Touristisch gedachte Perspektiven für den Neusiedler See
Der Neusiedler See steht im Zentrum zahlreicher Zukunftsfragen – von Tourismus und Mobilität bis zu Natur- und Wassermanagement. Im Rahmen des Projekts „Nachhaltige Nutzung Neusiedler See“ erarbeitete die Wirtschaftskammer Burgenland gemeinsam mit Experten und regionalen Akteuren Ideen und Maßnahmen für eine nachhaltige und übergreifende Weiterentwicklung der Region.
Lesedauer: 4 Minuten
Mit dem Anspruch auf einen ganzheitlichen Blick auf das Thema rief die Wirtschaftskammer Burgenland 2022 das Projekt „Nachhaltige Nutzung Neusiedler See“ ins Leben. In Workshops, Diskussionsrunden und einer Umfrage erarbeitete ein Projektteam Stärken, Schwächen sowie Potenziale in der touristischen Nutzung, die in einem umfassenden Maßnahmenkatalog zusammengefasst wurden.
Gesamtheitliche Betrachtung
„In den vergangenen Jahren sind vielfältige Maßnahmen die Region Neusiedler See betreffend erarbeitet und erfreulicherweise auch einige davon umgesetzt worden. Das Ziel des Projekts ‚Nachhaltige Nutzung Neusiedler See‘ ist die Schaffung von Strukturen, um die Region langfristig als attraktiven Lebens-, Wirtschafts- und Tourismusraum zu sichern“, erklärt Projektleiter Franz Perner. Im Mittelpunkt des Projekts „Nachhaltige Nutzung Neusiedler See“ stehen konkrete Projekte in den Bereichen Natur erleben, Sportregion, Kulturgenuss, Schilfwirtschaft, Erholung spüren sowie Mobilität. Dabei wird großer Wert auf das Zusammenspiel und nicht die isolierte Betrachtung und Bearbeitung einzelner Themen gelegt.
Aufruf zum Weitblick
Trotz der Vielfalt der Themen bildet der Neusiedler See das zentrale Element. Hier ruft WK-Präsident Mst. Andreas Wirth zum Weitblick auf – sowohl hinsichtlich des Wasserstands als auch in Bezug auf grenzüberschreitendes Denken: „Die letzten Jahre gaben die Möglichkeit, ein wenig aufzuatmen. Dennoch müssen wir die gewonnene Zeit nutzen, um neue Felder aufzutun. Diese sehen wir einerseits in der Weiterentwicklung von Angeboten, aber vor allem auch grenzüberschreitend. Die Wirtschaftskammer Burgenland hat in der Vergangenheit bereits zahlreiche Projekte in Kooperation mit unseren ungarischen Nachbarn durchgeführt. Diese Zusammenarbeit möchten wir wieder aufgreifen und intensivieren. Auch eine Wasserzufuhr entweder über Donau oder andere Gewässer wird unumgänglich sein.“
Ideen aus der Praxis
Gemeinsam mit den Projektpartnern Triconsult und FCP Fritsch, Chiari & Partner ZT GmbH diskutierten Fachleute aus der Privatwirtschaft sowie dem öffentlichen Bereich über mehrere Monate zentrale Themen, die am Ende in einem Maßnahmenkatalog festgehalten wurden. Seitens des Projektträgers, der Wirtschaftskammer Burgenland, wird betont, dass es sich dabei um Ideen aus den Expertengruppen handelt. Wichtig war es, die Stimmen derer zu berücksichtigen, die in der Region leben und arbeiten. Begleitend dazu führte IMAS - Institut für Markt- & Sozialanalysen Ges.m.b.H. eine persönliche Umfrage (1.015 Befragte) in Österreich hinsichtlich des Images des Neusiedler Sees durch.
Befragung zu Bekanntheit und Mobilität
Der IMAS-Studie zufolge gaben vier Fünftel (83 Prozent) der Befragten an, den Neusiedler See zu kennen, hinsichtlich der Bekanntheit rangiert er in dieser Umfrage auf Platz zwei hinter dem Wörthersee. Knapp drei Viertel bezeichneten die Seeregion Neusiedler See als sehr attraktiv oder eher attraktiv, etwa die Hälfte bekundete Interesse an einem Urlaub oder Tagesausflug. Als spontane Assoziationen mit der Region wurden Freizeitaktivitäten und Sportangebot (26 Prozent), der Hinweis auf die geographische Lage (22 Prozent) und die Beschreibung des Neusiedler Sees (21) genannt. Weinbau und Kulinarik brachten 14 Prozent der Befragten mit der Region in Verbindung. Obwohl rund zwei Drittel der Befragten in Österreich bevorzugt mit dem Pkw in den Urlaub fahren, zeigte ein Viertel in der Studie großes Interesse, mit öffentlichen Verkehrsmitteln in die Region Neusiedler See anzureisen. Für die Fortbewegung im Urlaubsgebiet äußerten rund 30 Prozent den Wunsch nach speziellen Bustouren (Shuttlebusse sowie Hop-on/Hop-off-Touren). Weiters wurde dem E-Bike-Verleih große Bedeutung beigemessen. Eher gering ist hingegen der Wunsch nach Car-Rental-Service.
Erweiterung des Angebots in den Bereichen Natur, Kultur und Sport
Hinsichtlich der Angebotsentwicklung äußerten die Diskussionsteilnehmer in Workshops vordergründig den Wunsch in Richtung einer breiteren Denkweise. So kann der Ausbau von Sportarten wie Kanu- oder Kajakfahren, die auch bei niedrigem Wasserstand möglich sind, eine attraktive Ergänzung bieten. Als Ausübungsort dafür eignen sich Schilfkanäle, deren Wiederherstellung sich wiederum positiv auf die Zirkulation und in der Folge den Wasserstand auswirkt. Ein weiteres angedachtes Projekt zielt auf die Errichtung von Stegen durch den Schilfgürtel ab, das am Westufer Beobachtungsinseln und Aussichtsplattformen beinhaltet und zur besseren Verbindung der Gemeinden beiträgt. In diesem Zusammenhang wurde zugleich die Notwendigkeit der Verkehrsanbindung sowie die Schaffung alternativer Mobilitätsformen wie Shuttlebus, Pferdekutschen oder Bummelzug deutlich. Stärker gewünscht wird in diesem Zusammenhang seitens der Verantwortlichen zudem eine verstärkte see- sowie grenzüberschreitende Vernetzung, die ebenfalls mit Mobilitätsanbindung im Zusammenhang steht (z. B. Shuttle von den Fähren in die Ortskerne).
Digitalisierung und Information der Gäste
Wenngleich mit der App Burgi des Burgenland Tourismus und dem Burgenländischen Anruf-Sammeltaxi bereits Angebote geschaffen wurden, die Einheimische wie Gäste für Erlebnisse in der Region nutzen können, sind diese laut Angaben der Projektteilnehmer in den Tourismusbetrieben wenig bekannt. Sie äußerten den Wunsch nach Digitalisierung in Form eines benutzerfreundlichen digitalen Info-Tools, das Veranstaltungen, Gastronomie und Freizeitmöglichkeiten übersichtlich darstellt und über QR-Codes auf allen regionalen Drucksorten erreichbar ist – ohne dabei zusätzliche Kosten für die Betriebe zu verursachen.
Projektleiter Franz Perner, Vanessa Sochr (Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus), Wirtschaftskammerpräsident Mst. Andreas Wirth, Honorarkonsul Károly Zsolt Balogh (Österreichisches Honorarkonsulat Steinamanger) und Projektbegleiter Felix Josef (v. l.) // Foto © WKB