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Leicht schräg stehende Solarkollektoren. Im Hintergrund sind grüne Bäume und eine Bergkette
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Solarenergie entwickelt sich zum strategischen Wirtschaftsfaktor Afrikas

Revidierte Kapazitätszahlen und eine massive Projektpipeline stärken Investitionen, Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit

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Südafrika Energiewirtschaft Erneuerbare Energien Elektro/Elektronik/Mechatronik
Stand: 23.02.2026

Afrika galt lange als Nachzügler im globalen Solarmarkt. Offizielle Statistiken wiesen dem Kontinent nur eine vergleichsweise geringe installierte Kapazität zu, was Investitionen und politische Aufmerksamkeit entsprechend bremste. Neue Daten zeichnen nun jedoch ein deutlich anderes Bild: Laut aktuellen Auswertungen ist Afrikas Solarmarkt fast dreimal so groß wie bisher angenommen und zählt weltweit zu den dynamischsten Wachstumsregionen. Mit einer installierten Kapazität von rund 64 Gigawatt übertrifft der Kontinent die bislang erfassten 23 Gigawatt deutlich und positioniert sich als strategischer Zukunftsmarkt der Solarindustrie.

Die Neubewertung basiert auf einer erweiterten Methodik, die unter anderem chinesische Exportdaten einbezieht und damit bislang unterschätzte Installationen sichtbar macht. Infolgedessen steigt Afrikas Anteil an der globalen Solarkapazität spürbar an. Besonders bemerkenswert ist das Wachstumstempo: Importbereinigte Schätzungen zeigen ein Marktwachstum von 122 Prozent im Jahr 2023 und weiteren 17 Prozent im Jahr 2024. Damit zählt Afrika inzwischen zu den weltweit führenden Wachstumsregionen im Solarsektor.

Südafrika steht weiterhin im Zentrum dieser Entwicklung. Die Energiekrise und wiederkehrende Stromausfälle nach 2022 führten zu einem starken Anstieg bei Solarmodulen, Wechselrichtern und Batteriespeichern, da Haushalte und Unternehmen nach Alternativen zu einem instabilen Stromnetz suchten. Doch selbst nach einer Verbesserung der Netzsituation setzte sich das Wachstum fort. Dies deutet darauf hin, dass sich der Markt von einer kurzfristigen Krisenreaktion zu einer strukturell verankerten, wirtschaftlich getriebenen Entwicklung gewandelt hat.

Getragen wird dieser Trend durch sinkende Batteriepreise, steigende Stromtarife und das wachsende Interesse von Unternehmen an eigener, kostengünstiger und emissionsärmerer Energieversorgung. Seit 2017 sind die Preise für Batteriespeicher im Durchschnitt um rund zehn Prozent pro Jahr gefallen und liegen inzwischen bei etwa 112 US-Dollar pro Kilowattstunde. Die Kosten für Solarstrom inklusive Speicherung sinken damit auf ein Niveau, das in vielen afrikanischen Märkten unterhalb von Dieselgeneratoren liegt und zunehmend auch mit Netzstrom konkurriert.

Auch außerhalb Südafrikas beschleunigt sich die Entwicklung. In Ostafrika verzeichnen Kenia, Tansania und Uganda eine rasche private Marktdurchdringung, während sich Nigeria, Ghana und Côte d’Ivoire als westafrikanische Zentren etablieren. Sambia, Simbabwe und Namibia bauen Solarkapazitäten gezielt für Bergbau und Industrie aus. Mauritius wiederum setzt mit einem 100-Megawatt-Solarpark und einem 290-Megawatt-Batterieprojekt neue Maßstäbe zu rekordniedrigen Tarifen. Kontinentweit umfasst die Projektpipeline inzwischen rund 296 Gigawatt und damit mehr als das Zwölffache der derzeit installierten Kapazität.

Der afrikanische Solarmarkt bietet damit eine strukturelle Antwort auf die Energie- und Entwicklungsherausforderungen des Kontinents. Die Kombination aus technologischer Kostendegression, wachsendem Energiebedarf und dem Bestreben nach größerer Versorgungssicherheit schafft ein dauerhaft tragfähiges Fundament für weiteres Wachstum. Was einst als Nischenmarkt galt, entwickelt sich zunehmend zu einem zentralen Pfeiler wirtschaftlicher Modernisierung und regionaler Integration. Afrikas Solarboom ist somit nicht nur ein Energiemarktphänomen, sondern Ausdruck eines tiefgreifenden wirtschaftlichen Wandels.

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