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Vier Personen in Bürokleidung stehen nebeneinander an einem Stehtisch, auf dem ein Laptop steht. Die Person am Laptop gestikuliert mit den Händen, die anderen blicken zu ihr. Im Hintergrund sind Fensterfronten
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Zwischen Anspruch und Alltag: Das erwarten Makler:innen

Eine Umfrage der Fachgruppe unter Kärntens Versicherungsmakler:innen zeigt, wo der Schuh im Versicherungsalltag drückt und wo die Interessenvertretung ansetzen sollte.

Lesedauer: 4 Minuten

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21.04.2026

Der Arbeitsalltag der Mitglieder der Fachgruppe Versicherungsmakler und Berater in Versicherungsangelegenheiten hat sich in den letzten Jahren spürbar verändert. Neue regulatorische Anforderungen, steigende Haftungsfragen, der Druck zur Digitalisierung und gleichzeitig die tägliche Zusammenarbeit mit Versicherern fordern Zeit, Aufmerksamkeit und oft auch gute Nerven. Genau hier setzt die aktuelle Zufriedenheitsumfrage der Fachgruppe an: Sie fragt nicht nur nach Zufriedenheit, sondern danach, wo im Alltag wirklich der Schuh drückt.

Solides Fundament, steigende Erwartungen

89 Mitglieder haben an der Umfrage teilgenommen und ein differenziertes Bild gezeichnet. Auf den ersten Blick fällt dieses positiv aus: Rund 84 Prozent bewerten die Unterstützung durch die Fachgruppe als gut bis sehr gut. Ein solides Fundament also. Doch unter dieser Oberfläche wird auch klar: Die Erwartungen steigen. „Die hohe Zufriedenheit freut uns sehr. Gleichzeitig sind die Rückmeldungen für uns ein klarer Auftrag, noch konkreter und praxisnäher zu werden“, sagt Fachgruppenobmann Peter Tschernutter.

Wenn Wissen allein nicht mehr reicht

Weiterbildungen und Fachveranstaltungen zählen nach wie vor zu den wichtigsten Angeboten der Fachgruppe. Sie werden geschätzt und genutzt. Und doch zeigt die Umfrage eine Verschiebung: Es geht weniger darum, noch mehr Information zu liefern, sondern die richtigen. Viele Mitglieder wünschen sich Inhalte, die nicht erst übersetzt werden müssen, sondern direkt im Arbeitsalltag funktionieren. Weniger Theorie, mehr Anwendung. Weniger Überblick, mehr konkrete Hilfe. Diese Entwicklung ist kein Zufall. In einem Berufsalltag, der von Zeitdruck geprägt ist, zählt vor allem eines: Relevanz. Tschernutter sagt: „Wir wollen Angebote schaffen, die man nicht nur interessant findet, sondern die am nächsten Tag im Büro wirklich etwas verändern.“

Themen, die bewegen

Ein Blick auf die inhaltlichen Schwerpunkte zeigt, wo es aktuell hakt: Digitalisierung und Künstliche Intelligenz zählen ebenso zu den dominierenden Themen wie die Zusammenarbeit mit Versicherern. Gleichzeitig bleiben Regulierung und Haftung zentrale Herausforderungen im Hintergrund. Gerade hier wird jedoch eine strukturelle Grenze sichtbar: Viele dieser Themen werden auf Bundesebene im Fachverband verhandelt. Dort entsteht die Interessenvertretung, dort werden regulatorische Rahmenbedingungen begleitet. Für die Fachgruppe Kärnten bedeutet das: Der eigene Gestaltungsspielraum liegt vor allem dort, wo es um konkrete Unterstützung im Alltag geht.

Dort ansetzen, wo es spürbar wird

Und genau hier setzt die strategische Ausrichtung an. Digitalisierung und KI sind keine abstrakten Zukunftsthemen mehr, sondern längst Teil des täglichen Geschäfts. Die Frage ist nicht mehr, ob sie relevant sind, sondern wie man sie sinnvoll nutzt. „Gerade bei Digitalisierung und KI sehen wir enormes Potenzial, unsere Mitglieder ganz konkret zu unterstützen - mit Formaten, die echte Anwendungsfälle zeigen und Orientierung geben“, so Tschernutter.

Ein zweites zentrales Feld ist die Zusammenarbeit mit Versicherern. Sie ist für viele Makler:innen tägliche Realität und nicht immer reibungslos. Die Umfrage macht deutlich, dass hier ein Bedarf nach Austausch und Weiterentwicklung besteht. Die Fachgruppe kann hier eine Rolle als Vermittlerin einnehmen, als Plattform für Dialog, aber auch als Impulsgeberin für Verbesserungen.

Zeit ist die knappste Ressource

Ein besonders ehrlicher Blick zeigt sich bei den Gründen für Nicht-Teilnahme. Es sind nicht fehlendes Interesse oder mangelnde Wertschätzung, sondern ganz schlicht: Zeitmangel. Und oft auch das Gefühl, dass ein Thema nicht unmittelbar relevant ist. Das verändert die Anforderungen an Formate grundlegend. Es geht nicht mehr um große Veranstaltungen allein, sondern um zielgerichtete, gut integrierbare Angebote. Kürzer, präziser, abrufbar, wenn es gerade passt. Gleichzeitig bleibt ein Bedürfnis bestehen, das sich nicht digital ersetzen lässt: der Austausch untereinander. Tschernutter sagt: „Der Dialog innerhalb der Branche ist enorm wertvoll. Genau diesen Raum wollen wir künftig noch stärker schaffen.“

Was oft passiert - aber zu wenig sichtbar ist

Ein Thema zieht sich leise durch viele Rückmeldungen: die Interessenvertretung. Sie wird als wichtig wahrgenommen, aber nicht immer als sichtbar genug. Dabei passiert ein Großteil dieser Arbeit auf Bundes- und EU-Ebene - dort, wo die großen Rahmenbedingungen gestaltet werden. Für viele Mitglieder bleibt das jedoch abstrakt. Die Herausforderung liegt daher weniger im „Ob“, sondern im „Wie sichtbar“. „Unser Anspruch ist es, diese Arbeit transparenter zu machen und klar zu zeigen, was im Hintergrund für die Branche erreicht wird“, so Tschernutter.

Der nächste Schritt

Die Umfrage zeigt keine Krise. Im Gegenteil: Sie zeigt eine stabile Basis und eine funktionierende Struktur. Aber sie macht auch deutlich, dass sich die Rolle der Fachgruppe verändert. Weg von der reinen Informationsdrehscheibe - hin zu einer Instanz, die Orientierung gibt, konkrete Lösungen bietet und den Austausch innerhalb der Branche stärkt. „Unser Ziel ist es, für unsere Mitglieder noch relevanter zu werden - mit Angeboten, die nicht nur informieren, sondern wirklich unterstützen“, fasst Tschernutter zusammen. Oder, anders gesagt: näher dran am echten Alltag der Mitglieder.


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