen für österreichische Unternehmen
Für österreichische Unternehmen eröffnet die Entwicklung des Dâures Green Hydrogen Village sowie der Ausbau der namibischen Agrar- und Wasserstoffwirtschaft neue Geschäftsmöglichkeiten. Besonders in den Bereichen Gewächshaustechnologie, Bewässerungssysteme, landwirtschaftliche Maschinen, Düngemittelproduktion, Wasseraufbereitung und erneuerbare Energien bestehen vielversprechende Potenziale für die Bereitstellung von Technologien, Know-how und Dienstleistungen. Darüber hinaus könnten sich Chancen zur Beteiligung an Forschungs- und Entwicklungsprojekten sowie an zukünftigen Investitionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette von grünem Wasserstoff und nachhaltiger Landwirtschaft ergeben.
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