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Markus Fritz (PANNATURA), Hannes Mosonyi (Obmann des Landesgremiums Agrarhandel), Martin Pinczker (Bioproduzent), Anja Haider-Wallner (Landeshauptmann-Stellvertreterin) und  Mario Winkler (Österreichische Hagelversicherung) (v. l.)
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Getreideernte 2026: Geringere Erträge, angespannte Marktlage

 Erstes Resümee

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Aktualisiert am 14.07.2026

Das Burgenland steht vor einer durchwachsenen Getreideernte. Fehlende Niederschläge im vergangenen Herbst, das trockenste Frühjahr seit Beginn der Aufzeichnungen sowie extreme Temperaturen im Juni haben den Erträgen stark zugesetzt. Während die Mengen deutlich unter dem Vorjahresniveau liegen, wird die Qualität des Getreides insgesamt als zufriedenstellend beurteilt. Gleichzeitig sieht sich der Agrarhandel mit einer schwierigen Marktsituation konfrontiert.


Die diesjährige Getreideernte stellt Landwirtschaft und Agrarhandel vor große Herausforderungen. Die Auswirkungen der Witterung zeigen sich über weite Teile des Landes. Im Rahmen der Präsentation der Erntebilanz auf dem Bio-Landgut Esterhazy in Donnerskirchen zogen Vertreter des burgenländischen Agrarhandels, der Landwirtschaft, der Österreichischen Hagelversicherung und des Landes Burgenland ein erstes Resümee.

Hohe Lagerbestände und volatile Marktbedingungen

Von einer durchwachsenen Erntesaison berichtet Hannes Mosonyi, Obmann des burgenländischen Agrarhandels in der Wirtschaftskammer: „Die Preisfindung erweist sich heuer als besonders schwierig, da die Lagerbestände weiterhin auf hohem Niveau liegen. Mengenmäßig müssen sich die Landwirtinnen und Landwirte auf deutliche Einbußen einstellen – die Erträge liegen um 30 bis 50 Prozent unter jenen des Jahres 2025.“ Positiv hervorzuheben sei hingegen die Qualität des heurigen Getreides, die „insgesamt als zufriedenstellend eingeschätzt wird.“

Die 144 Mitgliedsbetriebe des burgenländischen Agrarhandels stünden vor großen Herausforderungen, so Mosonyi: „Versorgungssicherheit, faire Wettbewerbsbedingungen und verlässliche, nachhaltige Rahmenbedingungen sind zentrale Voraussetzungen, um die Zukunft der heimischen Landwirtschaft langfristig abzusichern.“

Die Bedeutung des Agrarhandels gehe weit über den reinen Warenumschlag hinaus, unterstreicht Mosonyi: „Die Branche fungiert als Bindeglied zwischen Landwirtschaft, verarbeitender Industrie sowie Konsumentinnen und Konsumenten und stellt sicher, dass hochwertige Lebensmittel produziert, transportiert und bereitgestellt werden. Genossenschaftlich organisierte Betriebe, private Agrarhandelsunternehmen, Direktvermarkter und Biobetriebe arbeiten dabei eng zusammen, um landwirtschaftliche Produkte zuverlässig, qualitätsorientiert und regional verwurzelt vom Feld bis zum Teller zu bringen.“

Versorgungssicherheit beginnt am Acker

Als deutliches Zeichen dafür, dass die Auswirkungen der Klimakrise längst in der landwirtschaftlichen Praxis angekommen seien, bewertet Landeshauptmann-Stellvertreterin Anja Haider-Wallner die heurige Ernte: „Sie macht sichtbar, was viele Bäuerinnen und Bauern schon seit Jahren erleben: Hitze und Trockenheit sind längst keine Ausnahme mehr, sondern die Realität der Klimakrise. Wenn Böden austrocknen und Erträge zurückgehen, lässt sich das nicht mit immer mehr und mehr chemisch-synthetischem Dünger oder anderen Betriebsmitteln ausgleichen. Entscheidend sind gesunde, humusreiche Böden, die Wasser speichern, und eine Landwirtschaft, die sorgsam mit unseren natürlichen Ressourcen umgeht.“

Der Umgang mit den Folgen zunehmender Wetterextreme sei eine der zentralen Zukunftsfragen für die heimische Landwirtschaft. Gleichzeitig gelte es, die regionale Lebensmittelproduktion als wichtigen Pfeiler der Versorgungssicherheit zu stärken. „Gerade in Zeiten internationaler Krisen und wachsender Abhängigkeiten ist eine starke heimische Lebensmittelproduktion ein wesentlicher Teil unserer Versorgungssicherheit. Wer hochwertige Lebensmittel auf dem Teller will, muss aber auch dafür sorgen, dass sie unter guten Bedingungen produziert werden können. Das braucht faire Preise für unsere Bäuerinnen und Bauern, regionale Wertschöpfung und eine Landwirtschaft, die auch unter veränderten Klimabedingungen Zukunft hat“, so Haider-Wallner.

