Helmut Zechner, WK-Obmann der Fachgruppe Buch- und Medienwirtschaft mit Ingrid Parzer
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Kein Grund zum Jubeln am Welttag des Buches

Der Kärntner Buchhandel steht mit dem Rücken zur Wand. Die Situation ist alarmierend: Immer mehr Buchhandlungen in Österreich müssen aufgrund der enormen Herausforderungen schließen. Eine Senkung der Umsatzsteuer auf Bücher würde die Betriebe deutlich entlasten.

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Aktualisiert am 08.04.2024

Der 23. April ist der Welttag des Buches und eigentlich ein Feiertag für alle Buchhändler. Doch Jubelstimmung kommt in der Branche immer seltener auf. Die Herausforderungen für den Buchhandel werden immer größer. „Die Kosten sind in den vergangenen 16 Monaten durch fast 17% KV-Lohnerhöhungen, hoher Inflation und der damit verbundenen Verteuerung von Energie, Transport und Mietkosten deutlich gestiegen. Gleichzeitig stagniert das Umsatzniveau und die Buchpreise bewegen sich kaum nach oben. Schon vor der aktuellen Krise hatte es der Kärntner Buchhandel schwer und es mussten zahlreiche Buchhandlungen schließen, jetzt wird es für die verbliebenen existentiell gefährlich, sagte Helmut Zechner, WK-Obmann der Fachgruppe Buch- und Medienwirtschaft bei der heutigen Pressekonferenz.

Ein Viertel weniger Mitglieder in der Fachgruppe Buch- und Medienwirtschaft.
Dass es ein Sterben in der Buchbranche gibt, belegt auch die Zahl der Gewerbeberechtigungen im Land. Sie sind in den vergangenen zwölf Jahren um mehr als ein Viertel (-27%) zurückgegangen. 2012 waren es noch 62, Ende 2023 nur noch 45. „Das Buchhandelssterben hat in Kärnten schon früh begonnen und die Verbliebenen kämpfen um ihr Überleben. Allein in Klagenfurt haben in den letzten Jahren acht Buchhandlungen zugesperrt. Das zeigt, wie dramatisch die Lage in der Branche ist“, betonte Zechner. Auch die Verkäufe sind im vergangenen Jahr deutlich zurückgegangen. Im stationären Buchhandel lag der Absatz 2023 österreichweit im Vergleich zu 2022 bei -4,9%. Die Preiserhöhung bei Büchern lag im Vorjahr mit 5,4% gegenüber 2022 deutlich unter der Inflationsrate von 7,8%. Die Umsätze sind dadurch nur um 0,3% gestiegen. Und auch 2024 ist die Entwicklung höchst problematisch: Die Buchpreise sind nur mehr um 1,1% gestiegen, der Absatz um weitere 0,2% gesunken und der Umsatz stagniert mit +0,9 % nahezu.
Die dramatisch gestiegenen Kosten im stationären Buchhandel werden dadurch bei weitem nicht gedeckt. Eine Schere, die im besten Fall zu Personalabbau und im schlimmsten Fall zur Schließung von Betrieben führen wird.

Rettung durch eine niedrigere Umsatzsteuer

Österreich ist mit 10% Umsatzsteuer auf Bücher ein Hochsteuerland. In den meisten Europäischen Ländern werden Bücher deutlich niedriger besteuert als in Österreich: In Deutschland liegt der Steuersatz bei 7%, in Südtirol bei 4%, in der Schweiz sogar nur bei 2,6% und in England oder Irland gibt es überhaupt keine Steuer auf Bücher. Wir fordern daher eine deutliche Senkung der Umsatzsteuer auf Bücher auf unter 4%.
Aufgrund der für den Buchhandel essentiell notwendigen Buchpreisbindung in Österreich bliebe dadurch der Verkaufspreis gleich und die Betriebe hätten damit die Chance, durch die dadurch erreichte Erhöhung der Handelsspanne diese herausfordernde Situation zu überleben. Außerdem ist es dringend notwendig, die Schulbuchverträge über das Jahr 2025 zu verlängern, da Schulbücher eine existentiell wichtige Einnahmequelle für den stationären Buchhandel darstellen.

Welttag des Buches

 Anlässlich des Lesemonats April mit dem Andersen-Tag und dem Welttag des Buches startet die Fachgruppe Buch- und Medienwirtschaft eine Radiokampagne unter dem Motto „An Freunde denken, Bücher schenken“. Im Zeitraum vom 9. bis zum 22. April laufen auf dem Sender Antenne Kärnten Werbespots und redaktionelle Beiträge, um Stimmung für das Lesen und Lust auf Literatur zu erzeugen.

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