IT zwischen Wörthersee und Weltmarkt
René Rassnitzer spricht im Interview über den neuen priorIT Campus, globale Perspektiven und die Zukunft spezialisierter IT-Unternehmen aus Kärnten.
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priorIT erweitert den Campus von 1.0 auf 1.1. Was steckt hinter diesem Schritt - und welche Rolle spielt der Standort am Wörthersee für Ihre Unternehmenskultur?
René Rassnitzer: Mit Campus 1.1 gehen wir den nächsten strategischen Entwicklungsschritt für priorIT. Dabei geht es nicht nur um mehr Fläche, sondern vor allem um die qualitative Weiterentwicklung unserer Arbeits- und Innovationsumgebung. Wir möchten Räume schaffen, die Innovation, Zusammenarbeit und Wissenstransfer aktiv fördern. Der neue Campus soll ein Ort sein, an dem kreative Produktentwicklung, moderne Softwareproduktion und internationale Zusammenarbeit optimal möglich sind. Der Standort am Wörthersee spielt dabei eine zentrale Rolle. Die besondere Umgebung schafft nicht nur eine hohe Lebensqualität, sondern beeinflusst auch unsere Unternehmenskultur positiv. Ruhe, Natur und Offenheit fördern Kreativität, Fokus und Austausch. Für uns ist der Campus daher weit mehr als ein Büro – er ist ein Ort, an dem Menschen gerne zusammenarbeiten und gemeinsam Zukunft gestalten.
Was macht den priorIT Campus aus Ihrer Sicht mehr als nur zu einem Bürostandort?
Der priorIT Campus ist ein Ort für Begegnung, Innovation und Inspiration. Wir verstehen Arbeit nicht als reine Anwesenheit im Büro, sondern als gemeinsames Entwickeln von Ideen und Lösungen. Deshalb kombinieren wir moderne Arbeitsplätze mit offenen Kommunikationsflächen, hybriden Meetingräumen, Innovationszonen und Bereichen für Weiterbildung und Austausch. Mit der priorIT Academy schaffen wir zusätzlich einen Raum, in dem Wissen systematisch weitergegeben wird – intern wie extern. Gleichzeitig möchten wir Kund:innen und Partner:innen stärker in Innovationsprozesse einbinden und Co-Creation ermöglichen. Unser Ziel ist es, einen Campus zu schaffen, der Menschen verbindet und Innovation fördert.
Viele IT- und Beratungsunternehmen beschäftigen sich aktuell mit der Frage, wie moderne Arbeitswelten aussehen müssen. Welche Erfahrungen haben Sie mit Ihrem Campus-Modell gemacht?
Unsere Erfahrung zeigt, dass moderne Arbeitswelten vor allem Flexibilität, Vertrauen und inspirierende Rahmenbedingungen brauchen. Menschen möchten heute selbstbestimmt arbeiten, gleichzeitig aber auch echte Begegnung und Unternehmenskultur erleben. Genau dafür haben wir den priorIT Campus geschaffen. Besonders wichtig ist dabei die Kombination aus hybriden Arbeitsmöglichkeiten und bewusst gestalteten Begegnungsräumen. Innovation entsteht oft dort, wo Menschen spontan zusammenkommen, Ideen austauschen und voneinander lernen. Wir sehen, dass sich ein attraktives Arbeitsumfeld direkt positiv auf Motivation, Kreativität und Zusammenarbeit auswirkt – und letztlich auch auf die Qualität unserer Softwarelösungen.
priorIT ist in einer sehr spezialisierten IT-Nische tätig. Wie wichtig ist Spezialisierung heute, um sich als IT-Unternehmen langfristig erfolgreich am Markt zu positionieren?
Spezialisierung ist aus unserer Sicht einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren in der IT-Branche. Wir entwickeln seit vielen Jahren Softwarelösungen für Verwertungsgesellschaften im gesamten DACH-Raum und verfügen dadurch über ein sehr tiefes fachliches, technologisches und regulatorisches Verständnis dieser Branche. Gerade in Zeiten zunehmender Digitalisierung reicht technisches Know-how allein oft nicht mehr aus. Entscheidend ist, die Prozesse, Herausforderungen und Anforderungen der Kund:innen wirklich zu verstehen. Unsere Spezialisierung ermöglicht es uns, sehr präzise, qualitativ hochwertige und langfristig tragfähige Lösungen zu entwickeln. Gleichzeitig schafft sie Vertrauen und eine starke Positionierung am europäischen Markt.
Sie überlegen, ein Global Capability Center in Indien aufzubauen. Was macht Indien für priorIT als Standort interessant?
