Modulare Ausbildung − Der modulare Weg in die Kommunikationselektronik
Aufbau und Schwerpunkte der Ausbildung
Lesedauer: 7 Minuten
Arbeitsgebiete der Kommunikationselektronik
In den letzten beiden Jahren haben wir daran gearbeitet, die Lehre und ihre fachlichen Inhalte komplett umzubauen. Die Gründe dafür waren erstens eine inhaltliche Veränderung unserer Arbeitsgebiete, eine sachliche Änderung der Inhalte und der Wunsch der Bundeswirtschaftskammer, verschiedene Berufsausbildungen zu modularisieren.
Zum ersten Punkt unsere Arbeitsgebiete, ist zu sagen, dass es drei hauptsächliche Arbeitsbereiche gibt:
- Instandsetzungsbereich (klassisches Service),
- den Antennenbau und
- die professionelle Technik.
Abgesehen von regionalen Unterschieden ist bundesweit zu beobachten, dass das klassische Service weniger wird, professionelle Technik mehr und der Antennenbau in etwa gleichbleibt. Die Schwerpunktthemen der Ausbildung wurden dem angepasst.
Auch eine sachliche Anpassung der Lehrinhalte musste erfolgen. Heute braucht man kein Wissen mehr darüber, wie ein Stereodemodulator oder das PAL-System funktionieren, dafür ist Wissen über Netzwerktechnik oder das Spleissen eines LWL gefragt. Auch solche Anpassungen wurden vorgenommen.
Ein wichtiger Punkt, warum das ganze System modularisiert wurde, ist darin zu suchen, dass die Berufsschulen organisatorische Probleme haben, viele kleine Klassen zu führen. Man hat daher gesagt: Berufe, die in der Grundausbildung sehr ähnliche Inhalte vermitteln, können dies die ersten zwei Jahre auch gemeinsam machen, etwa frei nach dem Motto, das Ohm’sche Gesetz ist für alle gleich. Danach trennen sich die Lehrberufe, das Hauptmodul hat nur mehr fachspezifische Inhalte. Zuletzt besteht noch die Möglichkeit, die Ausbildung mit einem freiwilligen Spezialmodul aufzuwerten.
Ob diese Modularisierung ‚das Gelbe vom Ei‘ ist, ist noch nicht in Stein gemeißelt. Für die Lehrlinge bringt es den Vorteil, in den ersten beiden Jahren innerhalb verwandter Fächer wechseln zu können, ohne von Null beginnen zu müssen. Für Betriebe, die mehrere verwandte Berufe ausbilden, bringt das auch mehr Flexibilität. Für die Berufsschulen bringt es vollere Klassen in den beiden ersten Jahren. Und die kleineren Klassen in den nächsten 18 Monaten schaffen vielleicht die Möglichkeit einer individuelleren Betreuung der Schüler.
Für uns als Berufsgruppe bringt es auch den Vorteil, so die Inhalte des Hauptmoduls und der Spezialmodule rascher und unbürokratischer anpassen zu können.
Im Detail sieht das jetzt wie folgt aus:
2 Jahre Grundmodul
1 ½ Jahre Hauptmodul
½ Jahr freiwilliges Spezialmodul.
Als Spezialmodul hatten wir bislang nur Netzwerktechnik mit Schwerpunkt AV-Technik vorgesehen. Als Spezialmodule in der neuesten Ausführung gibt es zur Auswahl
Weitere Spezialmodule können aber bei Bedarf geschaffen werden, das ist zunächst von den Wünschen unserer Mitgliedsbetriebe abhängig.
Tätigkeitsmerkmale
Die Elektronik befasst sich mit der Entwicklung und Anwendung elektronischer Bauteile und Schaltkreise, die heute als Steuerelemente in den meisten Bereichen der Technik nicht mehr wegzudenken sind. Der Beruf ist sehr vielseitig und stellt hohe Anforderungen. Wichtige Anwendungsgebiete sind z.B. die Maschinen- und Anlagensteuerung, die Computertechnik, die Kommunikationstechnik, die Gebäudetechnik, die Fahrzeugtechnik und die Medizintechnik. ElektronikerInnen stellen unter anderem elektronische Bauelemente, Schaltungen sowie Leiterplatten her und bauen sie in Geräte, Maschinen und Fahrzeuge ein. Sie sorgen für die Wartung und Reparatur der elektronischen Teile und Schaltungen und wirken an der Entwicklung neuer Anwendungen mit.
