Lohntransparenz: Kein Gold Plating
Was zählt: Gleiches Entgelt für gleichwertige Arbeit, aber keine extrem komplizierten Regeln.
Lesedauer: 1 Minute
Das Problem
Beispiel 1 Startup: "Papier statt Produktentwicklung"
Ein junges Startup wächst schnell. Statt neue Produkte zu entwickeln, muss der Gründer plötzlich umfangreiche Gehaltssysteme, Berichte und Dokumentationen erstellen. Nicht weil es unfair zahlt – sondern weil die Regeln extrem kompliziert sind. Monate gehen für Formulare, Workshops und Berichte drauf. Innovation wird durch Bürokratie ersetzt.
Problem: Startups sollen Jobs schaffen – stattdessen sitzen sie am Schreibtisch und füllen Excel‑Tabellen aus.
Beispiel 2 Mittelbetrieb: "Berichte, Berichte, Berichte – und am Ende trotzdem Ärger"
Ein Handelsbetrieb zahlt nach Kollektivvertrag und hat klare Löhne. Trotzdem muss er jährlich detaillierte Berichte über Gehaltsunterschiede erstellen – inklusive Software, Schulungen und Abstimmungen. Liegt der Unterschied über einem bestimmten Wert, folgen neue Berichte, Fristen und mögliche Strafen – selbst wenn es sachliche Gründe gibt.
Problem: Wer alles richtig macht, wird trotzdem mit Bürokratie überzogen.
Beispiel 3 Produktionsbetrieb: "Monatelange Prüfungen ohne echten Nutzen"
Ein Industriebetrieb stellt fest, dass es wegen Schichtarbeit Unterschiede im Einkommen gibt. Das ist erklärbar – löst aber einen monatelangen Prüfprozess aus: Analysen, Aktionspläne, Berichte, Kontrollen. Am Ende bleibt vor allem eines: enormer Verwaltungsaufwand.
Problem: Erklärbare Realität wird wie ein Problem behandelt – mit viel Papier und wenig Mehrwert.
Wir fordern
- Keine zusätzliche Bürokratie durch Gold Plating: Österreich ist bei Lohntransparenz im internationalen Vergleich sehr weit. Wenn Unternehmen kollektivvertraglich geregelte, geschlechtsneutrale Entgeltsysteme anwenden, sollte dies ausreichend sein.
- Die Umsetzungsfrist für die Richtlinie sollte um ein bis zwei Jahre verlängert werden.
- Keine verpflichtenden analytischen Arbeitsplatzbewertungen: komplexe Bewertungsverfahren würden insbesondere KMU in ihrer Entlohnungspraxis überfordern.
- Keine unnötigen Eingriffe in gewachsene und bewährte Kollektivvertragsstrukturen.
- Grundsatz "Beraten statt strafen"
Zu den Fakten:
Mit einer KV-Abdeckung von rund 98% verfügt Österreich über ein System, das Entgelte branchenweit regelt und klare, nachvollziehbare Strukturen schafft. Zudem bestehen bereits mehrere Transparenzinstrumente, etwa verpflichtende Mindestentgeltangaben in Stellenausschreibungen oder Einkommensberichte in größeren Unternehmen. Statt weiterer Bürokratie braucht es effektive Maßnahmen, wie den Ausbau der Kinderbetreuung, um Vollzeitbeschäftigung für alle zu ermöglichen.