Indien ist einer der dynamischsten Technologie- und Innovationsstandorte weltweit. Besonders Städte wie Bangalore zeigen eindrucksvoll, wie stark Technologie, Unternehmertum und internationale Zusammenarbeit dort gelebt werden. Für priorIT ist Indien vor allem aufgrund des enormen IT-Know-hows, der Innovationskraft und des Zugangs zu hochqualifizierten Fachkräften interessant. Gleichzeitig sehen wir großes Potenzial darin, internationale Teams aufzubauen und voneinander zu lernen. Dabei geht es nicht nur um Technologie, sondern auch um neue Perspektiven, Arbeitsweisen und Denkansätze. Unsere Eindrücke bei der heurigen UBIT Studienreise vor Ort haben gezeigt, mit welcher Offenheit, Motivation und Dynamik dort gearbeitet wird – das war für uns sehr inspirierend.
Ein GCC ist keine klassische Auslagerung, sondern eine eigene Unternehmenseinheit im Ausland. Welche Chancen sehen Sie darin für Wachstum, Know-how-Aufbau und internationale Zusammenarbeit?
Ein Global Capability Center verstehen wir als strategische Erweiterung des Unternehmens – nicht als klassische Auslagerung. Der große Vorteil liegt darin, internationale Kompetenzen langfristig direkt im Unternehmen aufzubauen. Dadurch entstehen neue Möglichkeiten für Wissensaustausch, Skalierung und Innovation. Wir sehen darin die Chance, internationale Teams enger zu vernetzen und globale Perspektiven stärker in unsere Produktentwicklung einfließen zu lassen. Darüber hinaus kann ein GCC helfen, den Zugang zu Talenten zu erweitern und spezialisierte Kompetenzen gezielt aufzubauen – insbesondere in Bereichen wie Softwareentwicklung, KI oder digitale Plattformtechnologien. Entscheidend ist dabei, eine gemeinsame Unternehmenskultur zu schaffen und internationale Zusammenarbeit aktiv zu leben.
Gerade für UBIT-Mitglieder ist Internationalisierung ein wichtiges Thema. Welche Learnings können andere Kärntner IT- und Beratungsunternehmen aus Ihren Überlegungen mitnehmen?
Unser wichtigstes Learning ist: Internationalisierung beginnt im Kopf. Man muss nicht sofort weltweit tätig sein, aber offen dafür sein, neue Perspektiven kennenzulernen und Chancen außerhalb der eigenen Region zu sehen. Gerade kleinere und spezialisierte Unternehmen haben heute enorme Möglichkeiten, international erfolgreich zu sein – insbesondere im digitalen Bereich. Wichtig ist dabei, eine klare Positionierung zu haben und den Mut mitzubringen, neue Wege auszuprobieren. Gleichzeitig sollte man Internationalisierung nicht nur als wirtschaftliches Thema sehen, sondern auch als Chance für kulturellen Austausch und persönliches Wachstum. Die Offenheit gegenüber anderen Arbeitsweisen und Kulturen war für uns eine der wertvollsten Erfahrungen.
Wo sehen Sie für Kärntner IT- und Beratungsunternehmen die größten Chancen, wenn sie mutiger über regionale Grenzen hinausdenken?
Kärntner Unternehmen haben enormes Potenzial – insbesondere durch hohe Spezialisierung, Qualität und Innovationskraft. Die größten Chancen liegen aus unserer Sicht in internationalen Nischenmärkten, digitalen Geschäftsmodellen und globalen Kooperationen. Durch moderne Technologien und hybride Arbeitsmodelle ist es heute möglich, weltweit tätig zu sein und trotzdem regional verwurzelt zu bleiben. Gerade Unternehmen aus Kärnten können ihre Stärke darin nutzen, hochwertige Lösungen mit persönlicher Unternehmenskultur und hoher Flexibilität zu verbinden. Wer bereit ist, international zu denken, kann neue Märkte erschließen, Talente gewinnen und Innovation deutlich schneller vorantreiben.
Was ist Ihre Vision für priorIT in den kommenden Jahren - am Wörthersee und international?
Unsere Vision ist es, priorIT als führenden europäischen Spezialisten für Softwarelösungen im Bereich Verwertungsgesellschaften weiter auszubauen. Der priorIT Campus am Wörthersee soll dabei ein zentraler Innovations- und Begegnungsort bleiben – ein Standort, an dem Menschen gerne arbeiten, lernen und gemeinsam Zukunft gestalten. International möchten wir neue Formen der Zusammenarbeit aufbauen und unser Netzwerk weiterentwickeln. Dabei geht es uns nicht um möglichst schnelles Wachstum, sondern um nachhaltige Entwicklung, Qualität und langfristige Partnerschaften. Wir möchten regional verwurzelt bleiben und gleichzeitig international denken – genau diese Kombination sehen wir als große Stärke für die Zukunft.