Gewerbe drängt auf Reformen, Entlastung und schnellere Verfahren nötig
Die burgenländischen Gewerbe- und Handwerksbetriebe stöhnen unter den aktuellen Belastungen. Als die größten Herausforderungen werden Steuern und Abgaben, Preissteigerungen bei Rohstoffen und Materialien sowie Bürokratie und Verwaltung angesehen.
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Die burgenländischen Gewerbe- und Handwerksbetriebe beurteilen nach einer aktuellen Umfrage der KMU Forschung Austria ihre Geschäftslage im 1. Quartal 2026 – ausgehend von einem sehr niedrigen Niveau – besser als im 4. Quartal 2025. Für das 2. Quartal 2026 sind die Einschätzungen per Saldo pessimistisch. Längerfristig liegt das Stimmungsbarometer im burgenländischen Gewerbe und Handwerk zwar das 5. Quartal in Folge per Saldo im negativen Bereich, es zeigt sich jedoch ein Aufwärtstrend, resümiert das Team der KMU Forschung Austria.
„Diese zarte Aufwärtsbewegung ist ein wichtiges Signal, darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass viele Betriebe weiterhin massiv unter Druck stehen“, betont KommR Anton Putz, Obmann der Sparte Gewerbe und Handwerk in der Wirtschaftskammer Burgenland. „Der Bürokratieabbau und eine Lohnnebenkostensenkung sind wichtige Forderungen unserer Betriebe“, so Putz weiter.
Weniger Investitionen geplant
Sorgen macht dem Branchenvertreter die nachlassende Investitionsbereitschaft, nur jeder 4. burgenländische Gewerbe- und Handwerksbetrieb plant in naher Zukunft eine Investition. Putz: „Verschobene oder nicht realisierte Vorhaben treffen nicht nur einzelne Betriebe, sondern schwächen die gesamte regionale Wertschöpfungskette. Jeder investierte Euro entfaltet Wirkung entlang zahlreicher Branchen auch außerhalb der Sparte Gewerbe und Handwerk und sorgt für stabile Einkommen. Diese wiederum stärken die regionale Kaufkraft, fördern den Konsum und tragen wesentlich dazu bei, dass sich die Gesamtwirtschaft nachhaltig positiv entwickelt.“ Gerade die Bauwirtschaft ist davon besonders betroffen.
Maßnahmen zur Belebung der Bauwirtschaft
Ein zentraler Ansatzpunkt und erster Schritt zur Belebung der Bautätigkeit liegt in der Modernisierung der Baugenehmigungsverfahren. „Rasche, transparente und digital unterstützte Verfahren sind ein entscheidender Standortfaktor. Wer investieren will, braucht Planungssicherheit und verlässliche Zeitabläufe“, zeigt der Spartenobmann als Beispiel auf. Vereinfachte Regelungen und praxisnahe Auflagen können sowohl private als auch gewerbliche Bauprojekte wieder attraktiver machen. Das ist insbesondere im Wettbewerb um Betriebsansiedelungen von großer Bedeutung.
Dennoch: Arbeits- und Fachkräfte werden gesucht
Auch wenn der Pessimismus im konsumnahen Bereich gegenüber dem Vorjahr zugenommen hat, während die Unternehmen im investitionsgüternahen Bereich – ausgehend von einem sehr niedrigen Niveau – weniger negativ eingestellt sind, suchen die Unternehmen nach Mitarbeitern. Jeder 4. Betrieb möchte Personal einstellen.
Die Sparte Gewerbe und Handwerk hat per 31.12.2025 rund 17.372 (aktiv und ruhend) Mitglieder im Burgenland.
Die Eckpunkte der Konjunkturumfrage für Gewerbe und Handwerk:
Umsatzentwicklung nominell: 0,2 %
Exporte: 3,9 % des Umsatzes
Investitionen: € 2.600 je Beschäftigten
KommR Anton Putz, Obmann der Sparte Gewerbe und Handwerk in der Wirtschaftskammer Burgenland // Foto © WKB