Einige Kenntnisse, die ElektronikerInnen benötigen, sind:
- elektrische Messtechnik (Messung elektrischer Größen mit Messgeräten und Sensoren),
- Analog- und Digitaltechnik,
- Gebäudetechnik, Erdungs- und Überspannungsschutzanlagen,
- Anfertigung von technischen Zeichnungen und Schaltplänen,
- Herstellung und Design von Leiterplatten,
- elektronische Schaltungen und Baugruppen,
- Herstellung von Verbindungen (Klemm-, Steck-, Schraubverbindungen, Kerbverbindungen, Weichlöten),
- Verlegen und Anschließen von Leitungen und Kabeln,
- Instandhaltung und Wartung elektronischer und elektromechanischer Bauteile, Mikrocomputersysteme, Betriebssysteme und Bedieneroberflächen, Netze/Netzwerke und Verbindungstechniken,
- elektromagnetische Verträglichkeit (EMV) und elektrostatische Entladung (ESD).
Hauptmodul "Informations- und Kommunikationselektronik":
Die Informations- und Kommunikationselektronik umfasst Funk- und Mobilfunkanlagen, Antennen- und Satellitenanlagen, Sende- und Empfangsanlagen für Radio- und Fernsehen, Antennen für die Flugsicherung oder Videoüberwachungsanlagen.
Die ElektronikerInnen für Informations- und Kommunikationselektronik installieren und montieren Kabel- und Funknetzwerke sowie Lichtwellenleiter-Netze einschließlich aller benötigten Netzwerkkomponenten für diese Anlagen. Sie nehmen die Anlagen in Betrieb und überprüfen alle Funktionen. Dabei Arbeiten sie nach technische Unterlagen und elektronischen Plänen (z.B. Zeichnungen, Schaltpläne, Bauteilskizzen, Bestückungspläne, Betriebsanleitungen), die sie teilweise auch selbst erstellen.
Zu ihren Aufgaben gehört weiters die Anfertigung von elektronischen Bauteilen und Schaltungen, die Planung und Dimensionierung der Komponenten und Baugruppen, die Programmierung und Konfigurierung der Einstellungen sowie die Durchführung von Fehlerdiagnosen.
Eine wichtige Aufgabe ist die Reparatur von digitalen Endgeräten und Anlagen der Informations- und Kommunikationselektronik; dabei müssen die Ursachen der Fehler/Defekte mit speziellen Messgeräten (z.B. Oszilloskope, Sensoren) gesucht und eingegrenzt und dann fehlerhafte Bauteile und Komponenten ausgetauscht werden.
Spezialmodul "Netzwerktechnik":
In der Netzwerktechnik geht es um die Einrichtung, Konfiguration, Inbetriebnahme, Verwaltung und Absicherung von Serverbetriebssystemen und Computer-Netzwerken. Die ElektronikerInnen mit Spezialisierung auf Netzwerktechnik erstellen die Netzwerkkonfiguration von PCs, weisen IP-Adressen zu (das sind Zahlencodes für Geräte in einem Computernetzwerk oder im Internet) und führen Änderungen sowie Erweiterungen von Serverbetriebssystemen und Netzwerken durch.
Sie beheben Störungen und suchen Fehlerquellen mit Hilfe spezieller Messgeräte, tauschen Kabel, Bauteile und Netzwerkkomponenten aus, aktualisieren Betriebssysteme und Software und führen Netzwerkanpassungen durch.
Spezialmodul "Eisenbahntelekommunikationstechnik"
In der Eisenbahntelekommunikationstechnik geht es um spezielle Telekommunikationseinrichtungen der Bahn wie vor allem Zuglaufcheckpoints, Videoanlagen, Lautsprecheranlagen, Uhrenanlagen, automatische Zugzielanzeigeanlagen und rechnergestützte Zugüberwachungen. ElektronikerInnen mit Spezialisierung auf Eisenbahntelekommunikationstechnik sorgen für die Errichtung, Inbetriebnahme, Prüfung und Dokumentation dieser Anlagen.
Im Rahmen der technischen Betreuung und wiederkehrenden Prüfung dieser Anlagen nehmen sie Störungsmeldungen entgegen, erstellt Fehlerdiagnosen und sorgen für die rasche Reparatur im Störungsfall. Zu ihren Aufgaben zählen die laufende Instandhaltung und das systematische Eingrenzen, Auffinden und Beheben von Fehlern, Mängeln und Störungen.
Spezialmodul "Satellitenempfangstechnik und Breitbandkabelnetze"
ElektronikerInnen mit der Spezialisierung "Satellitenempfangstechnik und Breitbandkabelnetze" installieren Anlagen der Satellitenempfangstechnik (z.B. Satellitenschüsseln zum Empfangen von Satellitenrundfunk bzw. Satellitenfernsehen) und Breitbandkabelnetze (z.B. Internet-Kabelanschlüsse, Kabelfernsehen). Sie installieren die Leitungen und die Empfangs- bzw. Übertragungsgeräte, nehmen die Anlagen in Betrieb, prüfen alle Funktionen und dokumentieren ihre Arbeiten (Abschlussbericht).
