Senza Confini: Grenzenlos vernetzt
Laura Springer, Präsidentin des Clubs Alpbach Senza Confini, spricht im Interview über junge Talente und warum Zukunft durch Austausch entsteht.
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„Senza Confini“ bedeutet „ohne Grenzen“ - was bedeutet dieser Name ganz persönlich für Sie?
Für mich ist das sowohl geografisch als auch gedanklich ein vielseitiges Motto. Ich bin in Klagenfurt aufgewachsen, habe in Vancouver maturiert und in Wien studiert. Diese Erfahrung hat mir früh gezeigt, wie bereichernd es ist, sich sprachlich, disziplinär und auch sozial bilden und vernetzen zu können. Genau das verkörpert unser Club: Wir bringen Kärnten, Slowenien und Veneto & Friuli-Venezia Giulia zusammen - historisch komplexe, multikulturelle Teile Europas, und heute mehr denn je durch gemeinsame Werte, Ziele und Kooperationsmöglichkeiten verbunden.
Für alle, die den Club vielleicht noch nicht kennen: Was steckt hinter dem Club Alpbach Senza Confini und was macht ihn besonders?
Der Club Alpbach Senza Confini ist Teil des Forum Alpbach Network, das aus mehr als 30 Alumni-Organisationen in 20 Ländern besteht. Als gemeinnütziger Verein vergeben wir seit 2003, dank der Unterstützung unserer Sponsoren, jährlich Stipendien an junge High-Potentials aus der Alpe-Adria-Region, um ihnen die Teilnahme am Europäischen Forum Alpbach zu ermöglichen. Das Forum findet seit 1945 jährlich im Tiroler Bergdorf Alpbach statt und bringt junge Menschen mit Entscheidungsträger zusammen, um die drängenden gesellschaftspolitischen Fragen unserer Zeit zu diskutieren.
Der Club bringt Menschen aus unterschiedlichen Ländern, Disziplinen und Bereichen zusammen. Warum sind solche Netzwerke heute wichtiger denn je?
Die großen Fragen unserer Zeit - Demokratie, Klimawandel, wirtschaftliche Transformation - kennen keine nationalen oder fachlichen Grenzen. Das Europäische Forum Alpbach bringt junge Menschen aus Europa und der ganzen Welt mit den innovativsten Köpfen aus Politik, Wirtschaft, Zivilgesellschaft, Kultur und Wissenschaft zusammen, um Ideen für ein starkes und demokratisches Europa voranzutreiben. Genau diese interdisziplinäre, intergenerationale Begegnung brauchen wir: Lösungen entstehen dort, wo unterschiedliche Perspektiven aufeinandertreffen. Mit über 350 Mitgliedern, der Großteil davon ehemaligen Stipendiatinnen und Stipendiaten, schafft unser Netzwerk genau diesen Raum, in und außerhalb von Alpbach.
Die Sparte Industrie unterstützt jährlich ein Stipendium. Warum sind Partnerschaften zwischen Wirtschaft und Initiativen wie Senza Confini aus Ihrer Sicht so wertvoll?
Wer als Unternehmen oder Wirtschaftsvertreter ein Stipendium finanziert, tut etwas Konkretes für die nächste Generation. Ein Stipendium deckt die Teilnahmegebühr und die Unterkunftskosten für die gesamte Dauer des Forums - das ist eine erhebliche finanzielle Hürde, die viele junge Talente sonst nicht stemmen könnten. Die Industrie investiert dabei nicht nur in einen jungen Menschen, sondern in ein Netzwerk, in Ideen und letztlich in die eigene Zukunft - denn die Stipendiatinnen und Stipendiaten von heute stellen mit ihrer Qualifikation und Motivation potentielle (Zukunfts-)Talente für die eigene Region dar.
Und wie können Jugendliche zu solchen Stipendien kommen?
Bewerben können sich junge Menschen zwischen 18 und 30 Jahren, die einen geografischen Bezug zur Alpe-Adria-Region haben, unter www.senza-confini.com - unabhängig von Fachrichtung oder beruflicher Orientierung. Der Bewerbungsprozess umfasst unter anderem ein Motivationsschreiben und einen Lebenslauf - wir freuen uns über authentische Bewerbungen von vielseitigen und engagierten Personen.
Welche Chancen ergeben sich für junge Menschen durch ein Alpbach-Stipendium - und was nehmen sie meist davon mit zurück?
Stipendiatinnen und Stipendiaten sind die einzigen Teilnehmenden, die die gesamte Dauer des Forums vor Ort verbringen. Sie erhalten Zugang zu einem hochkarätigen Konferenzprogramm und einem sozialen und kulturellen Rahmenprogramm. Es entstehen Chancen für Konversationen und Freundschaften, für Diskussionen und Ideen mit Menschen, für die sich in einem alltäglichen Kontext vielleicht keine Zeit oder kein Rahmen bietet.
Industrie befindet sich aktuell in einem starken Wandel - Digitalisierung, KI, Nachhaltigkeit, neue Arbeitswelten. Welche Themen beschäftigen die jungen Talente und Mitglieder Ihres Netzwerks derzeit besonders?
Das EFA26 steht heuer unter dem Motto „How Europe Wins" - Ist Europa auf dem Weg zum Erfolg? Kann Europa bei den entscheidenden Fragen noch gewinnen? Die vielfältige Aufstellung und Orientierung unserer Mitglieder spiegelt auch unsere Interessenschwerpunkte wider - aktuell sehen wir viel Diskussionspotential in dem “How”.
Wo sehen Sie künftig stärkere Berührungspunkte zwischen Industrie und dem Club Alpbach Senza Confini?
Ich sehe großes Potenzial in gemeinsamen Veranstaltungsformaten, etwa Diskussionsrunden oder Workshops, bei denen Unternehmensvertreterinnen und junge Netzwerkmitglieder direkt in Dialog treten. Die Alpe-Adria-Region ist wirtschaftlich eng verflochten, genau das ist auch unser Ansatz: die Vernetzung mit unseren Sponsoren und Kooperationspartnern ist für uns grundlegend um besser zu verstehen, was für Probleme und Möglichkeiten praktisch existieren, und einfach auch um in persönlichen Austausch zu kommen. Für Informationen zu Sponsoring-Aktivitäten stehen wir als Club immer gerne direkt zur Verfügung, und natürlich - je mehr Unternehmen Stipendien ermöglichen, desto vielfältiger und stärker wird unser Netzwerk.
Blicken wir ein paar Jahre nach vorne: Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Clubs - und welche Rolle könnte die Industrie dabei spielen?
Ich wünsche mir einen Club, der in der Alpe-Adria-Region wirklich als Impulsgeber wahrgenommen wird; nicht nur als Alumni-Netzwerk, sondern als Plattform, die Gesellschaft, Politik und Wirtschaft zusammenbringt. Das EFA-Erlebnis endet nicht in Alpbach: Durch das Forum Alpbach Network bleiben ehemalige Stipendiatinnen und Stipendiaten dauerhaft verbunden, in einem Netzwerk, das sich dem Aufbau eines besseren Europa verpflichtet fühlt. Die Industrie kann dabei eine Schlüsselrolle spielen - als Förderer, als Gesprächspartner und als Impulsgeber.