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Zweiteiliges Porträt von Christian Hölbling auf einem Korbstuhl: Links vor grünem Hintergrund sitzt er mit Buch in der Hand und nachdenklichem Blick, eine Brille am Mund. Rechts vor gelbem Hintergrund lächelt er und zeigt mit dem Finger nach vorne. Im Hintergrund sind stilisierte Umrisse einer Landkarte angedeutet.
© KK

"Unsere Verwaltung ist angstgesteuert"

Zwischen Satire und Systemkritik analysiert Kabarettist Christian Hölbling Kärntens Industriestandort, überbordende Regulierung und politische Verflechtungen - und fordert mehr Transparenz, mehr Mut und ein neues wirtschaftliches Selbstverständnis. 

Lesedauer: 5 Minuten

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04.03.2026

Herr Hölbling, wenn Sie ein Abendprogramm über "Die Industrie in Kärnten" schreiben müssten - wie würde der Titel lauten?

Christian Hölbling: "Kärnten läuft doch!" Mal als Arbeitstitel. Wenn ich beauftragt werde, überlege ich mir vielleicht noch was Besseres ...

Und gibt es für die Industrie dabei auch was zum Lachen?

Mit Sicherheit. Ich hatte schon die merkwürdigsten Spezialprogramme. Man kann aus jedem Thema etwas herausholen. Die ganz schrägen Sachen macht meine Kunstfigur Helfried und den Rest der Hölbling. 

Als gebürtiger Steirer sind Sie in Kärnten ein "Zuagraster". Worüber müssen Sie in Kärnten lachen und worüber können Sie nur den Kopf schütteln?

In meinem neuen Programm "Der Wechselseitige" thematisiere ich meine steirisch-kärntnerische Doppelexistenz, da darf über beides gelacht werden. Jeder österreichische Dialekt eignet sich, um eine bestimmte Mentalität kabarettistisch überspitzt zu beschreiben. In Kärnten wäre das der sympathische Strizzi, der nicht ganz zuverlässig ist. Da ist schon der Süden spürbar. Was mich wahnsinnig macht, ist die Verbohrtheit, was die Zweisprachigkeit betrifft. Dieses große Potenzial, das Kärnten da in Wahrheit hat, wird immer wieder von einer gewissen politischen Gruppe für ideologische Zwecke missbraucht. Das versteht niemand, der einigermaßen bei Verstand ist.

Sie beobachten Politik, Verwaltung und Wirtschaft seit Jahren sehr genau - mit Humor, aber auch mit Ernst. Kann man die derzeitige geopolitische Situation überhaupt noch mit Humor nehmen?

Das ist wirklich eine Herausforderung. Man versinkt sehr leicht in Resignation oder sogar Depression, wenn man Nachrichten hört. Ich bezweifle, dass Trump, Putin und Konsorten überhaupt Humor haben, deswegen wollen sie auch alles verbieten, was satirisch ist. Narzissten und Psychopathen können am allerwenigsten über sich selbst lachen, deswegen ist Humor immer noch eine scharfe Waffe, für die man keinen Waffenschein braucht.

Kärnten ist ein Industriestandort mit Hidden Champions, Weltmarktführern und starker Exportquote. Wird das in der öffentlichen Wahrnehmung Ihrer Meinung nach ausreichend gewürdigt?

Ganz klar nein. Viele Menschen außerhalb, aber auch innerhalb Kärntens glauben sicher, dass der Tourismus die größte Wertschöpfung bringt. Ich denke, es wäre gut, hier niedrigschwellige Aufklärung zu betreiben.

In Ihrer Sendung "Vurschrift ist Vurschrift" nehmen Sie Bürokratie und Regelwerke satirisch unter die Lupe. Viele Industrieunternehmen kämpfen täglich mit komplexen Vorschriften. Wo endet Ihrer Meinung nach notwendige Regulierung und wo beginnt wirtschaftshemmende Überregulierung?