Früher Erntebeginn nach außergewöhnlicher Trockenheit

Auf die schwierigen Rahmenbedingungen des heurigen Anbaujahres verweist Markus Fritz, Prokurist der PANNATURA GmbH: „Die Trockenheit führte zu einer verfrühten Abreife der Kulturen und zu einem um rund zehn Tage früheren Erntebeginn.“ Auch für Fritz liegt ein entscheidender Erfolgsfaktor für die Zukunft darin, „sich noch intensiver mit dem Thema Boden auseinanderzusetzen. Unser Ziel muss es sein, Wasser möglichst lange im System Boden zu halten. Neben einer vielfältigen Fruchtfolge setzen wir dazu auch auf neue technische Ansätze wie den Strohstriegel, der die Keimung von Ausfallgetreide und Beikräutern anregt, während gleichzeitig die Kapillarwirkung des Bodens unterbrochen wird. Das reduziert die Verdunstung und hilft, die vorhandene Bodenfeuchtigkeit länger zu speichern. Solche Maßnahmen sind ein wichtiger Baustein, um unsere Böden zukunftsfit zu machen und den Herausforderungen des Klimawandels aktiv zu begegnen.“

Bio-Ernte: Qualität überzeugt

Auch im biologischen Landbau hinterlässt die Trockenheit deutliche Spuren. Martin Pinczker, Geschäftsführer der Bioprodukte Pinczker GmbH, berichtet von niedrigeren Erträgen als im Rekordjahr 2025: „Gleichzeitig bewahrheitet sich, dass ein Minus beim Ertrag oftmals ein Plus an Qualität bedeutet. Speziell bei Weizen beobachten wir einen höheren Gehalt an Eiweiß – ein wichtiges Qualitätsmerkmal, das heuer weit über dem Durchschnitt liegt. In der Vermarktung profitieren wir nach wie vor von der wiedererwachten Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln in Österreich und Deutschland. Wir blicken deshalb optimistisch in die anstehende Vermarktungssaison.“

Klimawandel erhöht Risiken für Landwirtschaft

Vor den langfristigen Folgen der Klimaerhitzung warnt Mario Winkler, Prokurist der Österreichischen Hagelversicherung: „Die vergangenen drei Jahre waren global die wärmsten Jahre der Messgeschichte, in Österreich war 2024 das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen.“

Besonders deutlich zeige sich die Entwicklung im Burgenland. Während in den 1980er-Jahren in Eisenstadt durchschnittlich zwölf Hitzetage pro Jahr verzeichnet wurden, liege der Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre bereits bei 32 Hitzetagen. Im Rekordjahr 2024 wurden sogar 48 Hitzetage registriert.

Die Folgen seien für die Landwirtschaft längst spürbar. Frost, Hagel, Sturm, Dürre und Starkregen verursachten allein im Burgenland in den vergangenen zehn Jahren Schäden von rund 250 Millionen Euro. „Diese Zahlen zeigen klar: Der Klimawandel ist längst keine abstrakte Zukunftsfrage mehr. Er trifft die Bäuerinnen und Bauern unmittelbar – wirtschaftlich, existenziell und Jahr für Jahr stärker“, betont der Experte.

Rund acht von zehn Ackerbaubetrieben im Burgenland seien mittlerweile gegen Wetterrisiken wie Hagel, Dürre oder Frost versichert. Ebenso wichtig wie Risikovorsorge seien Klimaschutz und der verantwortungsvolle Umgang mit landwirtschaftlichen Böden. „Von Beton kann niemand abbeißen“, so Winkler.

 

Markus Fritz (PANNATURA), Hannes Mosonyi (Obmann des Landesgremiums Agrarhandel), Martin Pinczker (Bioproduzent), Anja Haider-Wallner (Landeshauptmann-Stellvertreterin) und Mario Winkler (Österreichische Hagelversicherung) (v. l.) // Foto © WKB


Fotos © PANNATURA/Hafenscher