WK-Spartenobmann Klaus Kronlechner
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Gewerbe und Handwerk: Aufträge im Bausektor brechen ein

Die Ergebnisse der Konjunkturbeobachtung im 2. Quartal 2023 des Kärntner Gewerbe und Handwerk zeigen: Die Handwerksbetriebe bewerten ihre Geschäftslage insgesamt wieder besser. Im Bausektor aber droht eine Verschlechterung. Auftragspolster werden generell kleiner.

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Aktualisiert am 04.08.2023
Mit nicht gerade rosigen Aussichten ist das heimische Gewerbe und Handwerk in die Monate April bis Juni 2023 gestartet. Dies spiegelt auch das Ergebnis der Konjunkturbeobachtung der KMU Forschung Austria für das 2. Quartal 2023 wider. Ausgehend von einem sehr hohen Niveau beurteilen die Kärntner Gewerbe- und Handwerksbetriebe die Geschäftslage im abgelaufenen 2. Quartal 2023 deutlich schlechter als im Vorjahresquartal (+ 19 %). Es überwiegen die Betriebe mit schlechter Geschäftslage.

Im Handwerk kann die konjunkturelle Lage im 2. Quartal insgesamt noch als zufriedenstellend bezeichnet werden - zunehmende Probleme gibt es aber im Bauhauptgewerbe, das ein deutliches Minus hinnehmen musste. „Noch sind die Betriebe im nachgelagerten Baunebengewerbe und im Bereich Elektro und Installation gut ausgelastet, aber die Polster werden kleiner. Aufgrund der weiter steigenden Zinsen, der damit verbunden höheren Finanzierungskosten und der verschärften Vergaberegeln für Wohnbaukredite sind die Auftragsbestände deutlich eingebrochen“, berichtet Klaus Kronlechner, Obmann der Sparte Gewerbe und Handwerk in der Wirtschaftskammer Kärnten.

Steigende Kosten

Im Neubau werden Projekte verschoben oder ganz abgesagt. Vor allem die öffentlichen Auftraggeber halten sich wegen der hohen Baupreise seit Monaten mit Aufträgen zurück. „Den Bauunternehmen bleibt kalkulatorisch nichts übrig, als die gestiegenen Kosten weiterzugeben“. Auch die hohen Lohnabschlüsse (plus zehn Prozent) seien für viele mittlerweile schwer zu verkraften. Die Vertreter der Kärntner Bauwirtschaft appellieren an die Politik: Die öffentliche Hand sollte endlich Bauimpulse setzen. Damit die Gemeinden längst fällige und dringend notwendige Sanierungen im Infrastrukturbereich durchführen können, müssten ihnen finanzielle Spielräume eröffnet werden. Die Bauwirtschaft appelliert aber auch, gemeinnützigen Bauvereinigungen Projekte zu ermöglichen.

Bessere Geschäfte im konsumnahen Bereich

Positive Rückmeldungen zu den Umsätzen im 2. Quartal 2023 kommen insgesamt aus den konsumnahen Branchen wie dem Lebensmittelgewerbe, Gesundheit und Wellness, etwas abgeschwächt bei den Personaldienstleistern sowie den Kfz-Werkstätten.

Unsicherheit spiegelt sich in den Erwartungen der Branchen unterschiedlich wider

Insgesamt ist das Stimmungsbarometer im Vergleich zum Vorjahresquartal geringfügig gesunken. Der Anteil der Betriebe mit schlechter Geschäftslage ist im 2. Quartal 2023 mit 26 % höher als im 2. Quartal 2022 mit 9 %. Der Anteil der Betriebe mit guter Geschäftslage lag auch im 2. Quartal 2023 bei 22 %. Der Anteil der Betriebe, die eine saisonübliche Geschäftslage melden, ist von 54 % (1. Quartal 2023) auf 52 % (2. Quartal 2023) gesunken. Dagegen ist der Anteil der Betriebe mit einer schlechten Geschäftslage im 2. Quartal 2023 mit 26 % etwas höher als im 1. Quartal 2023 (24 %).

Top 3 Herausforderungen

Was das Handwerk im 2. Quartal 2023 am meisten und am häufigsten „belastet“, sind die Preise für Rohstoffe und Materialien (72 %) und die Beeinträchtigung der Geschäfte durch die steigenden Energiepreise (58 %). Den Fachkräftemangel spüren 56 % der Befragten massiv.

Ausblick Juli bis September 2023

Bei der Prognose für das 3. Quartal sind die Erwartungen der Kärntner Gewerbe- und Handwerksbetriebe (im Vergleich zum Vorjahresquartal) mehrheitlich negativ. Es überwiegen die pessimistischen Einschätzungen. Die Erwartungen bezüglich der Auftragseingänge/Umsätze sind schlechter als im Vorjahresquartal (-6 %). Insgesamt rechnen mehr Unternehmen mit Rückgängen als im Vorquartal. Differenziert nach Investitionsgüter- und Konsumgüterbranchen zeigen sich kaum Unterschiede in den Erwartungen für das 3. Quartal 2023: In den investitionsgüternahen Branchen liegt der Saldo (Anteil der Betriebe mit positiven Erwartungen abzüglich der negativen Erwartungen) von Juli bis September 2023 mit -14 % deutlich stärker im negativen Bereich als in den konsumnahen Branchen
(-6 %).

Für alle Branchen gilt: Eine überlebenswichtige Planbarkeit wie in der Vergangenheit gibt es derzeit nicht. „Die Unternehmen hoffen auf eine Verbesserung der wirtschaftlichen Lage. Große Sorgen bereiten ihnen die nachlassende Kundennachfrage und die steigenden Kosten. Nicht zuletzt wird der Fachkräftemangel eine sehr große Herausforderung darstellen“, so Kronlechner abschließend.

Rückfragen:

Wirtschaftskammer Kärnten
Sparte Gewerbe und Handwerk
Mag. Manfred Zechner
T 05 90 90 4 - 100
manfred.zechner@wkk.or.at