Die Sendung wurde leider selbst "wegreguliert". Vielleicht war sie zu gefährlich? Ich habe eine große Aversion gegen überzogene Bürokratie. Das Hauptproblem ist, glaube ich, dass unsere Verwaltung oft angstgesteuert ist. Man hat Angst, Entscheidungen zu treffen, weil sie falsch sein und juristische Probleme bringen könnten. Es wäre dringend zu überprüfen, wie man dieser Angst die Grundlage entziehen kann. Denn falsche Entscheidungen können gegebenenfalls korrigiert werden, aber wenn Entscheidungen gar nicht oder sehr spät getroffen werden, ist das lähmend für die Produktivität. Wegen der Angst werden Entscheidungen hin- und hergeschoben, wodurch sich die Verwaltung in hohem Maße mit sich selbst beschäftigt und lähmt. Dennoch soll natürlich sorgfältig gearbeitet werden und nicht husch-pfusch, aber es ufert doch sehr oft aus.

In Ihren "Kasnudl-Protokollen" geht es um Netzwerke, Machtstrukturen und den Umgang mit Steuergeld. Wo sehen Sie die Grenze zwischen notwendiger wirtschaftlicher Vernetzung und problematischer Verflechtung?

Bei diesem Aufklärungsabend mit Franz Miklautz geht es manchmal um strafrechtlich Relevantes, manchmal um moralisch Verwerfliches und meistens um Korruption. Und die ist der Feind einer freien Wirtschaft. Wenn das Freunderl eines Politikers auf direktem Weg einen Auftrag kriegt, widerspricht das einfach meinem Verständnis von Fairness. Es schanzen sich die immer gleichen Hawara gegenseitig die G'schäftln zu, und alle anderen sind draußen. Das passiert gerade in Klagenfurt. Und solange hier nicht mit demokratischen und juristischen Mitteln saubere Verhältnisse hergestellt werden, wird diese Stadt auch nicht aus ihrer Lethargie herauskommen.

Unternehmer:innen tragen Verantwortung - für Mitarbeiter:innen, Region und Innovation. Wird wirtschaftliche Leistung in Österreich aus Ihrer Sicht ausreichend anerkannt?

Nein. Ich bin zwar Künstler, aber seit meinem 20. Lebensjahr selbstständig. Ich zahle Einkommensteuer und bin für mich selbst verantwortlich. Ich muss also auch wirtschaftlich denken. Das ist bitter für alle, die Künstlerinnen und Künstler generell für Tachinierer und Subventionsempfänger halten. Genauso gibt es oft von linker Seite einen Generalverdacht gegen alle Unternehmer als "Kapitalisten", und da werden Familienunternehmen mit Multi-Konzernen in einen Topf geworfen. Das ist Unsinn. Fakt ist, dass wir unseren Wohlstand alle gemeinsam irgendwie erarbeiten müssen. Wenn alle nur mehr Youtuber und Influencer sind, und das auch nur 15 Stunden in der Woche, bin ich neugierig, wie sich das ausgeht.

Wenn Sie auf Kärnten blicken: Wo braucht es mehr Transparenz und wo mehr Mut?

Transparenz auf allen Verwaltungsebenen, von denen es zu viele gibt. Misswirtschaft und Gewurschtel blühen dort, wo die Fakten nicht auf dem Tisch liegen, wo keiner die echten Zahlen und Zuständigkeiten kennt. Und Mut in der Bildung eines neuen Selbstverständnisses. Statt "Wos werstn" und "Lei losn" braucht es das Bild eines modernen zweisprachigen Kärntens, das sich als Wirtschafts- und Kulturland versteht und sich mit den besten Regionen Europas misst.

Was würden Sie einem jungen Menschen sagen, der heute überlegt, in einem Industriebetrieb Karriere zu machen?

Geh deiner Begeisterung nach. Wenn du tüchtig bist, wenn du eigenständig denkst und kreativ bist, kannst du mehr erreichen, als du vielleicht glaubst.

Sie haben sich die Kunstfigur „Helfried“ ausgedacht. Welchen Ratschlag würde Helfried den Führungskräften der Kärntner Industrie mit auf den Weg geben?

"Immer das Licht ausschalten. Auch Kleinvieh macht Mist."

Hinweis
Das aktuelle Programm "Der Wechselseitige" von Christian Hölbling hat am Donnerstag, 5. März 2026 im Kärnten Museum Premiere. 
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