Weiters errichten sie auch Sat-Verteilanlagen (Gebäudeverkabelung für den Gemeinschaftsbetrieb mehrerer Teilnehmer), die sie ebenfalls installieren, in Betrieb nehmen und prüfen. Die ElektronikerInnen mit Spezialisierung auf "Satellitenempfangstechnik und Breitbandkabelnetze" sind auch für die technische Betreuung dieser Anlagen zuständig und sorgen für deren laufende Instandhaltung, indem sie Fehlern, Mängel und Störungen beheben (z.B. Kabelreparaturen).
Unser Lehrberuf hat auch seinen Namen geändert. Lehrverträge bei den KEL werden jetzt abgeschlossen auf die Berufsbezeichnung "Elektronik mit Hauptmodul Kommunikationselektronik".
Und was kommt danach?
Soeben in Ausarbeitung ist die Höhere Berufliche Qualifikation (HBQ) über den Nationalen Qualifikationsrahmen (NQR). Nach einigen Jahren Berufserfahrung – typischerweise nach dem Lehrabschluss als Kommunikationselektroniker – in der Branche mit einem Vollzeitäquivalent kann man um Zulassung zur Validierung auf Level 5 ansuchen. Danach ist der nächste Schritt in eine erfolgreiche Zukunft gegangen.
Wer mehr lernen will …
Es gibt auch die Möglichkeit, eine Lehre mit der Matura zu verbinden. Diese Möglichkeit wird von immer mehr Personen gewählt. Warum? Weil es die ideale Voraussetzung bietet, theoretisches Wissen mit viel Praxis zu kombinieren, und das auf dem höchstmöglichen Niveau. Die Kombination aus Thearie und Praxis ist der beste Garant, sich in einer rasch wandelnden beruflichen Umwelt zu etablieren und bietet auch die besten Möglichkeiten zur fachlichen Entfaltung.
Weiterführende Informationen findet man:
- Lehre und Matura
- Berufsmatura: Lehre mit Reifeprüfung
- Berufsmatura: Lehre mit Reifeprüfung - FAQ (Häufig gestellte Fragen)
Meisterprüfung
Im geschäftlichen Umgang mit Kunden ist es immer von Vorteil, eine Qualifikation vorweisen zu können. Seitens der Hersteller werden beinahe inflationär Zertifizierungen angeboten, die in den meisten Fällen nicht viel mehr bedeuten, als dass ein Mitarbeiten einen Tag lang einem Vortrag zugehört hat und über ein bestimmtes Produkt ebenso gut unterrichtet ist wie jemand, der die Homepage genau studiert hat.
Der weitaus bessere Weg, seine Kompetenz unter Beweis zu stellen, ist die Meisterprüfung. Wie schon der Name sagt, reines Zuhören im Vorfeld reicht da nicht, da muss man sein Wissen und seine Fähigkeiten vor einer Kommission unter Beweis stellen. Vier Tage dauert so eine Prüfung. Und sie berechtigt auch dazu, das Gewerbe auszuüben.
Die Meisterprüfung soll aber nur als Einstieg in den fachlichen Werdegang betrachtet werden. Lebenslanges Lernen ist in jedem Fall notwendig. Auch hier gibt es jede Menge Angebote von verschiedensten Anbietern, zumeist handelt es sich dann um fachspezifische Themen, die Akademien von Herstellern von Produkten und Technologien führen.
Ist die Meisterprüfung noch zeitgemäß? Vom Inhalt her auf jeden Fall, vielleicht muss man über einen neuen Namen dafür nachdenken.
Was beinhaltet eine Meisterprüfung eigentlich? Nun, natürlich den fachlichen Teil, geteilt in Theorie und Praxis. Ein "Meisterstück" muss angefertigt werden, Dokumentation dazu erstellt und eine technische Beschreibung angefertigt werden. Umfassendes Grundlagenwissen und zu mindestens einem Fachgebiet tiefgreifendes Spezialwissen muss durch mündliche und schriftliche Prüfung nachgewiesen werden. Dann kommen natürlich noch kaufmännische Themen, im Speziellen Kalkulation, dazu, über Vorschriften und Normen muss man auch noch Bescheid wissen. Den Buchhalterischen Teil und eventuell die Ausbilderprüfung macht man noch getrennt davon.
Ein "Zertifikat" kann da in keiner Weise qualitativ mithalten.
Wir haben noch viel vor! Jetzt geht´s erst so richtig los! Werde auch Du Kommunikationselektroniker! Wir brauchen DICH!