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Jan Kluge von Agenda Austria und Fachgruppenobmann Paul Perkonig
© KK | Fachgruppe Immobilientreuhänder

Mehr Wohnraum statt mehr Regulierung

Jan Kluge von Agenda Austria analysierte beim Sommercocktail der Immobilienbranche die Entwicklungen am österreichischen Wohnungsmarkt und zeigte auf, warum Eigentum, Investitionen und Neubau zentrale Zukunftsfragen sind. 

Lesedauer: 3 Minuten

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15.06.2026

Der Sommercocktail 2026 der Fachgruppe der Immobilien- und Vermögenstreuhänder Kärnten stand ganz im Zeichen eines Themas, das Wirtschaft, Politik und Bevölkerung gleichermaßen beschäftigt: die Zukunft des Wohnens in Österreich. Vor zahlreichen Gästen aus Wirtschaft, Politik und Immobilienbranche analysierte Jan Kluge von Agenda Austria in seiner Keynote "Wie Österreich seinen Wohnungsmarkt ruiniert" die Entwicklungen am österreichischen Wohnungsmarkt und sorgte mit klaren Aussagen für intensive Diskussionen. Im Mittelpunkt standen die Auswirkungen jahrzehntelanger Regulierungen, die sinkende Eigentumsquote, die rückläufige Neubautätigkeit und die Folgen politischer Eingriffe auf Angebot und Investitionsbereitschaft. 

"Das große Interesse zeigt, wie sehr die Themen Wohnen, Eigentum und Wohnbau derzeit bewegen", betonte Fachgruppenobmann Paul Perkonig. "Es braucht eine sachliche Diskussion und Entscheidungen, die sich stärker an Fakten und Expertise orientieren."

100 Jahre Politik für Mieter:innen

In seinem Vortrag zeichnete Kluge die Entwicklung der österreichischen Wohnungspolitik nach und sprach von mehr als 100 Jahren wohnpolitischer Maßnahmen zugunsten von Mietern. Die jüngsten Diskussionen rund um die Mietpreisbremse bezeichnete er als weiteres Beispiel einer Entwicklung, die kurzfristig populär erscheinen mag, langfristig jedoch Investitionen und Neubau erschwere. Die Folge seien weniger Wohnungsangebote und steigender Druck auf den Markt.

Stiefkind Eigentum

Gleichzeitig werde das Mieten in Österreich durch zahlreiche gesetzliche Regelungen unterstützt, während Eigentumsbildung vergleichsweise wenig gefördert werde. Dazu zählen unter anderem fehlende steuerliche Anreize für Selbstnutzer sowie hohe Einstiegskosten beim Erwerb von Wohnraum. 

Besonders kritisch sieht Kluge die Entwicklung beim Wohneigentum. Mit einer Eigentümerquote von lediglich 54 Prozent weist Österreich die zweitniedrigste Eigentümerquote innerhalb der Europäischen Union auf. Dabei sei Eigentum weit mehr als eine Wohnform. Es ermögliche Vermögensaufbau, reduziere langfristig Vermögensungleichheiten und stärke die regionale Verwurzelung der Bevölkerung. 

Allein selbstgenutzte Wohnimmobilien verzeichneten in Österreich seit 2010 einen Wertzuwachs von rund 87 Prozent. Gerade vor dem Hintergrund einer alternden Bevölkerung und regionaler Abwanderungstendenzen sei Eigentum ein wichtiger Faktor für die langfristige Bindung von Menschen an ihren Lebens- und Arbeitsstandort. "Eigentum schafft Perspektiven und stärkt die Bindung an eine Region. Gerade für Kärnten ist das eine zentrale Zukunftsfrage", so Perkonig.

Mehr bauen statt mehr regulieren

Einigkeit herrschte darüber, dass leistbarer Wohnraum nur durch ausreichendes Angebot entstehen kann. Sowohl Kluge als auch die Kärntner Immobilienwirtschaft sehen daher im Neubau einen wesentlichen Schlüssel zur Entspannung des Wohnungsmarktes. Neben einer stärkeren Förderung von Eigentum brauche es laut Kluge vor allem Wirtschaftswachstum, geringere steuerliche Belastungen und einen konsequenten Abbau bürokratischer Hürden. Als Beispiel nannte er die Dauer von Genehmigungsverfahren: Während die Errichtung einer Lagerhalle in Südkorea durchschnittlich innerhalb von 26 Tagen genehmigt werde, seien in Österreich dafür rund 222 Tage und elf Verwaltungsakte erforderlich. In Klagenfurt liege die Verfahrensdauer sogar bei rund 278 Tagen. 

Wohnbau als Standortfaktor

Für die Kärntner Immobilienwirtschaft ist klar: Die Herausforderungen am Wohnungsmarkt betreffen längst nicht mehr nur die Branche selbst, sondern den gesamten Wirtschaftsstandort. "Wer leistbares Wohnen will, muss ausreichend Wohnraum schaffen. Die beste Mietpreisbremse ist ein funktionierender Wohnungsmarkt mit genügend Angebot", so Perkonig. "Dafür braucht es Investitionen, Planungssicherheit und Rahmenbedingungen, die Bauen wieder ermöglichen."

Fazit: Der Sommercocktail 2026 machte deutlich: Die Probleme am Wohnungsmarkt sind bekannt, die Lösungsansätze liegen auf dem Tisch. Nun liegt es an der Politik, ideologische Grabenkämpfe hinter sich zu lassen und die Rahmenbedingungen für mehr Wohnbau, mehr Eigentum und mehr Angebot zu schaffen.

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